Koordinierte Versorgung: Menschen mit psychisch-somatischer Komorbidität
Psychisch kranke Menschen, die gleichzeitig eine körperliche Erkrankung haben, bilden die zweite Patientengruppe im Projekt «Koordinierte Versorgung für ausgewählte Patientengruppen». Handlungsbedarf besteht insbesondere an der Schnittstelle «Akutsomatik – Psychiatrie/psychiatrische Klinik».
Patientengruppe
In der Schweiz leiden über 70 Prozent der Personen mit ausgeprägter psychischer Belastung und rund 73 Prozent der Personen mit Depressionssymptomen zusätzlich an körperlichen Beschwerden. Besonders häufig sind Komorbiditäten im Bereich von Essstörungen, Störungen durch psychotrope Substanzen (Alkohol und Drogen), bei Schizophrenien, bei Demenz und im Zusammenhang mit depressiven Störungen. Betrachtet man die akutmedizinische somatische Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, so sieht man, dass diese häufig aufgrund von nicht-übertragbaren Krankheiten (NCD) behandelt werden.
Das hat auch Einfluss auf die Mortalität dieser Patientengruppe. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben eine um 10 bis sogar 25 Jahre geringere Lebenserwartung. Die tiefere Lebensdauer wird nebst der erhöhten Prävalenz für NCD unter anderem auf Nebenwirkungen von Psychopharmaka bzw. auf einen selbstvernachlässigenden Lebensstil zurückgeführt. Suizide erklären nur einen kleinen Teil der verkürzten Lebenserwartung (vgl. Situationsanalyse unter Dokumente).
Modelle guter Praxis
Um Modelle guter Praxis bei der Versorgung von psychisch kranken Menschen mit gleichzeitig somatischer Erkrankung aufzuzeigen, hat das BAG ein Mandat in Auftrag gegeben. Aus der Forschung und Theorie ist bekannt, dass die koordinierte Versorgung für diese Patientengruppe wichtig und notwendig ist. Es gibt bislang jedoch wenige Kenntnisse darüber, wie Modelle einer koordinierten Versorgung praktisch umgesetzt werden können. Um diese Lücke zu schliessen, sind in einem umfassenden Bericht acht verschiedene Modelle, deren Umsetzung, Nutzen, Chancen und Herausforderungen beschrieben und vertieft analysiert (vgl. Analyse von Modellen guter Praxis unter Dokumente).
Policy Brief
Im Rahmen des Förderprogramms Interprofessionalität wurde ein Policy Brief zum Thema «psychisch-somatische Nahtstelle» erarbeitet. Er zeigt anhand von sechs Erkenntnissen Problemfelder und Hindernisse auf, welche die Behandlung und Begleitung von Menschen mit psychischen und somatischen Krankheiten erschweren. Gestützt darauf gibt er konkrete Empfehlungen zu Lösungsansätzen, die optimiert, weiterentwickelt oder initiiert werden könnten.
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Weiterführende Themen

Psychiatrische Versorgung
Psychische Krankheiten zählen zu den am meisten verbreiteten und einschränkenden Erkrankungen überhaupt. Der Bund engagiert sich dafür, die psychische Gesundheit in der Schweiz zu fördern und die Gesundheitsversorgung psychisch erkrankter Personen zu verbessern.
Bundesamt für Gesundheit BAG
Sektion Weiterentwicklung Gesundheitsversorgung
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