Revision der Analysenliste - Projekt transAL
Der aktuelle Tarif der Analysenliste ist veraltet und muss überarbeitet werden. Die Grundlagenarbeiten der Revision «transAL» sind erfolgreich abgeschlossen und das Kostenrechnungsmodell für Laboratorien wird finalisiert. Gleichzeitig haben die ersten Arbeiten zur Tarifberechnung begonnen.
Kernpunkte
Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) beobachtet die Kostenentwicklung der Laboranalysen fortlaufend und hat parallel zum Projekt transAL bereits mehrere kostensenkende Massnahmen in Kraft gesetzt, was allein im Jahr 2023 zu Einsparungen von rund 320 Millionen Franken geführt hat.
Der aktuelle Tarif der Analysenliste (AL) ist aufgrund der schnellen Entwicklung der medizinischen Labordiagnostik veraltet. Deshalb hat das EDI beschlossen, den Tarif in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Stakeholdern grundsätzlich zu revidieren.
Nach der inhaltlichen und strukturellen Revision der AL (transAL-1), welche im Sommer 2020 abgeschlossen wurde, konnte transAL-2 zur Neutarifierung der AL nach der Corona-Pandemie Ende 2022 effektiv lanciert werden. Die Arbeiten an transAL-2 schreiten zügig und gut voran.
transAL-2 gliedert sich in fünf Phasen:
- Phase1 wurde im Dezember 2024 abgeschlossen. In dieser Phase wurden vier Berichte erarbeitet, welche die Grundlage für die Tarifierung bilden.
- Phase2 wird voraussichtlich im Februar 2026 abgeschlossen. Das Beratungsunternehmen Polynomics AG entwickelt im Mandat das Kostenrechnungsmodells für Laboratorien (KoReLAB).
- Phase3 wurde Ende 2025 gestartet. KoReLAB und das Effizienzkonzept werden umgesetzt und basierend darauf wird das Tarifmodell entwickelt und ein erster Tarif berechnet. Ausgeschlossen von der Tarifberechnung sind die Schnellen Analysen der Hausarztmedizin, welche in transAL-3 überprüft werden.
- In Phase4 wird der Tarif getestet, plausibilisiert, validiert und finalisiert (iterativer Prozess).
- In Phase5 erfolgt die Rechtsetzung. Der neue Tarif wird nach Anhörung der Eidgenössischen Kommission für Analysen, Mittel und Gegenstände (EAMGK) voraussichtlich Ende 2027 in Kraft gesetzt.
Die Analysenliste wird modernisiert
Im Jahr 2009 wurde der aktuelle Tarif der AL basierend auf einer betriebswirtschaftlichen Bemessung in Kraft gesetzt. Der Tarif der AL ist aufgrund der schnellen Entwicklung der medizinischen Labordiagnostik jedoch veraltet. Deshalb hat das EDI beschlossen, die AL und den Tarif in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Stakeholdern im Rahmen des Projekts transAL zu revidieren. Das Projekt transAL gliedert sich in drei Schritte:
- In transAL-1 wurde die AL inhaltlich und strukturell überarbeitet (abgeschlossen)
- In transAL-2 wird der Tarif neu berechnet mit Ausnahme der Schnellen Analysen der Hausarztmedizin (laufend)
- In transAL-3 werden die Schnellen Analysen der Hausarztmedizin überprüft (ausstehend)
transAL-1 wurde im Sommer 2020 abgeschlossen. transAL-2 konnte nach der Corona-Pandemie Ende 2022 effektiv lanciert werden.
transAL: Zeitlicher Überblick
transAL-1 und transAL-2 sind in untenstehender Grafik zeitlich dargestellt. transAL-2 gliedert sich in fünf Phasen.

transAL-1
Im Rahmen von transAL-1, das im Sommer 2020 mit der Publikation der AL «Version 1. Januar 2021» abgeschlossen werden konnte, wurde die AL inhaltlich und strukturell überarbeitet: Obsolete und mehrfach tarifierte Analyse-Positionen der AL wurden bereinigt. Zudem wurden die in der AL aufgelisteten Positionen und deren Bezeichnungen dem aktuellen Stand der Labortechnik und der Wissenschaft entsprechend angepasst. In der über-arbeiteten AL ist, unter Zuhilfenahme des erstellten «Handbuchs zur Analysenliste», besser ersichtlich, wie die Analysen zu Lasten der Krankenversicherung verrechnet werden dürfen.
transAL-2: Rechtliche Grundlagen und Ziele
Grundlage der Neutarifierung der AL bilden das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) sowie die Verordnung über die Krankenversicherung (KVV). Das im Rahmen von transAL-2 entwickelte Tarifmodell soll zudem:
- eine periodische Aktualisierung der AL (Tarifpflege) ermöglichen
- in enger Zusammenarbeit mit sämtlichen Stakeholdern erarbeitet werden

transAL-2: Phase1 – Erarbeitung der Grundlagen
Folgende Stakeholder sind in der Arbeitsgruppe «Grundlagen transAL-2» vertreten:
- Alle labormedizinischen Fachgesellschaften (SGM, SGMG, SGKC, SGAI) ausser SGH
- Ärztevereinigung (FMH)
- Berufsverband der biomedizinischen Analytik und Labordiagnostik (labmed)
- Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe)
- Preisüberwachung (PUE)
- Schweizerischer Apothekverband (pharmaSuisse)
- Schweizerische Union für Labormedizin (SULM)
- Schweizerischer Verband der Diagnostikindustrie (SVDI)
- Spitäler (H+)
- Versicherer (prio.swiss)
- Verband der medizinischen Laboratorien (FAMH)
Grundlagenberichte
Zur Erhebung des Ist-Zustandes und als Voraussetzung für die Tarifierung wurden vier Grundlagenberichte erstellt:
Gemäss dem Bericht des Beratungsunternehmens Polynomics AG stellen in der Schweiz die ärztlichen Praxislaboratorien, die Spitallaboratorien und die Privatlaboratorien die ambulante Versorgung mit Laboranalysen sicher. Die Leistungen konzentrieren sich dabei stark auf einige Kantone (z. B. Zürich, Bern, Waadt), während in anderen kaum Laboranalysen durchgeführt werden. Gemäss dem Faktenblatt «AL – Mengen- und Kostenentwicklung von 2011 bis 2023» (siehe unter Dokumente) generierten die Laboratorien im Jahr 2023 folgende Kosten zu Lasten der Krankenversicherung:
Praxislaboratorien: CHF 62,5 je versicherte Person, CHF 557 Mio. total
Spitallaboratorien: CHF 56,6 je versicherte Person, CHF 504 Mio. total
Privatlaboratorien: CHF 102,7 je versicherte Person, CHF 915 Mio. total
Dieser Bericht wurde vom Beratungsunternehmen Prime Networks AG erstellt und beleuchtet die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorgehensweisen bei der Tarifberechnung. Aufgrund der technischen Detailliertheit des Berichts hat das BAG erläuternd dazu ein Begleitschreiben verfasst.
Dieser Bericht wurde vom Beratungsunternehmen Polynomics AG erstellt und widmet sich der Frage, mit welcher Methode die Effizienz bei der Tarifberechnung am besten erfasst und berücksichtigt werden kann. Der Methodenbericht zeigt auf, dass unter Anwendung einer mehrdimensionalen Methode die Effizienz am besten im Tarif implementiert werden kann.
Das BAG hat BSS Volkswirtschaftliche Beratung AG den Auftrag erteilt, einen methodisch korrekten Auslandpreisvergleich zu medizinischen Laboranalysen zu erstellen, bei dem insbesondere die unterschiedlichen Kostenniveaus und Unterschiede in den Gesundheitssystemen berücksichtigt werden.
Der Bericht zeigt, dass bei den untersuchten Analysen das Preisniveau in der Schweiz 1.5 bis 1.7-mal so hoch ist, wie das Preisniveau in den betrachteten Vergleichsländern. Gemäss Bericht ist das auch auf die dezentrale, flächendeckende Versorgung von hoher Qualität zurückzuführen.
transAL-2: Phase2 – Entwicklung des Kostenrechnungsmodells für Laboratorien (KoReLAB)
Die in Phase1 erarbeiteten Grundlagen fliessen direkt in die Entwicklung von KoReLAB (Phase2) ein. KoReLAB wurde bereits mit echten Kosten- und Leistungsdaten von Laboratorien validiert. Der Mandatsnehmer Polynomics AG wurde bei der Entwicklung von einer Praktikergruppe, bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen von Privat- und Spitallaboratorien (Finanzbuchhaltung, Controlling, Laborleitung), unterstützt. Phase2 hat mit einer ersten Sitzung der Praktikergruppe Ende November 2024 gestartet und wird voraussichtlich im Februar 2026 abgeschlossen sein.
transAL-2: Phase3 – Tarifberechnung
Da gemäss KVG der Tarif nur die Kosten einer Leistung abdecken darf, die in der notwendigen Qualität effizient und günstig erbracht wurde (Art. 43 Abs. 4bis), hat Polynomics AG zusätzlich ein Effizienzkonzept entwickelt. Das Ziel dieses Konzepts ist es, die laborspezifischen Kosten und Leistungen zu identifizieren und Kostentreiber (bsp. Vorhalteleistungen) zu bestimmen.
In Phase3 werden das Effizienzkonzept und das oben beschriebene KoReLAB umgesetzt. Basierend darauf wird das Tarifmodell entwickelt. Mit dem Tarifmodell sollen alle rund 1300 Positionen der AL mit Ausnahme der Schnellen Analysen neu tarifiert werden. Das Ziel ist die Finalisierung des Tarifs bis Ende 2026.
Für die Umsetzung von KoReLAB und des Effizienzkonzepts ist das BAG auf Kosten- und Leistungsdaten einer repräsentativen Anzahl Laboratorien angewiesen. Je mehr Laboratorien sich an transAL-2 beteiligen, desto robuster wird der Tarif.
transAL-2: Nächste Schritte
Überlappend mit der Tarifberechnung (Phase3) wird im Jahr 2026 die Plausibilisierung des Tarifs (Phase4) durchgeführt. In dieser wird der Tarif allen Stakeholdern zur Verfügung gestellt, von diesen getestet, plausibilisiert und validiert, und am Ende vom BAG finalisiert (iterativer Prozess). Phase1-4 erfolgen in enger Zusammenarbeit mit den Stakeholdern.
In Phase5 erfolgt die Rechtsetzung und nach Anhören der EAMGK wird der Tarif durch einen Entscheid des EDI voraussichtlich Ende 2027 in Kraft gesetzt.
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