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Studie zur Impfkompetenz der Bevölkerung 2024

Eine neue Untersuchung des Zentrums für Gesundheitskompetenz der Careum Stiftung in Zusammenarbeit mit gfs.bern und im Auftrag des BAG zeigt, dass die Covid-19-Pandemie die Impfbereitschaft und das Impfverhalten der Bevölkerung in der Schweiz nicht wesentlich verändert hat. Leicht zugenommen hat aber die Unsicherheit, ob man sich impfen lassen soll.

Erhöhte Aufmerksamkeit

Unter Impfkompetenz versteht man die Fähigkeit, Informationen rund um das Thema Impfen zu finden, zu verstehen und zu beurteilen und darauf basierend eigene Entscheidungen in Impffragen fällen zu können. Mit der Covid-19-Pandemie und den in dieser Zeit entwickelten Impfstoffen ist das Thema Impfen ins Zentrum der öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit gerückt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie es um das Wissen, die Einstellungen und das Verhalten der Schweizer Bevölkerung im Bereich Impfungen steht und wie sich diese über die Zeit verändert haben. Um einen allfälligen Handlungsbedarf zu erkennen, hat das BAG das Zentrum für Gesundheitskompetenz der Careum Stiftung beauftragt, die Erkenntnisse der letzten Erhebung von 2018 zu aktualisieren. Analysiert wurden der Umgang der Bevölkerung mit Impfinformationen, die Nutzung verschiedener Informationsquellen sowie Unsicherheiten oder mögliche Fehlvorstellungen.

Mehrheit überfordert mit Impf-Informationen

Impfungen gehören zu den wirksamsten und kostengünstigsten Massnahmen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung. Dennoch geben rund 51 Prozent der Befragten an, dass sie häufig Schwierigkeiten im Umgang mit Impf-Informationen haben und somit eine geringe Impfkompetenz aufweisen. Besonders herausfordernd ist es für sie, die Vertrauenswürdigkeit von Informationen zu beurteilen und Falschinformationen zu erkennen.

Hohe Impfbereitschaft – solides Impfwissen mit Lücken

Zwei Drittel der Befragten zeigen eine hohe Impfbereitschaft. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Vorgängerstudie, die 2018 vom BAG in Auftrag gegeben wurde, hat sich das Verständnis für die Notwendigkeit von Impfungen leicht verbessert. In mehreren Fällen sind die angegebenen Quoten bei Impfungen sogar gestiegen. Trotz hoher Impfbereitschaft ist die Unsicherheit, ob man sich impfen lassen soll, um fünf Prozentpunkte gestiegen – ein Befund, der insbesondere auf die Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie zurückgeführt wird.

Der Wissensstand über Impfungen ist solide: Auf vier Wissensfragen gaben 60 Prozent der Befragten drei oder vier korrekte Antworten. Weniger Impfwissen haben insbesondere sozioökonomisch benachteiligte Gruppen, Personen mit geringer Impfbereitschaft, einer impfkritischen Haltung sowie ohne oder mit nur einer Impfung.

Weniger Impfkritiker, mehr Verunsicherte

Etwa sieben Prozent der Bevölkerung können als Impfkritikerinnen und Impfkritiker bezeichnet werden. Als «impfkritisch» wurden in der Studie Personen bezeichnet, die der Meinung sind, dass Impfungen giftig sind, oder schlimmer sind als jene Krankheiten, gegen die sie schützen. Dagegen weist ein Drittel der Befragten diese beiden Aussagen zurück und bestätigt damit das Vertrauen in die Impfungen. Rund 60 Prozent gelten als unentschieden.

Zwischen 2018 und 2024 ist der Anteil der Impfkritiker von zehn Prozent auf sieben Prozent leicht gesunken. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Verunsicherten deutlich erhöht. Ein direkter Vergleich mit den Ergebnissen der Vorgängerstudie ist nicht möglich. Daher sollte die Interpretation dieser Resultate mit der gebotenen Zurückhaltung erfolgen.

Ärzteschaft als vertrauenswürdige Informationsquelle

Ärztinnen und Ärzte sind die wichtigste und vertrauenswürdigste Informationsquelle. 90 Prozent der Befragten vertrauen ihnen und 85 Prozent nutzen sie auch.  Für 52 Prozent der Befragten sind Gesundheitsbehörden eine glaubwürdige Informationsquelle – 38 Prozent nutzen sie tatsächlich. Dieses Vertrauen variiert jedoch deutlich nach sozialen und regionalen Merkmalen: Bei Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status oder geringer Bildung sowie in der italienischsprachigen Schweiz liegt die Glaubwürdigkeit der Behörden etwas tiefer. Apothekerinnen und Apotheker gelten für 40 Prozent der Befragten als glaubwürdig, sie werden aber nur von 18 Prozent als Informationsquelle genutzt.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der 2018 Studie bleibt die Präferenzordnung in Bezug auf das Vertrauen in die verschiedenen Akteure, einschliesslich der Gesundheitsbehörden, unverändert.

Kaum Unterschiede zwischen Sprachregionen

Wie in der Vorgängerstudie wurden auch in der neuen Erhebung nur wenige Unterschiede zwischen den Sprachregionen gefunden. Die Datenanalyse zeigt, dass in der Deutschschweiz die Impfkompetenz im Durchschnitt tendenziell tiefer ist als in der lateinischen Schweiz, wobei diese Unterschiede jedoch nicht signifikant sind. Zudem zeigt die Studie, dass Personen in der italienischsprachigen Schweiz im Durchschnitt eine niedrigere Impfquote haben. Die Gründe dafür wurden nicht erhoben, eine Rolle könnte aber der einfachere Zugang zu Impfstellen in dicht besiedelten Kantonen der Deutsch- und der Westschweiz spielen.

Empfehlungen und weiteres Vorgehen

Die Ergebnisse der aktuellen Studie liefern wichtige Hinweise und Empfehlungen, wie die Impfkompetenz in der Bevölkerung gezielt gefördert werden kann. Sie bilden damit eine fundierte Grundlage für die weitere Umsetzung des Nationalen Programms Impfungen (NPI). Zentrales Ziel ist es, den Zugang zu verständlichen, transparenten und evidenzbasierten Informationen sicherzustellen, damit die Bevölkerung informierte und selbstbestimmte Impfentscheidungen treffen können.

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