Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen»

Der Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» wird bis 2021 verlängert. Ursprünglich war vorgesehen, Ende 2018 Bilanz zu ziehen. Nun zeigt sich bereits vorher: Die Massnahmen zeigen erste Erfolge, brauchen aber mehr Zeit um vollumfänglich zu wirken.

Seit 2013 hat die Schweiz mit dem Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» verschiedene Massnahmen eingeführt, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Spendeten 2013 noch 13.7 Personen pro Million Einwohnerinnen und Einwohner nach dem Tod ihre Organe, so sollten es bis Ende 2018 dank des Aktionsplans 20 sein. Bereits Mitte 2017 zeichnete sich ab, dass das gesteckte Ziel voraussichtlich nicht ganz erreicht werden kann. Allerdings erschweren grosse Schwankungen der Spendezahlen die Prognose. Klar ist aber, dass die mit dem Aktionsplan eingeführten Massnahmen positive Effekte zeigen. Seit dem Start des Aktionsplans gab es in der Schweiz durchschnittlich mehr Organspenderinnen und -spender als in den Jahren zuvor. 2017 wurde ein neuer Höchststand erreicht.

Mehr Zeit damit Massnahmen greifen

Spitäler sind heute für Organspenden besser gerüstet als noch vor fünf Jahren. Sie sind besser organisiert und setzen mehr spezialisiertes und besser ausgebildetes Personal ein. Dies zeigt, dass die beteiligten Akteure die gemeinsam definierten Massnahmen des Aktionsplans gezielt umsetzen: Heute muss die Arbeit, die das Spitalpersonal für Organspenden leistet, zweckgebunden finanziert werden. Zudem wird eine einheitliche Ausbildung für Fachpersonen im Bereich Organspende angeboten. 70 % der Fachleute haben bereits vom Angebot profitiert und sind zertifiziert. Andere Massnahmen sind zwar eingeführt, benötigen aber noch etwas Zeit, um wirken zu können. Deshalb haben Bund und Kantone im Mai 2018 entschieden, den Aktionsplan bis Ende 2021 weiterzuführen. Dies erlaubt es auch, punktuelle Anpassungen vorzunehmen. Bis Ende Oktober 2018 wird das Massnahmenpaket überarbeitet und in einem neuen Wirkungsmodell dargestellt.

Der Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» umfasst vier Handlungsfelder, die in jeweils einem Teilprojekt umgesetzt werden:

Für jedes Handlungsfeld sind verschiedene Massnahmen vorgesehen, die im Wirkungsmodell aufgeführt sind.

Projektorganisation

Der Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» steht unter dem Patronat des «Dialogs Nationale Gesundheitspolitik», der ständigen Plattform von Bund und Kantonen. Die Gesamtprojektleitung liegt beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), das auch Koordinationsstelle ist. Ein Steuerungsgremium hat Entscheidkompetenz und ein Begleitgremium liefert die Fachexpertise. Einige Mitglieder der Gremien arbeiten auch aktiv bei der Umsetzung der Massnahmen in den vier Teilprojekten mit, die jeweils ein Handlungsfeld abdecken. Das folgende Organigramm führt die beteiligten Akteure auf:

Wie kam es zum Aktionsplan?

Die Rate der Organspenden durch Verstorbene lag in der Schweiz auch nach Einführung des Transplantationsgesetzes im Jahre 2007 lange auf tiefem Niveau, verglichen mit vielen Nachbarländern. Die Gründe dafür wurden mit verschiedenen Mitteln untersucht. Vor allem die Ergebnisse aus den folgenden Untersuchungen flossen in die Ausgestaltung des Aktionsplans ein: 

Die formative Evaluation zum Vollzug des Transplantationsgesetzes basiert auf Daten, die zwischen Oktober 2007 und September 2009 erhoben wurden (siehe «Links»). Die Auswertung der Daten deutete darauf hin, dass das Potenzial an Spenderinnen und Spendern in der Schweiz nicht optimal ausgeschöpft wird. Dies führte auf Initiative des BAG zur Studie «Swiss Monitoring of Potential Donors».

Die Studie «Swiss Monitoring of Potential Donors» (siehe unter «Dokumente» den SwissPOD-Studienbericht) ist eine prospektive Kohortenstudie, die 2013 gestartet wurde und bis Mitte 2014 dauerte. Die Datenerfassung läuft weiter und dient als Grundlage für permanente Optimierungen. Die Kernaussagen der Studie waren:

  • Neben guten organisatorischen und strukturellen Ansätzen gibt es in der Schweiz zahlreiche Lücken im Organspendeprozess. Gemäss der Studie gehen 66% der potenziellen Spenderinnen und Spender verloren, weil diese nicht als solche erkannt werden oder weil sie mangels Personal und/oder Betten gar nicht betreut werden können.
  • Im Vergleich mit dem Ausland lehnen überdurchschnittlich viele Angehörige eine Spende ab. Zudem bestehen innerhalb der Schweiz grosse regionale Unterschiede auf organisatorischer Ebene.
  • Die Schweiz hat theoretisch ein Potenzial von 290 Spenderinnen und Spendern pro Jahr (dies entspricht einer Spenderate von 36.5 Spenderinnen und Spender pro Million Einwohnerinnen und Einwohner).

2013 stellte der Bundesrat einen Postulatsbericht vor (siehe unter «Dokumente» den Bericht in Erfüllung der Postulate Gutzwiller [10.3703], Amherd [10.3701] und Favre [10.3711]). Darin prüfte er im Auftrag des Parlaments verschiedene Massnahmen, die zu einer Erhöhung der Anzahl verfügbarer Organe führen könnten. Diese Analyse der Situation anhand wissenschaftlicher Literatur und anhand der Erfahrungen in anderen Ländern führte direkt zur Empfehlung verschiedener Massnahmen und damit zum Aktionsplan.

Dokumente

Bericht in Erfüllung der Postulate Gutzwiller (10.3703), Amherd (10.3701) und Favre (10.3711) (PDF, 4 MB, 08.03.2013)Prüfung von Massnahmen zur Erhöhung der Anzahl verfügbarer Organe zu Transplantationszwecken in der Schweiz

SwissPOD-Studienbericht (PDF, 2 MB, 14.01.2013)Unterschiedliche Organspenderaten in der Schweiz: Eine prospektive Kohortenstudie zu potenziellen Spendern (SwissPOD)

Gesetze

Gesetzgebung Transplantationsmedizin

Das Transplantationsgesetz schafft die rechtlichen Grundlagen für die Transplantationsmedizin in der Schweiz. Es basiert auf dem Verfassungsartikel 119a und wird ergänzt durch sechs Ausführungsverordnungen.

Medien

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Letzte Änderung 22.05.2018

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