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Biozide – Chemische Produkte gegen Schädlinge

Es gibt viele chemische Produkte gegen Schädlinge wie Ratten, Schaben, Ameisen, Mücken, Schimmelpilze oder Algen. Diese Produkte sind aber nicht ungefährlich für die Gesundheit und die Umwelt.  Deshalb sollte man sie richtig und vorsichtig verwenden.

Was sind Biozide?

Biozide sind chemische oder biologische Produkte, die Schädlinge kontrollieren, töten oder abwehren. Sie werden auch Schädlingsbekämpfungsprodukte genannt. Biozide stellen ein potenzielles Risiko für Menschen, Tiere und Umwelt dar. Deshalb müssen sie zugelassen werden, bevor sie verkauft werden dürfen. Zugelassene Biozide besitzen eine Zulassungsnummer auf ihrer Etikette.  Übergangszulassungen erhalten eine schweizerische Zulassungsnummer (CHZN/CHZB Nummer) und Zulassungen nach dem EU-harmonisierten Verfahren eine Zulassungsnummer aus der Schweiz oder der EU (CH/EU-YYYY). Weitere Informationen zum Zulassungsverfahren von Bioziden und zu den entsprechenden Anforderungen finden Sie auf der Webseite der Anmeldestelle Chemikalien sowie in der Biozidprodukteverordnung (VBP).

Biozide sind in vielen Bereichen im Haushalt, Gewerbe und in der Industrie anzutreffen. Beispiele dafür sind:

  • Desinfektionsmittel zum Schutz vor Bakterien, Viren und Schimmelpilzen
  • Konservierungsmittel in Seifen, Farben, Lacken, Fasern, Baumaterialien und Flüssigkeiten in industriellen Prozessen
  • Holzschutzmittel zum Schutz vor Insekten- und/oder Pilzbefall
  • Bekämpfungsmittel gegen fliegende und kriechende Insekten sowie Spinnentiere
  • Bekämpfungsmittel gegen Mäuse und Ratten

Biozide sind auch vermehrt in Gebrauchsgegenständen (behandelte Waren) zu finden. Durch die Behandlung mit Bioziden werden Gebrauchsgegenstände haltbar gemacht oder mit einer besonderen Funktion versehen. So kann beispielsweise Bekleidung mit Bioziden behandelt werden, um Gerüche zu hemmen oder um Mücken und Zecken fernzuhalten.

Wie können Risiken bei der Benutzung von Bioziden minimiert werden?

Der Kontakt mit Bioziden oder deren Rückständen birgt stets Risiken für Gesundheit und Umwelt. Deshalb sollten Biozide nur «so viel wie nötig» und «so wenig wie möglich» angewendet werden. Dabei ist es wichtig, dass man sich an die Angaben auf dem Etikett hält und die gelisteten Vorsichtsmassnahmen befolgt. Bei der Verwendung von Bioziden in Innenräumen sowie in der Nähe von Kindern, Schwangeren und Tieren ist besondere Vorsicht geboten.

Die folgenden Anwendungshinweise helfen Unfälle bei der Schädlingsbekämpfung im Haushalt zu vermeiden und die Gesundheit zu schützen:

Präventive Hinweise, um einen Schädlingsbefall vorzubeugen

  • Reinigen Sie regelmässig die Wohnräume.
  • Dichten Sie Zugänge ab, indem Sie bspw. Mückengitter oder Dichtungen an Fenstern und Türen anbringen.
  • Bewahren Sie Lebensmittel, Abfälle und Textilien in dicht geschlossenen Behältern auf.

Hinweise vor der Bekämpfung von Schädlingen

Ein kleiner Befall kann schnell zu einem grossen Problem werden. Falls Sie einen grösseren Befall von Schädlingen feststellen, sollten Sie professionelle Hilfe beiziehen. Wenden Sie sich dabei vorzugsweise an einen Schädlingsbekämpfer mit Fachbewilligung.

Hinweise zur Anwendung von Bioziden

  • Befolgen Sie stets die Dosierungsangaben, die Anwendungshäufigkeit sowie die Sicherheitshinweise auf der Etikette und dem Beipackzettel genau.
  • Beachten Sie die Warnhinweise: Gefahrensymbole, H- und P-Sätze (Gefahrenhinweise (H-Sätze, EUH-Sätze) und die Sicherheitshinweise (P-Sätze)).
  • Vermeiden Sie eine Daueranwendung in Innenräumen.
  • Entfernen oder decken Sie Aquarien, Vogelkäfige und Lebensmittel vor der Verwendung von Sprays ab.
  • Verwenden Sie auf Haustieren nur dafür vorgesehene Mittel (z.B. Anwendung gegen Flöhe und Zecken am Tier).
  • Beachten Sie, dass Produkte, welche Pyrethroide (z.B. Permethrin) enthalten, besonders giftig für Katzen sind.

Hinweise zur Lagerung von Bioziden

  • Lagern Sie Biozide immer sicher und für Kinder unzugänglich (empfohlene Aufbewahrung: höher als 160 cm und in abgeschlossenen Schränken).

Weitere Informationen zum Umgang mit chemischen Produkten im Haushalt finden Sie auf der Webseite unter www.cheminfo.ch.

Häufig angewendete Biozide im Haushalt

Insektenbekämpfungsmittel werden oft im Haushalt angewendet, um schädliche oder lästige Insekten loszuwerden oder fernzuhalten. Es gibt zwei Arten von Insektenbekämpfungsmitteln: Insektizide, die Insekten töten und Repellentien, die Insekten fernhalten.

Nachfolgend eine Auswahl von häufig verwendeten Produktformen mit insektizider Wirkung:

  • Köderdosen gegen kriechende Insekten wie Ameisen oder Schaben: Diese enthalten sowohl einen Wirkstoff zum Abtöten als auch einen Köder zum Anlocken der Insekten. Die Risiken von Köderdosen sind gering, da der Köder für Mensch und andere Tiere nicht zugänglich ist.
  • Klebefallen gegen fliegende Insekten wie Lebensmittelmotten und Fliegen:  Diese enthalten einen Lockstoff, der die Zielinsekten zur Falle anzieht. In der Regel wird nur ein Geschlecht angelockt, so dass sich die Insekten nicht mehr fortpflanzen können. Klebefallen werden oft benutzt, um zu sehen, ob ein Befall vorliegt und wie gross dieser ist.
  • Sprays gegen fliegende Insekten wie Fliegen und Wespen oder gegen kriechende Insekten wie Silberfischchen, Schaben und Ameisen: Diese werden auf Insekten oder in deren Umgebung versprüht und töten Insekten direkt ab.
  • Elektroverdampfer gegen fliegende Insekten wie Mücken und passive Verdunster gegen Insekten wie Kleidermotten: Diese Produkte geben einen Wirkstoff ab, der als Kontakt- und Frassgift wirkt.

Insekten- und Zeckenrepellentien werden auf die menschliche oder tierische Haut aufgetragen um diese fernzuhalten. Bisse oder Stiche solcher Tiere sind unangenehm. Ausserdem können Krankheiten übertragen werden, wie Borreliose und Meningoenzephalitis bei Zeckenbissen oder Malaria, Dengue oder Chikungunya bei Mückenstichen. Repellentien können nicht vollständig vor Stichen oder Bissen schützen. Man sollte sich daher zusätzlich durch angepasste Kleidung oder mit Mückennetzen schützen. Mehr zur Prävention von zeckenübertragenen Krankheiten finden Sie in den Schutzempfehlungen der SUVA, des BAG und der Kantone.

Bei der Verwendung von Insekten- und Zeckenrepellentien müssen Sie Folgendes beachten:

  • Verwenden Sie Repellentien bei Kindern sparsam und nicht bei Kleinkindern unter einem Jahr. Tragen Sie die Produkte nicht auf die Hände von Kindern auf.
  • Verwenden Sie die Produkte sparsam und nur auf der unbedeckten Haut. Schützen Sie sich vorzugsweise durch das Tragen langer Kleidung, so dass nur eine kleine Fläche des Körpers mit dem Produkt behandelt werden muss.
  • Durch Schwitzen oder Baden verkürzt sich die Wirkungsdauer von Repellentien.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung eines Repellents mit einem Sonnenschutzmittel, tragen Sie zuerst das Sonnenschutzmittel auf und warten 20 Minuten, bevor Sie das Repellent auftragen.

Mäuse- und Rattengift (Rodentizide) sind entweder Produkte, die innert wenigen Stunden wirken (z.B. mit dem Wirkstoff Alpha-Chloralose oder Cholecalciferol) oder Produkte, die erst nach ein paar Tagen wirken (sogenannte Blutgerinnungshemmer, z.B. Warfarin, Difenacoum, Brodifacoum). Die verzögerte Wirkung hat den Vorteil, dass Mäuse und Ratten die Wirkung nicht mit dem Köder in Verbindung bringen und somit dem Köder gegenüber nicht misstrauisch werden.

Beachten Sie, dass die Ratten- und Mäusebekämpfung mit Blutgerinnungshemmern aufgrund ihrer hohen Toxizität für Mensch und Tiere nur durch den professionellen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden darf. Ausführlichere Informationen zur Giftigkeit von Blutgerinnungshemmern, den Zulassungsbestimmungen und zu alternativen Bekämpfungsmethoden finden sie auf der Seite der Anmeldestelle Chemikalien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Bundesamts für Umwelt (BAFU).

Holzschutzmittel werden im Innen- sowie Aussenbereich verwendet. Sie schützen das behandelte Holz vor Insektenfrass, holzzerstörenden Pilzen oder Verfärbungen. Neben industriell behandeltem Holz sind viele Holzschutzmittel in Form von Lacken, Lasuren und anderen Streichmitteln im Detailhandel erhältlich.
Bei der Verwendung von Holzschutzmitteln, sowie beim Kauf von behandeltem Holz, sollten Sie sich überlegen, wofür Sie es verwenden möchten. Manche mit Holzschutzmitteln behandelten Hölzer sind nicht für den Innenraum und Einrichtungen geeignet. Diese dürfen daher nicht für Möbel oder Spielgeräte verwendet werden, mit denen beispielsweise Kinder in Kontakt kommen. Es gibt auch behandelte Hölzer, die nicht mit Wasser in Kontakt kommen dürfen, da das Holzschutzmittel ins Grundwasser sickern könnte.
Detaillierte Informationen zum Holzschutz finden Sie unten unter dem Link «Holzschutz».

Konservierungsmittel sind in vielen Alltagsprodukten enthalten. Diese verhindern, dass Schimmelpilze, Bakterien oder Algen die Produkte schädigen. Der Einsatz von Konservierungsmitteln verlängert die Haltbarkeit und Langlebigkeit der behandelten Produkte. Man findet sie nicht nur in Arbeitsmaterialen wie Farben, Kleber, Fugenmassen, sondern auch in Alltagsprodukten wie Shampoos, Seifen und Waschmitteln.

Vögel- (Avizide) und Fischbekämpfungsmittel, sowie Produkte zum Bekämpfen von anderen Wirbeltieren (Rodentizide ausgenommen) sind in der Schweiz nicht zugelassen.

Spezielle Hinweise zu Schadinsekten

  • Bettwanzen: Bettwanzen sollten immer durch professionelle Schädlingsbekämpfer und nicht privat bekämpft werden, da durch private Anwendung mit herkömmlichen Insektenbekämpfungsmitteln die Bettwanzen in ihren Verstecken meist nicht richtig und vollständig erreicht werden. Dadurch können sich Bettwanzen in der ganzen Wohnung und sogar in Nachbarwohnungen ausbreiten.
  • Schaben (deutsche Schabe und orientalische Schabe): Schaben sollten immer durch einen professionellen Schädlingsbekämpfer und nicht privat bekämpft werden. Eine private Bekämpfung kann dazu führen, dass nicht alle Schaben getötet und diese über längere Zeit resistent gegen den Wirkstoff werden können.
  • Spinnen: Spinnentiere bilden neben den Insekten eine eigene Gruppe der Gliederfüsser. Spinnen gehören zu den Nützlingen und sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette, weil sie Insekten jagen und von Vögeln und anderen Tieren gefressen werden. Viele Menschen mögen allerdings keine Spinnen oder deren Netze. Zudem können Ablagerungen auf Netzen durch Luftverschmutzung Fassaden extra schmutzig erscheinen lassen. Wir empfehlen, Spinnennetze nicht mit Bioziden zu bekämpfen, sondern sie nur mechanisch zu entfernen. Beachten Sie auch die vorbeugenden Massnahmen auf der Seite des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zur integrierten Schädlingsbekämpfung. Falls doch Biozide gegen Spinnen eingesetzt werden müssen, so dürfen sie nur kleinflächig und nur dort benutzt werden, wo sich die Spinnen aufhalten.

Ausführliche Informationen zu einer grösseren Anzahl von Schadinsekten finden Sie auf der Homepage der Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich.

Weitere Informationen

Weiterführende Themen

Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel enthalten Wirkstoffe, die Mikroorganismen hemmen oder abtöten. So wird verhindert, dass sie Krankheiten oder Lebensmittelvergiftungen hervorrufen.

Bundesamt für Gesundheit BAG

Abteilung Chemikalien
Schwarzenburgstrasse 157
Schweiz - 3003 Bern