Der Einsatz von Multigenexpressionstests bei Brustkrebs
Multigenexpressionstests bei Brustkrebs sollen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie im Anschluss an eine Brustkrebsoperation helfen. Der vorliegende HTA-Bericht dient zur Überprüfung der Vergütungspflicht der Multigenexpressionstests OncotypeDX, MammaPrint, EndoPredict und Prosigna bei Brustkrebs. Der HTA-Bericht untersuchte die Wirksamkeit, Kosten-Nutzen-Verhältnis und Auswirkungen auf den Kostenhaushalt sowie ethische, rechtliche, soziale und organisatorische Aspekte.
Eine systematische Literaturrecherche bezog insgesamt 25 klinische Studien ein. Nur zu MammaPrint gab es eine vergleichende Studie zur Wirksamkeit gegenüber herkömmlichen Tests zur Unterstützung des Entscheids über Chemotherapie nach Brustkrebsoperation. Diese zeigte, dass eine auf MammaPrint basierender Behandlungsentscheid möglicherweise dazu führen kann, dass weniger Brustkrebspatientinnen mit einer Chemotherapie behandelt werden und dies gleichzeitig bei möglicherweise geringen Unterschieden der metastasenfreien Überlebenszeit. OncotypeDX, MammaPrint, Endopredict und Prosigna können den Krankheitsverlauf möglicherweise prognostizieren, aber die Studien wiesen eine geringe bis sehr geringe Aussagekraft auf. Studien zur Vorhersage des Nutzens einer Chemotherapie durch Multigenexpressionstests zeigten entweder keinen klaren Beleg oder nur Hinweise mit sehr geringer Aussagekraft. Studien zeigten, dass sich durch Multigenexpressionstests der Entscheid für eine Chemotherapiebehandlung nach Brustkrebsoperation änderte. Allerdings ist unklar anhand dieser Studien, wie sich die Behandlungsänderung auf den Krankheitsverlauf auswirkt.
Bei der Überprüfung des Kosten-Nutzenverhältnisses und der Auswirkungen auf den Kostenhaushalt kam ein publiziertes gesundheitsökonomisches Modell, angepasst auf die Schweiz, zum Einsatz. Die vorliegenden Unsicherheiten im Modell erlauben keine fundierte Einschätzung der Auswirkungen von Multigenexpressionstests auf das Kosten-Nutzenverhältnis. Dies bedeutet es scheint unklar, ob die Multigenexpressionstests zu höheren oder geringeren Kosten und Gesundheitsergebnissen führen.
Zu den ethischen Aspekten zählten die nicht ausreichende Berücksichtigung von ethnischen Minderheiten und Männern in Studien. Soziale Probleme umfassten den emotionalen Stress, den die Tests verursachen können. Zahlreiche organisatorische Faktoren wurden genannt wie zum Beispiel die Integration und Anwendung in der klinischen Praxis.
Der Bericht kommt zum Schluss, dass es an vergleichenden klinischen Studien zu Multigenexpressionstests mangelt. Studien zur Vorhersage des Nutzens einer Chemotherapie, Prognosefähigkeit und Auswirkungen auf das Behandlungsmanagement haben eine geringe bis sehr geringe Aussagekraft. Gleichzeitig sind die Auswirkungen auf das Kosten-Nutzenverhältnis und Kostenhaushalt unklar.
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