Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen»

Mit dem Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» will der Bundesrat zusammen mit wichtigen Akteuren Grundlagen schaffen, um das bestehende Potenzial an Organspenderinnen und -spendern besser zu nutzen. 

Während die Zahl verstorbener Spenderinnen und Spender in den letzten Jahren relativ konstant blieb, ist die Zahl der Personen, die auf ein Organ warten, deutlich gestiegen. Dies unter anderem deshalb, weil dank medizinischer Fortschritte Transplantationen in immer mehr Fällen eine therapeutische Option darstellen.

Der Bundesrat will mit dem Aktionsplan die Spenderate Verstorbener von rund 13 (Stand 2013) auf 20 Spenderinnen und Spender pro Million Einwohnerinnen und Einwohner (p.m.p.) erhöhen. Gemeinsam mit wichtigen Akteuren im Organspendewesen soll die Situation in der Schweiz verbessert werden. Die Umsetzung erfolgt in zwei Etappen: In einer ersten Etappe bis Ende 2013 wurden die notwendigen Schwerpunkte festgelegt. In der laufenden zweiten Etappe von 2014-2017 werden die Massnahmen in Teilprojekten umgesetzt.

Am 20. Februar 2014 hat der «Dialog Nationale Gesundheitspolitik» die Schwerpunkte des Aktionsplans verabschiedet. Diese sind in einem Wirkungsmodell aufgeführt (das Dokument finden Sie auf dieser Seite im Register „Dokumente“).

Analyse der Situation

Die Ergebnisse aus der formativen Evaluation zum Vollzug des Transplantationsgesetzes (siehe Link auf dieser Seite im Register „Links“) deuteten darauf hin, dass das Potenzial an Spenderinnen und Spendern in der Schweiz nicht optimal ausgeschöpft wird. Auf Initiative des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurde daher unter anderem die Studie «Swiss Monitoring of Potential Donors» (SwissPOD) durchgeführt. Diese prospektive Kohortenstudie untersuchte sämtliche Todesfälle auf allen Intensiv- und vielen Notfallstationen der Schweizer Spitäler und evaluierte den Spendeprozess in den jeweiligen Spitälern (den Bericht finden Sie auf dieser Seite im Register „Dokumente“). Gemäss der Studie lehnen im Vergleich mit dem Ausland überdurchschnittlich viele Angehörige eine Spende ab. Zudem bestehen in der Schweiz grosse Unterschiede auf organisatorischer Ebene und nicht überall werden mögliche Spenderinnen und Spender überhaupt als solche erkannt. Die Autoren der Studie schätzen, dass es in der Schweiz rund dreimal so viele verstorbene Spenderinnen und Spender geben könnte wie dies zurzeit der Fall ist.

Der Bundesrat hat zudem am 8. März 2013 einen Bericht vorgestellt, in dem er im Auftrag des Parlaments verschiedene Massnahmen geprüft hat, die zu einer Erhöhung der Anzahl verfügbarer Organe führen könnten (den Bericht finden Sie auf dieser Seite im Register „Dokumente“). Die Analyse der weltweiten Situation anhand wissenschaftlicher Literatur und Erfahrungen in anderen Ländern zeigt, dass mit isolierten Massnahmen allein die Spenderate nicht dauerhaft erhöht werden kann. Erfolgreiche Länder konnten ihre Spendezahlen dadurch beachtlich steigern, indem sie Massnahmen sinnvoll gebündelt und gezielt in einem Aktionsplan umgesetzt haben. Länder wie Spanien oder Österreich konnten dadurch ihre Spenderraten beachtlich und nachhaltig steigern.

Bündelung geeigneter Massnahmen

Die verschiedenen Untersuchungen zeigen zwar, dass die Schweiz bereits über gute Ansätze verfügt. So wurden in den letzten Jahren regionale Netzwerke gegründet, Koordinationsstellen geschaffen und in die Ausbildung der medizinischen Fachpersonen investiert. Bisher zeigten sich dadurch aber wenige oder nur lokal begrenzte Effekte auf die Spenderate. Dies lässt sich teilweise auf die kurze Anwendungsdauer der Massnahmen zurückführen. Zudem scheinen die bisher eingeleiteten Massnahmen noch nicht in optimaler Weise aufeinander abgestimmt zu sein. Deshalb hat der Bundesrat am 8. März 2013 den Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» lanciert. Der Aktionsplan sollte auf den vorhandenen Grundlagen aufbauen, diese optimieren und sinnvoll bündeln. Die notwendigen Schwerpunkte wurden gemeinsam mit wichtigen Akteuren im Organspendewesen erarbeitet. Gegenwärtig ist die Umsetzung im Gange.

Bei der Erarbeitung der Details des Aktionsplans wurden Erfahrungen anderer Länder zwar einbezogen, es musste aber insbesondere die Übertragbarkeit auf die Ausgangslage in der Schweiz berücksichtigt werden. Der Verschiedenheit von Gesundheitssystemen, staatlichen Strukturen und kulturellen Unterschieden wurde Rechnung getragen.

Dialog der Akteure

Das Ziel des Aktionsplans ist es, die Spenderate Verstorbener auf 20 Spenderinnen und Spender pro Million Einwohnerinnen und Einwohner (p.m.p.) zu erhöhen. Damit dies erreicht werden kann, ist eine breite Abstützung und politische Verbindlichkeit erforderlich. Am 18. April 2013 hat der «Dialog Nationale Gesundheitspolitik», die ständige Plattform von Bund und Kantonen, das Patronat für den Aktionsplan übernommen und seine Unterstützung für das Projekt zugesichert. Das BAG ist die Koordinationsstelle des Aktionsplans und übernimmt die administrative Organisation.

Projektorganisation

Die Projektorganisation besteht aus zwei Gremien: Einem Steuerungsgremium mit Entscheidkompetenz und einem Begleitgremium zur Fachexpertise.
Die Mitglieder des Steuerungs- und des Begleitgremiums haben Ende 2013 in einem gemeinschaftlichen Prozess die Schwerpunkte des Aktionsplans festgelegt. Die Mitglieder arbeiten ebenfalls aktiv bei der Umsetzung der Massnahmen in den Teilprojekten mit. Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit der Akteure in diesem partnerschaftlichen Projekt ist für den Erfolg entscheidend.

In den Gremien vertretene Organisationen

  • Im Steuerungsgremium sind folgende Organisationen vertreten:
    Bundesamt für Gesundheit (BAG), Swisstransplant, Comité National du Don d'Organes (CNDO), Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI), Verband Universitäre Medizin Schweiz (früher: Groupe des 15), Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Programme Latin de Don d'Organes (PLDO).
  • Im Begleitgremium sind folgende Organisationen vertreten:
    Swisstransplant, Comité National du Don d'Organes (CNDO), Verband Universitäre Medizin Schweiz (früher: Groupe des 15), Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Donor Care Association (DCA), Programme Latin de Don d'Organes (PLDO), Transplantationskoordination Bern, Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK), Schweizerischer Transplantierten Verein (STV), Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz.

Dokumente

Bericht in Erfüllung der Postulate Gutzwiller (10.3703), Amherd (10.3701) und Favre (10.3711) (PDF, 4 MB, 08.03.2013)Prüfung von Massnahmen zur Erhöhung der Anzahl verfügbarer Organe zu Transplantationszwecken in der Schweiz

SwissPOD-Studienbericht (PDF, 2 MB, 14.01.2013)Unterschiedliche Organspenderaten in der Schweiz: Eine prospektive Kohortenstudie zu potenziellen Spendern (SwissPOD)

Gesetze

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Im März 2013 veröffentlicht der Bundesrat einen Bericht zur Situation der Organspende in der Schweiz. Mit dem Bericht erfüllt er die drei Postulate Gutzwiller (10.3703), Amherd (10.3701) und Favre (10.3711).

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Zum Thema Transplantation und Spende von Organen, Geweben und Zellen informieren wir über medizinische Grundlagen, gesetzliche Rahmenbedingungen und wie Personen ihren Willen zur Spende festhalten können.

Letzte Änderung 27.02.2017

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