Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen

Die meisten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz nutzen das Internet und neue Medien intensiv. Nur eine Minderheit zeigt aber einen problematischen Konsum. Durch die Förderung der Medienkompetenz kann den Risiken vorgebeugt werden.

Mit der rasanten Entwicklung des Internets hat sich die Mediennutzung in allen Altersgruppen grundlegend gewandelt. Kinder und Jugendliche spielen in ihrer Freizeit Online-Videospiele, informieren und vernetzen sich über Social Media und kommunizieren via Handy mit ihren Freunden und Verwandten. Aber nicht nur in der Freizeit, sondern auch in der Schule gehören digitale Medien heute zum Alltag.

Chancen und Risiken digitaler Medien für Kinder

Dank der Verbreitung mobiler, internetfähiger Bildschirmgeräte wie Smartphones, Tablets und Laptops sind digitale Medien fast überall und ständig verfügbar.

Die digitalen Medien bieten den Heranwachsenden vielfältige Entwicklungs- und Lernchancen. Indem sie aktiv an unserer Mediengesellschaft teilnehmen, eignen sich die Kinder die technischen Fertigkeiten an, die heute zur Bewältigung von vielen Alltags- und Berufssituationen notwendig sind.

Medienkompetenz bedeutet, bewusst und vor allem verantwortungsbewusst mit Medien umzugehen. Dazu gehört das Wissen, wie man seine Bedürfnisse nach Informationen und Unterhaltung mit Medien erfüllen kann, aber auch das Hinterfragen sowohl der Medien als auch des eigenen Medienkonsums. Medienkompetenz im Internetzeitalter umfasst das technische Wissen, wie digitale Medien bedient werden. Zudem bedeutet ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien: vorsichtig zu sein mit persönlichen Daten im Internet, Informationen kritisch zu prüfen, allgemeine Umgangsregeln auch im Internet zu beachten und sich regelmässig von digitalen Ablenkungen abzuschirmen.

Die Nutzung digitaler Medien birgt aber auch Risiken wie Cybermobbing, Datenmissbrauch oder sexuelle Übergriffe.

Begünstigt wird der Datenmissbrauch durch zwei Eigenschaften der Online-Umgebung: Erstens die vermeintliche Anonymität der Nutzer, was die Bereitschaft erhöht, sensible Informationen preiszugeben und Übergriffe erleichtert und zweitens die rasanten Verbreitungs- und Vervielfältigungsmöglichkeiten, welche die neuen Medien charakterisieren.

Wann wird der Medienkonsum bei Jugendlichen problematisch?

Ein Risiko besteht in der Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen. So können sie Inhalte konsumieren, die für ihre Altersgruppe ungeeignet sind oder sie gefährden (z.B. Gewalt, Pornographie).

Aber auch das Ausmass des Konsums spielt eine Rolle: bei übermässigem Online-Konsum drohen gesundheitliche Nebenwirkungen und im Extremfall ein Abgleiten in die Sucht. So weisen Schülerinnen und Schüler mit überdurchschnittlicher Bildschirmnutzung, resp. -konsum mehr als doppelt so häufig ungesundere Ernährungsgewohnheiten als die anderen auf. Sie sind häufiger übergewichtig und körperlich zu wenig aktiv (Schweizer HBSC-Studie 2014).

Symptome für eine problematische Mediennutzung sind unter anderem Schwierigkeiten offline zu gehen und die Vernachlässigung von Schlaf, Schulaufgaben und Familienleben. Weiter spielt die Motivation für den Konsum bestimmter Medieninhalte eine Rolle. Ein hohes Suchtpotenzial haben insbesondere Mehrspieler-Online-Rollenspiele, soziale Netzwerke, Geldspielangebote sowie Porno-Websites – unter anderem aufgrund der rasch verfügbaren, konstanten Reize und der in Aussicht gestellten Belohnungen.

Die grosse Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz hat ein gesundes Verhältnis zu den digitalen Medien. Rund 7 Prozent der 15- bis 19-Jährigen weisen jedoch eine problematische Internetnutzung auf (Suchtmonitoring Schweiz 2015).

Diese Gruppe hat ein erhöhtes Risiko, aufgrund des digitalen Medienkonsums seelische und körperliche Probleme zu entwickeln. Auch wenn ein Jugendlicher bei seiner Mediennutzung Zeichen eines Abhängigkeitsverhaltens an den Tag legt, muss dies noch keine «Online-Sucht» sein. Gerade im jugendlichen Alter können Phasen von exzessivem Verhalten auch Ausdruck der normalen Entwicklung sein. Mehr Informationen zur problematischen Internetnutzung finden Sie hier.

Was können Eltern tun?

Kinder und Jugendliche benötigen die Unterstützung der Eltern bei der Entwicklung von Medienkompetenz. Eltern, Lehrpersonen und andere Bezugspersonen kommen deshalb nicht umhin, sich mit den neuen digitalen Formaten und Inhalten zu beschäftigen. Immer mit dem Bewusstsein, dass die Jugendlichen als «Digital Natives» den Erwachsenen gegenüber oft einen technologischen Vorsprung im Umgang mit den neuen Medien haben. Wichtig ist, sich für die Welt der Heranwachsenden zu interessieren und sie bei der Mediennutzung zu begleiten. Eltern können sich dabei an diesen Regeln orientieren:

  • Reden Sie mit Ihrem Kind über seine Erfahrungen mit digitalen Medien. Lassen Sie sich Computerspiele, Online-Aktivitäten und Lieblingswebsites und -apps zeigen und fragen Sie nach den Motiven, diese zu nutzen.
  • Beachten Sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Mediennutzung und sonstigen Freizeitaktivitäten, insbesondere genügend Bewegung ist für Kinder und Jugendliche wichtig.
  • Setzen Sie altersgerechte Regeln auf bezüglich Bildschirmzeit, Medieninhalt und Medientyp. Als Orientierungshilfe kann die vom französischen Psychologen Tisseron entwickelte 3-6-9-12-Faustregel herangezogen werden : Kein Fernsehen unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, Internet nach 9 und soziale Netzwerke nach 12.
  • Eltern haben eine Vorbildfunktion: Überprüfen Sie deshalb Ihre eigenen Mediengewohnheiten.
  • Setzen Sie digitale Medien nicht als Belohnung oder Bestrafung ein. Dies verstärkt deren Bedeutung für das Kind zusätzlich.

Ausführlichere Empfehlungen, Informationen und Beratungsangebote zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Bildschirm und Internet finden Sie auf der Website jugendundmedien.ch des Bundesamts für Sozialversicherungen.

Letzte Änderung 07.08.2018

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