Wie empfinden Personen mit chronischen Krankheiten widersprüchliche Medikamenteninformationen? Wie gehen sie damit um? Welches sind die Gründe für Widersprüche? Die Studie nimmt diese Fragen unter die Lupe.
Patientenstudie B: Widersprüchliche Informationen zu Medikamenten bei chronischen Patientinnen und Patienten
Die Studie ist eine der ersten zu widersprüchlichen Einschätzungen im Schweizer Gesundheitswesen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 47 Prozent der Teilnehmenden in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Information zu ihren Medikamenten als widersprüchlich empfanden. Diese Widersprüche betreffen alle Arten von Arzneimittelinformationen (Nebenwirkungen, Behandlungsdauer, Indikation, Dosierung, Anwendung).
Widersprüche können aus verschiedenen Gründen entstehen: Die Hauptursachen für widersprüchliche Informationen sind aus Sicht der Teilnehmenden Zeitmangel, mangelnde Zusammenarbeit und Koordination und damit der Mangel an Informationen, die von den Akteuren im Gesundheitswesen untereinander ausgetauscht werden. Es ist aber auch möglich, dass Fachpersonen unterschiedliche, aber grundsätzlich gleichwertige Behandlungsansätze vorschlagen. Es kann aber auch sein, dass eine persönliche Interpretation auf Seiten des Patienten oder der Patientin zu subjektiv wahrgenommenen Widersprüchen führt. Die wahrgenommene Widersprüchlichkeit der erhaltenen Informationen beeinträchtigt das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in das Gesundheitswesen. Das führt zu nicht abgesprochenen Behandlungsentscheiden und verringert die Patientensicherheit.
Forschungsfrage, Ziel und methodisches Vorgehen
Die Studie untersucht die Verbreitung widersprüchlicher Arzneimittelinformationen an Patientinnen und Patienten sowie deren Auswirkungen auf den Umgang der Patientinnen und Patienten mit den Medikamenten. Des Weiteren wird ermittelt, inwieweit die interprofessionelle Zusammenarbeit dazu beitragen kann, dass sich Fachpersonen bezüglich Arzneimittelinformation besser koordinieren können.
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stehen die Patientinnen und Patienten als Empfänger und Umsetzer der erhaltenen Arzneimittelinformationen. Es werden qualitative und quantitative Methoden kombiniert. In der Studie wird die Situation von ambulant behandelten wie auch von in Genf hospitalisierten Patientinnen und Patienten untersucht.
Laufzeit: Oktober 2018 bis Juni 2020
Projektteam: Prof. Dr. Marie-Paule Schneider Voirol (Projektleitung), Universität Genf - Sektion Pharmazeutische Wissenschaften, Dr. Elisabeth van Gessel, Universität Genf - Interprofessionelles Simulationszentrum, Dr. Katherine Blondon, Medizinische Direktion, Universitätsspital Genf (HUG)
Letzte Änderung 19.02.2025
Kontakt
Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Gesundheitsversorgung und Berufe
Sektion Weiterentwicklung Gesundheitsberufe
Schwarzenburgstrasse 157
3003
Bern
Schweiz