FAQ – Zecken und durch Zecken übertragene Krankheitserreger
Zecken und Zeckenstiche
Das wichtigste in Kürze
- Zecken kommen in der ganzen Schweiz vor.
- Zecken können durch ihren Stich Krankheiten wie die Frühsommer Meningo-Enzephlitis (FSME) oder Lyme-Borreliose übertragen.
- Zecken sind im Frühling/Frühsommer sowie im Herbst am aktivsten.
- Vorbeugung: lange Kleidung, Insektenschutz und Körperkontrolle nach Aufenthalten im Freien.
- Es gibt einen Impfstoff gegen FSME, aber keinen gegen Borreliose.
Die wichtigste Zeckenart in der Schweiz ist der gemeine Holzbock Ixodes ricinus. Er lebt in Wäldern im dichten Unterholz, an Waldrändern, auf Waldlichtungen, weiter auch in der Nähe von Flüssen und in waldnahen Parkanlagen. Zecken kommen in der ganzen Schweiz vor: Somit besteht überall ein Risiko für Zeckenstiche.
Am meisten Zecken sind im Frühling und Frühsommer unterwegs, wenn ihre Aktivität den ersten Höhepunkt erreicht. Ein zweiter, etwas kleinerer Höhepunkt folgt im Herbst, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit wieder günstiger werden.
Den besten Schutz vor Zeckenkontakt bietet Kleidung, die die Haut abdeckt, und geschlossenes Schuhwerk – insbesondere beim Gang durchs Unterholz oder hohe Gras. Es wird empfohlen, Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen zu tragen und die Socken über die Hosenstösse zu ziehen. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte zu Hause der ganze Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht und gefundene Zecken möglichst rasch und ohne vorherige Behandlung entfernt werden. Nach Entfernen der Zecke ist die Stichstelle zu desinfizieren.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Repellentien zum Fernhalten und Acariziden zum Abtöten von Zecken. Für die Anwendung auf der Haut bzw. Einwaschen / Auftragen auf die Kleidung sind nur Repellentien empfohlen; Acarizide können bei direktem Hautkontakt gesundheitsschädlich sein. Bei den zugelassenen Wirkstoffen in Repellentien gibt es Unterschiede in der Hautverträglichkeit und Eignung für die Anwendung bei Kleinkindern. Produkte mit dem Wirkstoff DEET können bei empfindlichen Hauttypen und Kindern unter zwei Jahren allergische Reaktionen auslösen. Die Wirkstoffe Icaridin und Citriodiol sind hautverträglicher, und in ihrer Wirkung mit DEET vergleichbar. Einzelne Produkte mit diesen Wirkstoffen sind für die Anwendung bei Kleinkindern ab einem Jahr zugelassen. Die Wirkung aller Produkte ist auf einige Stunden beschränkt und es besteht keine Garantie, nicht trotzdem gestochen zu werden. Man kann sich in Apotheken oder Drogerien zu Repellentien beraten lassen.
Einige Personen werden vermehrt von Mücken gestochen. Allerdings hat keine Studie spezifische Faktoren identifiziert, die für Zeckenstiche prädisponieren.
Dies hängt vom Entwicklungsstadium der Zecke ab. Bei Ixodes ricinus unterscheidet man das Larven-, das Nymphen- und das adulte Stadium. Die Larve bleibt zwei bis fünf Tage, die Nymphe zwei bis sieben und das adulte Zeckenweibchen sechs bis elf Tage haften, sofern sie nicht vorher entfernt werden. Adulte Männchen stechen nicht.
Es gibt eine Reihe spezieller Werkzeuge wie zum Beispiel Zeckenpinzetten, Zeckenhaken oder Zeckenentfernungskarten. Für welches Werkzeug man sich entscheidet, hängt von den individuellen Vorlieben ab. Eine Splitterpinzette beziehungsweise eine spitz zulaufende Chromstahlpinzette ist ideal; von der Verwendung einer breitbackigen Pinzette wird abgeraten, weil damit bei der Entfernung der Hinterleib der Zecke gequetscht wird und so zusätzliche Krankheitserreger in den Körper gelangen können. Unabhängig vom Werkzeug soll die Zecke langsam und gleichmässig senkrecht herausgezogen werden.
Grundsätzlich gilt: Zecken sollten so schnell wie möglich entfernt werden, denn je länger die Zecke Blut saugt, umso grösser ist das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern (FSME nach wenigen Minuten, Borrelien jedoch erst nach ca. 16 Stunden). Steht kein Werkzeug zur Verfügung, kann die Zecke notfalls mit den Fingernägeln entfernt werden.
- Wie entfernt man eine Zecke? (inkl. Anleitung mit Bilder)Nein. Ein steckengebliebener Zeckenkopf ist kein grösserer Grund zur Sorge als ein Holzsplitter; beide werden in der Regel von der Haut als Fremdkörper herausgearbeitet. Trotzdem sollte man versuchen, die Zecke ganz zu entfernen.
Nein, man sollte die Zecke ohne weitere Hilfsmittel ausser den Entfernungswerkzeugen entfernen.
Ein Arztbesuch für die Entfernung einer Zecke ist nicht notwendig. Als wichtigste Massnahme sollte die Zecke so rasch wie möglich entfernt werden. Anschliessend soll die Stichstelle mit einem Wunddesinfektionsmittel desinfiziert und die Stelle des Einstichs beobachtet werden. Zudem sollte man notieren, wo und wann man von einer Zecke gestochen worden ist (Foto der Einstichstelle). Tritt an der Stichstelle eine Hautrötung auf oder zeigen sich Kopf-, Gelenk- oder grippeartige Beschwerden, ist ein Arztbesuch empfohlen.
Übertragung von Krankheitserregern durch Zeckenstiche
Das wichtigste in kürze
- Nicht jeder Zeckenstich führt zu einer Infektion.
- Bakterien und Viren können durch Zecken übertragen werden.
- Frühes Entfernen der Zecke reduziert das Risiko einer Infektion.
In der Schweiz werden durch Zecken hauptsächlich das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato, der Erreger der Lyme Borreliose, sowie das Virus, das für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verantwortlich ist, übertragen. Ebenfalls durch Zecken übertragen werden können die Erreger der Tularämie (Francisella tularensis). Seltener durch Zecken übertragene Erreger sind Anaplasmose (Anaplasma phagocytophilum), Rikettsiosen (Rickettsia helvetica und monacensis), Babesiose (Babesia spp.) und Neoehrlichiose (Candidatus Neoehrlichia mikurensis).
In der Schweiz sind schätzungsweise 5 bis 30% (stellenweise bis 50%) der Zecken Träger von Borrelien und etwa 1% Träger des FSME-Virus.
Nein.
Nein, aber in seltenen Fällen wurde eine Übertragung durch Bluttransfusion gemeldet.
Eine Übertragung der für die Borreliose verantwortlichen Bakterien über die Muttermilch ist bislang nicht beschrieben. Bei FSME kann eine Übertragung über die Muttermilch jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden; in der Fachliteratur (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35447060/) ist mindestens ein wahrscheinlicher Fall dokumentiert.
Die häufigsten durch Zecken übertragenen Erreger
Das wichtigste in Kürze
- In der Schweiz sind vor allem Borrelien (Lyme Borreliose) und FSME-Virus verbreitet.
- Andere Infektionen sind eher selten.
- Das Risiko hängt von der Region, der Jahreszeit und der Zeit zwischen dem Stich und der Entfernung der Zecke ab.
Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, gegen die es keine Impfung gibt. Zur Vorbeugung können lediglich die allgemeinen Massnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen getroffen werden. Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden.
Die FSME ist eine virale Erkrankung. Zur Vorbeugung können ebenfalls die allgemeinen Massnahem zum Schutz vor Zeckenstichen getroffen werden. Zusätzlich existiert eine Schutzimpfung. Der Erreger der FSME kann medikamentös nur symptomatisch behandelt werdenDie Erkrankungen verlaufen häufig unbemerkt. Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Übertragung von Erregern, und nicht jede Erregerübertragung führt zu einer Erkrankung. Bei der Borreliose liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nach einem Zeckenstich bei etwa 3%. Bei der FSME liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung nach einem Zeckenstich in einem Endemiegebiet bei höchstens 2%. Beide Erkrankungen können jedoch in seltenen Fällen zu bleibenden Schäden,oder im Fall von FSME sehr selten sogar tödlich verlaufen.
Bezüglich der Borreliose liegen in der Schweiz nur Schätzungen vor: Es handelt sich um 8000 bis 15 000 Erkrankungsfälle pro Jahr. Die Zahlen für die FSME sind genauer, da diese Krankheit meldepflichtig ist. Jährlich werden zwischen 200 und 500 Krankheitsfälle gemeldet.
- siehe BAG-Infoportal übertragbare Krankheiten für mehr Informationen
Lyme Borreliose oder Lyme Krankheit
Die Borreliose (auch Lyme Borreliose oder Lyme Krankheit genannt) ist eine bakterielle Krankheit, die verschiedenste Organe betreffen kann. In den meisten Fällen verläuft die Infektion jedoch symptomfrei, und nur etwa 5 % der Zeckenstiche führen zu einer Infektion und seltener zu einer Erkrankung. Die Borreliose äussert sich durch sehr unterschiedliche Symptome und verläuft in der Regel in drei Stadien:
Lokalisiertes Frühstadium – 1 bis 30 Tage nach dem Zeckenstich: Um den Stich kann sich eine Hautrötung bilden, das sogenannte Erythema migrans (Wanderröte). Die Rötung vergrössert sich während einigen Tagen, um dann spontan zu verschwinden. Trotzdem ist die Konsultation eines Arztes oder eine Ärztin empfohlen. In seltenen Fällen kann dieses Stadium mit grippeähnlichen Symptomen einhergehen oder völlig unbemerkt verlaufen.
Disseminiertes Frühstadium – einige Wochen bis mehrere Monate nach der Infektion[AC1] : Mögliches Auftreten eines multiplen Erythems am ganzen Körper, das nicht mit den Zeckenstichstellen in Zusammenhang steht. Es kann auch in Form von Rücken- und Nackenschmerzen sowie Empfindungsstörungen und Lähmungen im Gesicht auftreten. In diesem Stadium sind auch Gelenkschmerzen möglich und, seltener, Herz- und Augenbeschwerden.
Disseminiertes Spätstadium– einige Jahre nach der Infektion: Es können Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden sowie Störungen des Gangs und der Blasenfunktion auftreten.
Unabhängig vom Stadium, wird Borreliose in der Regel mit Antibiotika behandelt.Die Erreger der Lyme Borreliose werden in der Schweiz durch Zecken der Art Ixodes ricinus übertragen.
Obwohl dies prinzipiell möglich ist, ist das Übertragungsrisiko äusserst gering, da die Larven selten Borrelien in sich tragen und Menschen noch seltener stechen.
Zeigen sich nach einem Zeckenstich Kopf- oder Gelenkschmerzen, Hautrötungen oder grippeartige Beschwerden, sollte man einen Arzt aufzusuchen.
Unter einer chronischen Borreliose versteht man eine unbehandelte, bakterielle Infektion. Eine chronische Borreliose kann mit einer drei- bis vierwöchigen Antibiotikatherapie behandelt werden. Bleiben Beschwerden bestehen, müssen die Kriterien für ein Post-Treatment-Lyme-Disease-Syndrom überprüft werden.
Ein Post-Treatment-Lyme-Disease-Syndrom (PTLDS) ist keine bakterielle Infektion mehr, sondern ein Zustand der nach einer erfolgreich behandelten Borreliose auftritt. Ein PTLDS kann man nicht mit Antibiotika behandeln. In der Fachwelt werden die Begriffe «residuelle oder persistierende Beschwerden» und «Post-Treatment-Lyme-Disease-Syndrom» gleichwertig verwendet.
Für ein chronisches Fatigue-Syndrom kann es zahlreiche Ursachen geben. Der eindeutige Rückschluss auf die Ursache gelingt äusserst selten. Unter den zahlreichen Ursachen kann eine behandelte oder abgelaufene Infektion eine Möglichkeit sein – und zwar unabhängig vom Erreger der Infektion.
Die kreisförmige oder ovale Hautrötung rund um die Stichstelle ist das wichtigste Symptom für die Erkennung und Diagnose einer Lyme Borreliose im frühen Stadium (innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Zeckenstich). In den allermeisten Fällen beträgt der Durchmesser der Wanderröte mindestens fünf Zentimeter. Jedoch tritt dieses in der Fachsprache Erythema migrans genannte Symptom nicht zwingend auf, d.h. das Fehlen einer Wanderröte bedeutet nicht den Ausschluss einer Infektion mit Borrelia.
Das Erythema migrans ist von einer lokalen Reaktion auf einen Zeckenstich zu unterscheiden: Innerhalb von Stunden (bis zu zwei Tagen) nach einem Stich kann eine Rötung auftreten, deren Durchmesser jedoch selten mehr als ein Zentimeter beträgt, die nicht grösser wird und anschliessend schnell wieder verschwindet.
Die Wanderröte hat eine rot-blau-violette Farbe. Der Hautbefund ist jedoch je nach Weltregion verschieden.
Ja.
Eine Wanderröte zeigt sich in einem Zeitraum von wenigen Tagen bis maximal sechs Wochen. Unter antibiotischer Therapie verschwindet sie meist innerhalb von ca. 10 Tagen.
Nein.
Die Diagnose basiert in erster Linie auf der Anamnese und der klinischen Untersuchung. Anhand der Anamnese lässt sich insbesondere feststellen, ob ein Zeckenstich vorliegt. Je nach Symptomen und dem Ergebnis der klinischen Untersuchung stellt der Arzt eine Verdachtsdiagnose auf Borreliose. Basierend auf der Verdachtsdiagnose wird die Notwendigkeit eines Labortestes geprüft. Die Kombination aller Resultate (Patientengeschichte, Symptome, Befunde und – falls indiziert – Bluttest) führt dann zur gesicherten Diagnosestellung.
Lassen Sie sich die Untersuchungsergebnisse vom behandelnden Arzt nochmals erläutern. Ein Bluttest kann auf eine frühere, bereits ausgeheilte Borrelien-Infektion hinweisen. Ein positives Laborresultat bedeutet daher nicht zwingend, dass eine aktive Erkrankung vorliegt. Solche Befunde können auch ohne spezifische Symptome einer Lyme-Borreliose auftreten; man spricht dann von einer serologischen Narbe, die keine Behandlung erfordert.
Der Nachweis von Antikörpern durch die Serologie ist das grundlegende diagnostische Instrument für die Labordiagnostik der Borreliose. Diese Untersuchung liefert jedoch zu Beginn der Erkrankung häufig ein negatives Resultat, da sich die frühe Borreliose häufig nur lokal und noch nicht im ganzen Körper entwickelt. Entsprechend dauert es nach einer Infektion mehrere Wochen, bis sich Antikörper entwickeln, welche durch einen Bluttest respektive Antikörpersuchtest nachgewiesen werden können.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten und kann nur vom behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin beurteilt werden. Die Diagnose von Infektionskrankheiten basiert typischerweise auf einer Kombination aus klinischen Symptomen und Untersuchungsergebnissen wie zum Beispiel aus Labortests oder von bildgebenden Verfahren. Nur die Berücksichtigung aller Befunde ermöglicht eine sinnvolle Diagnose.
Nein, der LTT- oder Lymphozytentransformationstest ist in der Schweiz nicht auf dem Markt. Dieser Test ist in der Praxis nicht geeignet, da er in etwa der Hälfte der Fälle zu falsch positiven Resultaten führt. In einem solchen Fall wird der Patient bzw. die Patientin unnötigerweise mit Antibiotika behandelt. Studien der letzten Jahre haben keinen Vorteil gegenüber der Serologie aufgezeigt.
Der Auftrag ans Labor hängt von den Symptomen und dem klinischen Befund ab und wird von der behandelnden Ärztin bzw. Ärztes angeordnet.
Höchstens 4 Wochen im disseminierten Spätstadium, in der Regel jedoch 1-3 Wochen. Dies ist abhängig von der Form der diagnostizierten Lyme Borreliose sowie dem gewählten Antibiotikum. Die Therapie wird vom behandelnden Arzt bzw. der Ärztin individuell verschrieben. Diesbezüglich hat die Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie (SSI) Empfehlungen erarbeitet.
- Borrelien, Lyme ErkrankungDie Behandlung ist Sache der behandelnden Ärztin bzw. Arztes.
Ja. Eine korrekte Therapie mit Antibiotika verhindert ein Fortschreiten der Erkrankung. Deshalb sollte man bei Symptomen nach einem Zeckenstich, einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen.
Die Entscheidung sollte auf einem guten fachlichen und vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis basieren. Im Zweifelsfall steht jeder Patientin/Patienten die Möglichkeit offen, eine Zweitmeinung einzuholen.
Nein. Bei Symptomen und Befunden, die mit dem Krankheitsbild einer Borreliose vereinbar sind wird auch bei Kindern die Antibiotika-Behandlung sofort gestartet.
Die geeignete Behandlung ist in der Kompetenz der behandelnden Ärzteschaft.
Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME)
In der Schweiz wird das FSME-Virus von Zecken der Art Ixodes ricinus übertragen. Vereinzelt werden auch Übertragungen durch den Verzehr von Rohmilchprodukten, vor allem Ziegenmilch, beobachtet.
Die FSME ist eine virale Infektion, die das zentrale Nervensystem befallen kann. Bei symptomatischen Infektionen entwickeln sich circa eine Woche nach dem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese Phase dauert etwa ein bis acht Tage und endet in den meisten Fällen mit einer spontanen Heilung. Bei etwa 10% der infizierten Personen kommt es nicht zur Heilung, sondern es entwickelt sich eine zweite Krankheitsphase mit Befall des zentralen Nervensystems. Die Symptome einer Hirnhaut- oder Hirnentzündung sind Fieber, Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen, Bewusstseinsstörung und Lähmungen. Rund 1 % der an FSME erkrankten Personen versterben. Obwohl FSME bei Kindern als weniger schwerwiegende Erkrankung gilt, wurden sehr selten auch schwere Fälle gemeldet. Die Infektion verläuft häufig (etwa 70%) ohne Symptome und bleibt darum unbemerkt. Eine Behandlung der Ursache der FSME ist nicht möglich und konzentriert sich auf die Symptome. Der Krankheit kann jedoch mit einer Impfung vorgebeugt werden.
Zeigen sich nach einem Zeckenstich Kopf- oder Gelenkschmerzen, Hautrötungen oder grippeartige Beschwerden ist sofort ein Arzt bzw. eine Ärztin aufzusuchen.
Ja. Die Impfung wird für alle Erwachsenen und Kinder ab 3 Jahren empfohlen, die in Risikogebieten wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten. Da der Impfstoff ab einem Alter von einem Jahr zugelassen ist, kann die Impfung für Kinder im Alter von 1–2 Jahren in Betracht gezogen werden, wenn ein erhöhtes Risiko einer Zeckenexposition besteht. Mit Ausnahme des Kantons Tessin gilt die gesamte Schweiz als Risikogebiet.
In der Schweiz sind für Erwachsene und Kinder je zwei FSME-Impfstoffe zugelassen: Encepur® N Kinder für Kinder bis 11 Jahre und Encepur® N für Personen über 12 Jahre von Bavarian Nordic, sowie FSME-Immun® Junior für Kinder bis 15 Jahre und FSME Immun® CC für Personen über 16 Jahre von Pfizer.
- compendium.ch (Encepur) & compendium.ch (FSME Immun CC)
- Zeckenenzephalitis (FSME): die Krankheit und der ImpfstoffNein, die FSME-Impfung wirkt nicht schnell genug, um nach einem Zeckenstich eine allfällige Erkrankung zu verhindern.
Eine vollständige Erstimmunisierung d.h. drei Impfdosen vermittelt einen langfristigen Schutz. Eine Auffrischungsimpfung wird nach 10 Jahren empfohlen. Es existieren keine anerkannten Grenzwerte für Antikörpertiter, die eine Aussage dazu erlauben, ob eine Person noch ausreichend geschützt ist.
Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen und Impfstoffen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) finden Sie auf der BAG-Webseite Massnahmen der Prävention www.bag.admin.ch/okp-praevention.
Die Impfung wird sehr gut vertragen. Bei rund einem Drittel der geimpften Personen treten lokale Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Injektionsstelle auf; diese klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab. Gemäss Fachinformation gehören zudem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen zu den häufigen Nebenwirkungen. Gelegentlich wurde auch Fieber beobachtet. Die vollständigen Informationen zu jedem Impfstoff finden Sie unter www.swissmedicinfo.ch.
Wer an einer akuten Erkrankung leidet, sollte sich erst impfen lassen, wenn die Krankheit ausgeheilt ist. Auch Personen, die auf eine frühere Impfung oder einen Bestandteil des Impfstoffs mit einer allergischen Reaktion reagiert haben, sollten auf eine Impfung verzichten. Bei früheren allergischen, nicht anaphylaktischen Reaktionen auf Hühnereiweiss ist eine Impfung unter sorgfältiger klinischer Überwachung zu verabreichen. Grundsätzlich sollte man sich vor jeder Impfung von ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin oder Apothekerin bzw. Apotheker beraten lassen.
Ja, inaktivierte Impfstoffe wie der gegen FSME können während der Schwangerschaft verabreicht werden. Man sollte aber in Rücksprache mit der behandelnden Ärzteschaft die Vorteile und Risiken genau abwägen.
Zunächst führt die Ärztin oder der Arzt eine Anamnese und eine klinische Untersuchung durch. Zur Anamnese gehört auch der Impfstatuts gegen FSME und die Abklärung eines möglichen Steckenstichs. Je nach Symptomen und Befunden stellt der Arzt bzw. die Ärztin eine Verdachtsdiagnose einer FSME. Basierend auf der Verdachtsdiagnose wird die Notwendigkeit eines Labortestes geprüft. Die Kombination aller Resultate (Patientengeschichte, Symptome, Befunde und – falls indiziert – Bluttest) führt dann zur Diagnosestellung.
Der Auftrag ans Labor hängt von den Symptomen und dem klinischen Befund des Arztes bzw. der Ärztin ab.
Gegen die FSME gibt es keine spezifische Therapie; Die Behandlung konzentriert sich auf die Symptome.
Versicherung und Recht
Die SUVA empfiehlt bei Zeckenstichen folgendes Vorgehen:
- Wenn nach einem Zeckenstich Anzeichen auftreten, die an eine Borreliose oder eine FSME denken lassen, Arzt aufsuchen.
- Ein Zeckenstich entspricht gemäss Rechtssprechung einem Unfallereignis.
- Besteht eine Unfallversicherung, ist der Zeckenstich der Versicherung zu melden, falls der Arzt aufgesucht wird.
Zeckenstich und Übernahme durch die Unfallversicherung
- Besteht eine Unfallversicherung, ist der Zeckenstich der Versicherung zu melden, falls der Arzt aufgesucht wird.
Weiterführende Information
Primär soll bei Auftreten der Symptome ein Hausarzt respektive eine Hausärztin kontaktiert werden. Bei Bedarf wird man an eine Spezialistin oder einen Spezialisten überwiesen. Hierbei handelt es sich in der Regel um die Infektiologen der Universitäts- und Kantonsspitäler.
Für die Referenz- und Bestätigungsdiagnostik für zeckenübertragbare Krankheiten ist in der Schweiz das Nationale Referenzzentrum für zeckenübertragbare Krankheiten NRZK zuständig.
Start - SwissticksInformation zu den Erregern
Erreger - SwissticksFlyer der NRZK – FAQs
https://swissticks.ch/wp-content/uploads/2024/06/Flyer_Zecken_de.pdf
Anti-Brumm: Zecken: Wissenswertes im Überblick | ANTI-BRUMM®
Ch.ch: Zecken in der Schweiz
Infoportal übertragbare Krankheiten
BAG-Infoportal übertragbare Krankheiten
FSME Impfempfehlungen Update August 2024
https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/LMQY55IUrRYn/empfehlungen-impfungen-fsme-update-wichtigstes-in-kuerze.pdf
Liga für Zeckenkranke Schweiz
Die Liga für Zeckenkranke Schweiz (LiZ) hat zum Ziel, Informationen über Zeckenkrankheiten auszutauschen und zu verbreiten. Sie engagiert sich für die Prävention und versucht, die Kontakte zwischen Kranken und medizinischen, sozialen und gesundheitspolitischen Institutionen zu erleichtern.
zeckenliga.ch
Weiterführende Themen

Zeckenübertragene Krankheiten
Bei den zeckenübertragenen Infektionskrankheiten sind in der Schweiz vor allem Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis von Bedeutung. Es können jedoch auch andere Krankheiten diagnostiziert werden.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die FSME ist eine Krankheit, die durch den Stich einer infektiösen Zecke übertragen wird. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen. Die Impfung wird Menschen ab 6 Jahren, die sich in Risikogebieten aufhalten, empfohlen.
Borreliose / Lyme-Krankheit
Die Lyme-Borreliose wird durch Zecken übertragen. Wichtig ist, Zeckenstichen vorzubeugen, den Körper nach Outdoor-Aktivitäten abzusuchen und Zecken rasch zu entfernen. Die Infektion kann mit Antibiotika behandelt werden.
Bundesamt für Gesundheit BAG
Schwarzenburgstrasse 157
Schweiz - 3003 Bern