Möglichkeiten der Willensäusserung in der Transplantationsmedizin

Wer im Todesfall Organe, Gewebe oder Zellen spenden möchte, kann diesen Willen schriftlich dokumentieren oder mündlich festhalten. Damit werden die nächsten Angehörigen von diesem schwierigen Entscheid entlastet.

Schriftliche Dokumentation

Wer seinen Willen schriftlich dokumentieren will, kann dies mit einer Spendekarte tun. Auf dieser Karte können folgende Informationen vermerkt werden:

  • Generelle Bereitschaft oder Ablehnung von Organ-, Gewebe- oder Zellspenden sowie zu den damit verbundenen vorbereitenden medizinischen Massnahmen
  • Eingeschränkte Spendebereitschaft (wenn man nur bestimmte Organe, Gewebe oder Zellen spenden möchte)
  • Vermerk einer Vertrauensperson, an welche der Entscheid über die Spende von Organen, Gewebe oder Zellen übertragen wird

Es besteht aber auch die Möglichkeit, seinen Willen in einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgeverfügung darzulegen. Patientenverfügungen werden von verschiedenen Organisationen angeboten (weiterführende Informationen finden Sie im Register „Links“). Kein geeignetes Instrument für eine Willensäusserung ist ein Testament, weil zum Zeitpunkt, bei dem das Testament eröffnet wird, die Organe, Gewebe und Zellen nicht mehr verwendet werden können.

Mündliche Willensäusserung

Wer seinen Willen mündlich festhalten will, soll seine nächsten Angehörigen informieren. Wer sich nicht entscheiden will, überlässt diesen Entscheid automatisch seinen nächsten Angehörigen. Wurde im Voraus eine Vertrauensperson bestimmt, so liegt es an ihr, den Entscheid für oder gegen eine Entnahme zu fällen.
Auch im Fall einer schriftlichen Dokumentation des Willens empfiehlt es sich, seine Angehörigen über den Entscheid zu informieren. Dies für den Fall, dass der schriftlich dokumentierte Wille im Fall einer möglichen Spende nicht gefunden wird.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Formen der Willensäusserung

Jede der genannten Möglichkeiten der Willensäusserung hat Vor- und Nachteile:

  • Spendekarte: Der Vorteil einer Spendekarte ist, dass der Wille mit wenig Aufwand festgehalten werden kann. Darüber hinaus kann man die Karte später einfach ersetzen, falls man seine Entscheidung ändert. Ein Nachteil ist, dass eine Spendekarte im Todesfall womöglich nicht gefunden wird oder unleserlich ist.
  • Patientenverfügungen: Vorteil einer Patientenverfügung ist, dass darin sehr detaillierte Angaben gemacht werden können, beispielsweise eine Willensäusserung zur Organspende nach Kreislaufstillstand (Non Heart Beating Donation). Dementsprechend ist aber auch die Änderung einer Patientenverfügung im Vergleich zur Spendekarte meist aufwendiger.
  • Information der Angehörigen: Fehlt eine schriftliche Willensäusserung, werden die Angehörigen mit der Frage nach einer allfälligen Spende konfrontiert. Kennen diese den Willen bereits, können sie ihn aussprechen ohne ihn in dieser belastenden Situation erst ergründen zu müssen. Nachteil dieser Variante ist es, dass ein Gespräch über die Spende von Organen, Geweben und Zellen an Hemmungen und Tabus in der Beziehung zu den Angehörigen rühren kann. Es gibt zudem keine Gewähr dafür, dass sich die Angehörigen an die Willensäusserung erinnern oder sich daran halten.

Nutzt eine Person mehrere Möglichkeiten zur Willensäusserung, besteht die Möglichkeit, dass sich diese widersprechen (z.B. Zustimmung auf Spendekarte, Ablehnung auf Patientenverfügung). Deshalb ist es wichtig, dass Änderungen des Willens den Angehörigen mitgeteilt werden, denn diese werden konsultiert, sollte ein solcher Widerspruch auftauchen.

Andere Formen der Willensäusserung

Andere Länder kennen weitere Mittel, um den Willen festzuhalten. So kann in einigen Staaten der Wille auf dem Führerausweis vermerkt werden und in manchen Staaten (z.B. Neuseeland) muss man beim Beantragen eines solchen einen entsprechenden Entscheid fällen. Das hat den Vorteil, dass der Spendewille besser verfügbar ist. Dies wird aber mit dem Preis bezahlt, dass sachfremde Bereiche – z.B. das Führen eines Fahrzeugs mit der Willensäusserung bezüglich einer Organspende – vermischt werden. Auch ist es schwieriger, den Willen zu ändern, weil dann auch das entsprechende Dokument neu erstellt werden müsste.
In anderen Ländern existieren auch Register, in denen Personen ihre Willensäusserung zentral ablegen können. Der Wille ist dadurch mit Sicherheit verfügbar (die Transplantationskoordinatoren haben Zugriff auf diese Register), doch sind Aufwand und Kosten für Aufbau und Unterhalt dieser Register hoch. Der Bundesrat hat in einem ausführlichen Bericht die Vor- und Nachteile verschiedener Massnahmen untersucht:

Massnahmen für mehr Organe für Transplantationen

Im März 2013 veröffentlicht der Bundesrat einen Bericht zur Situation der Organspende in der Schweiz. Mit dem Bericht erfüllt er die drei Postulate Gutzwiller (10.3703), Amherd (10.3701) und Favre (10.3711).

Letzte Änderung 27.11.2017

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