Masern - Lagebericht Schweiz

Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Die epidemiologische Überwachung dieser Krankheit ist wichtig, um sporadische Fälle und Ausbrüche zu erkennen, Massnahmen zur Verhinderung einer Übertragung zu ergreifen, und die Fortschritte auf dem Weg zur Elimination zu dokumentieren.

Stand: 18. April 2018

Das Ziel: Elimination der Masern

Die WHO zielt darauf ab, die Masern zu eliminieren. Die Schweiz hat sich - wie alle anderen europäischen Länder auch - hinter dieses Ziel gestellt. Sie möchte dies durch eine Erhöhung der Durchimpfung in der Bevölkerung, ein griffiges Meldesystem und die Kontrolle von Ausbrüchen erreichen. Die WHO hat festgelegt, dass die Masern dann eliminiert sind, wenn während mindestens 12 Monaten keine endemischen Fälle mehr auftreten. Die eingeschleppten bzw. mit einer Einschleppung assoziierten Fälle werden dabei nicht gezählt, und es ist die Aufgabe des Meldesystems, diesen Nachweis zu erbringen. Weiter sind bei jedem sporadisch auftretenden Fall - unabhängig davon ob eingeschleppt oder endemisch - Massnahmen zu treffen, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern. Dies ist umso wichtiger, wenn ein Ausbruch mit mindestens zwei miteinander verbundenen Fällen auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass Masernfälle rasch erkannt, durch einen Labornachweis bestätigt und innerhalb kurzer Frist den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Der Lagebericht zur Masernsituation beschreibt die im Rahmen
der obligatorischen Meldepflicht verzeichneten Fälle und fasst die getroffenen Massnahmen zusammen. Er dokumentiert damit die Fortschritte der Schweiz im Bemühen, die Masern zu eliminieren.

Allgemeine Lage

Bis Mitte April 2018 wurden gleichviele Fälle gemeldet wie in derselben Periode im 2016 (17 Fälle), jedoch rund viermal weniger Fälle als im 2017 (69 Fälle). Mit einem Total von 105 gemeldeten Fällen stieg die Inzidenz im Jahr 2017 demnach auf 12,5 Fälle pro Million Einwohner und fiel in den ersten dreieinhalb Monaten des 2018 auf einen Wert von 2,0 pro Million Einwohner (nicht annualisierte Inzidenz). Bei 24% der 122 im Jahr 2017 und Anfang 2018 verzeichneten Fälle handelte es sich um isolierte Fälle, die über 14 Kantone verteilt auftraten. Die Mehrheit der Fälle (76%) konnte 14 bestimmten Ausbrüchen zugeordnet werden. In diesem Zeitraum waren 26 % der Fälle jünger als 10 Jahre alt, 25% zwischen 10- und 19-jährig; 49% waren 20-jährig oder älter. 80% der Fälle waren nicht oder nur unzureichend geimpft. 18% der Fälle mussten hospitalisiert werden, und bei 5% der Fälle wurde eine Pneumonie diagnostiziert.

Ausbrüche

Die dreizehn Ausbrüche, welche im 2017 verzeichnet wurden, und der bisher einzige im 2018 festgestellte Ausbruch, umfassten je zwischen 2 und 22 Fälle und traten - teils grenzüberschreitend - in neun  erschiedenen Kantonen auf (siehe Grafik). Die grössten wurden in folgenden Kantonen festgestellt:

  • Tessin und Graubünden - 22 Fälle zwischen Ende Dezember 2016 und Anfang Februar 2017, vor allem bei Erwachsenen.
  • Freiburg - 12 Fälle zwischen Januar und Februar 2017, betroffen sind vor allem Schülerinnen und Schüler einer Primarschule und Personen in ihrem Umfeld.
  • Wallis und Neuenburg - 22 Fälle, davon 17 im Wallis zwischen Ende August und Ende September 2017; betroffen sind hauptsächlich Kinder (20 dieser Fälle waren jünger als 15-jährig, davon vier jünger als zweijährig). 90 % der Fälle waren ungeimpft. Die ersten vier Fälle waren im selben Walliser Freizeitpark exponiert. Genetische Analysen konnten zeigen, dass das Virus bei acht Fällen, die in diesen zwei Kantonen auftraten, identisch war;
  • Neuenburg und Waadt – 8 Fälle (davon 6 im Kanton Neuenburg) zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 2018, betroffen waren mehrheitlich junge Kinder (6 Fälle waren zwischen 2 und 7 Jahre alt, 2 waren erwachsen). Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft. Der Index-Fall hatte die Masern aus Rumänien eingeschleppt. Nebst der epidemiologischen Verbindung (d.h. die Fälle hatten nachweislich Kontakt zueinander gehabt) konnte bei 5 Fällen aus diesen beiden Kantonen auch die vollständige Identität der Maserviren gezeigt werden.
Masern Anzahl Fälle 2015-2018q1

Bewertung im Hinblick auf das Eliminationsziel

Das Ziel der Masernelimination ist in der Schweiz noch nicht erreicht, trotz beachtlicher Fortschritte in den vergangenen Jahren. Die Jahre 2014 und 2015 zeichneten sich mit 23 resp. 35 Fällen durch ein niedriges Niveau der Masernerkrankungen aus, d.h. es gab lediglich 3 bis 4 Fälle pro Million Einwohner jährlich. Diese Entwicklung in Richtung Elimination wurde im Jahr 2016 durch eine quasi Verdoppelung der Fälle unterbrochen (65 Fälle) - eine Tendenz, die sich im 2017 mit 105 Fällen fortgesetzt hat.

Die Durchimpfung nimmt jedoch zu - aktuell sind 87% der 2-Jährigen und 93% der 16-Jährigen mit 2 Dosen geimpft - und sollte damit verhindern, dass es zu grösseren oder langanhaltenden Masern-Epidemien kommt. In Anbetracht der detaillierten Schweizer Daten zur Masernüberwachung ist die WHO erstmals zum Schluss gekommen, dass in unserem Land im 2016 die endemische Zirkulation der Masernviren unterbrochen wurde; dies, weil jeder der Ausbrüche weniger als 12 Monate gedauert hatte. Die Daten für 2017 zeigen, dass auch in diesem Jahr kein Ausbruch länger als zwei Monate anhielt. Weiter wurde während drei Monaten kein einziger Fall verzeichnet (Frühjahr bis Sommer), und zahlreiche Verdachtsfälle konnten dank eines negativen Laborbefunds von der Fallstatistik ausgeschlossen werden.

Die Elimination der Masern kann erreicht werden, wenn mindestens 95% der Bevölkerung, die nach 1963 geboren wurde, mit zwei Dosen geimpft ist. Anhand der durchgeführten Massnahmen bei den bedeutendsten kürzlich aufgetretenen Ausbrüchen in der Schweiz konnte gezeigt werden, dass zusätzliche Massnahmen erforderlich sind, um die verbleibenden Ausbrüche einzudämmen. Dazu gehören zum Beispiel die Identifizierung der Kontaktpersonen, der KiTa- und Schulausschluss von nicht geimpften Kindern und Jugendlichen, die Impfung des Umfeldes von Erkrankten sowie die postexpositionelle Impfung.

Zahlen zu Masern

Datendetails zu Masern

Entwicklung der wöchentlichen Fallzahlen auf der Basis des obligatorischen Meldesystems, welches aufgrund von Meldungen der Ärzte erstellt wird.

Wöchentliche Fallzahlen

Basis: obligatorisches Meldesystem

Weiterführende Themen

Meldeformulare

Hier finden Sie die Meldeformulare für meldepflichtige Infektionskrankheiten.

Masern

Eine Masernerkrankung kann in jedem Alter auftreten und manchmal schwerste Komplikationen verursachen. 2 Dosen einer MMR-Impfung schützen ein Leben lang vor den Komplikationen der Masern, Mumps und Röteln.

Nationale Strategie zur Masernelimination

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Masernelimination 2011–2015 weist eine positive Bilanz auf.

Letzte Änderung 26.04.2018

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