Kinder und Jugendliche: unser Schwerpunkt 2020 – Newsletter Sucht Nr. 9 – Februar 2020

Newsletter Nationale Strategie Sucht

Liebe Leserin, lieber Leser

Kürzlich sass ich in der Mittagspause am kleinen Teich im Park hinter dem BAG. Ein sonniger, klirrendkalter Wintertag. Der Teich war gefroren und ich beobachtete drei Jungen, schätzungsweise im Alter zwischen neun und zwölf Jahren. Sie warfen Steine auf die Fläche, brachen Stücke aus der Eisdecke und liessen sie über den Teich schlittern. Bald testeten sie die Tragfähigkeit des Eises: Sie fassten sich an den Händen und wagten einer nach dem anderen zaghafte Schritte auf das Eis. Während ich sie beobachtete schwankte ich zwischen Amusement, Zurücklehnen – es waren ja nicht meine Kinder – und dem Impuls, einzugreifen, bevor sich einer nasse Füsse holte.

Diese Situation ist ein Sinnbild für das Thema Kindheit/Jugend und Suchtprävention – unser Schwerpunktthema dieses Jahr. Jugendliche wollen ausprobieren, Grenzen ausloten und ihre Neugierde stillen. Und Eltern wie Bezugspersonen sollen schützen, Grenzen setzen aber auch Freiraum gewähren, damit sie sich entwickeln und selbstständig werden.

Nass wurde übrigens keiner der Jungs. Der Blick auf die Uhr des einen beendete das vorher so vertiefte Spiel jäh: «Sch…, wir müssen zur Schule!» Und weg waren sie.

Mirjam Weber

Schöne Wintertage wünscht

Mirjam Weber, stellvertretende Leiterin Sektion Präventionsstrategien,
Leiterin Sucht-Strategie

Themenübersicht

Massnahmen

Februar 2020 – Suchtpolitik ist ein dynamisches Feld, das sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss, etwa veränderten Verhaltensmustern und Konsumtrends.

Die nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Umsetzungsstand der Massnahmen der jeweiligen Handlungsfelder respektive Massnahmenbereiche.

Jugendschutz im Bereich Suchtmittelkonsum

Im vergangenen Herbst hat das BAG zuhanden des Parlaments einen Bericht erarbeitet, der sich dem Jugendschutz im Suchtmittelbereich widmet. Jugendschutz hat vier wesentliche Bereiche: Den gesetzlich verankerten Schutz, Gesundheitsförderung und Prävention, Früherkennung und Frühintervention und die Suchthilfe. Erst die Kombination dieser vier Bereiche ermöglicht einen wirksamen Jugendschutz.

Mehr über den Jugendschutz im Bereich Suchtmittelkonsum


Aktionswoche für Kinder von suchtkranken Eltern

Aktuell findet die Aktionswoche für Kinder von suchtkranken Eltern statt. Sucht Schweiz koordiniert die Aktionswoche und macht so auf die Bedürfnisse der Kinder aufmerksam:

www.enfants-parents-dependants.ch


Infodrog: Neuer Vertrag bis 2029

In vergangenen Jahr haben wir das Mandat der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht Infodrog öffentlich ausgeschrieben. Den Auftrag hat die Stiftung Radix erhalten. Der neue Rahmenvertrag läuft für zehn Jahre.

Mehr über Infodrog erfahren


Revision QuaTheDA 2020 abgeschlossen

QuaTheDA steht für Qualität Therapie Drogen Alkohol. Es ist die Qualitätsnorm für die Suchthilfe, Prävention und Gesundheitsförderung und fördert ein einheitliches und allgemeingültiges Qualitätsverständnis im Suchtbereich. Das neue Referenzsystem steht ab sofort zur Verfügung.

Zum Referenzsystem QuaTheDA


Einstufungstest auf Stop-alkohol.ch

Die Website Stop-alkohol.ch richtet sich an Alkoholtrinkende und ihr Umfeld. Neu bietet die Seite auch auf Deutsch und Italienisch eine kundenspezifische Betreuung an. Mit einem automatisierten Einstufungstest können Interessierte ihre Trinkgewohnheiten einstufen.

Zum COACH von stop-alkohol.ch

Aus der Praxis

Februar 2020

Suchtprävention im Sport: «cool and clean»

Das Programm «cool and clean» von Swiss Olympic richtet sich an Leiterinnen und Leiter, die mit Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren arbeiten. Mit «cool and clean» fördern die Leitenden die Lebenskompetenzen der Jugendlichen und sensibilisieren sie für die negativen Folgen von Suchtmittelkonsum. «cool and clean» fördert ein tabak- und alkoholfreies Umfeld der Jugendlichen und unterstützt Leitende, gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren.

www.coolandclean.ch


Ready4life: Von der Chatbot-App begleitet

Die Übergangszeit von der Schule zum Beruf ist richtungsweisend für die Zukunft. Viele Jugendliche fühlen sich in dieser Lebensphase überfordert und gestresst. Neue Situationen, Ausprobieren, Zurechtfinden... um die Lernenden in dieser Phase zu stärken und damit eine allfällige Überlastung nicht in riskantem Suchtmittelkonsum endet, hat die Lungenliga das Projekt ready4life lanciert: Mit Hilfe einer Chatbot-App (eine Art intelligente Antwortmaschine) stärken Jugendliche die Sozialkompetenz, verbessern ihr Stressverhalten und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Substanzkonsum.

Website ready4life


Kurzfilme zur psychischen Gesundheit

Was tun, wenn Eltern psychisch krank sind? Das Institut Kinderseele Schweiz beantwortet diese Frage mit sieben Kurzfilmen. Drei Jugendliche, zwei Elternteile und zwei Fachpersonen geben Tipps. Hilfreich für Jugendliche psychisch erkrankter Eltern, für psychisch erkrankte Elternteile und deren PartnerInnen sowie für Fachpersonen, die mit Betroffenen zusammenarbeiten.

Zu den Filmen

Weitere Filme des Instituts Kinderseele Schweiz

Neues aus der Politik

Februar 2020 – Relevante Geschäfte aus der Wintersession

 

Nationalrat befürwortet Pilotversuche mit Cannabis grundsätzlich

Mit 100 zu 85 Stimmen bei 2 Enthaltungen ist der Nationalrat in der Wintersession auf die Gesetzesvorlage zum Experimentierartikel eingetreten. Die Sozial- und Gesundheitskommission hat am 30.1.2020 die Detailberatung durchgeführt. Sie nimmt die Vorlage des Bundesrates mit wenigen Änderungen an.

Zum Geschäft 19.021 «Betäubungsmittelgesetz. Änderung»

 

Politischer Vorstoss aus der Wintersession

19.4485 Mo. Geissbühler. Vorsätzlichkeit bei Straftaten unter Drogen- und Alkoholeinfluss

Wissen

Februar 2020 – In dieser Rubrik weisen wir auf relevante Studien oder anderes Wissenswertes hin.

Schadensminderung im Bereich Geldspiel: Eine Public Health Perspektive

Wie wirkt sich problematisches Geldspiel auf Individuen oder auf die Gesellschaft aus? Wie lassen sich die negativen Folgen lindern? Die neue Publikation «Harm Reduction for Gambling: A Public Health Approach» greift diese Fragen auf und liefert einen Überblick über Präventions- und Schadensminderungsmodellen. Die gemeinsame Publikation vom Centre du jeu excessif (CHUV/Lausanne) und der National Problem Gambling Clinic in London fasst die Arbeit internationaler Expertinnen und Experten zusammen.

 


Neues Faktenblatt zu Cannabiskonsum

Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) hat Personen befragt, die aus medizinischen oder rekreativen Gründen Cannabis konsumieren. Die Befragten haben angegeben, ob sie Medikamente auf Cannabisbasis einnehmen oder illegales Cannabis konsumieren. Die Studie zeigt u.a., dass der Cannabiskonsum die Beschwerden der Personen lindert und die Auswahl an Cannabinoidmedikamenten erweitert werden müsste.

Zum Faktenblatt

Zur Studie


Swissalkselftrack.ch

Die neue Website Swissalkselftrack listet und bewertet verschiedene Apps mit Bezug zu Alkohol. Darunter finden sich beispielsweise Apps für kontrolliertes Trinken oder Apps zur Überprüfung der Trinkgewohnheiten. Die Seite verschafft aber auch einen Überblick über Trinkspiele, Promillerechner oder Alkohol-Shopping-Apps.

Zur App-Liste Swissalkselftrack

Aus den Medien

Februar 2020 – In dieser Rubrik informieren wir über Medienbeiträge aus dem Suchtbereich.

Spectra «Schule und Gesundheit»

Bildung hat einen starken Einfluss auf die Gesundheit. Mit dem Lehrplan 21 werden über 700 Kompetenzen vermittelt, die im Zusammenhang mit Gesundheit stehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, was Kinder lernen, sondern auch wie und wo. Ausgewogenes Essen am Mittagstisch, die Luftqualität im Schulzimmer oder Stress prägen die Gesundheit im Schulalltag. Das aktuelle spectra greift unterschiedliche Facetten von «Schule und Gesundheit» auf:

Zur aktuellen Ausgabe


Der neue spectra podcast

Seit diesem Jahr produziert spectra, das Präventionsmagazin des BAG, einen Podcast. Pro Printausgabe vertiefen je ein Podcast auf Deutsch und auf Französisch das Thema mit Interviews und Reportagen. Zur Ausgabe «Betroffene einbeziehen» sind im Januar die ersten Podcasts erschienen: Weshalb ist der Einbezug von Betroffenen und Angehörigen in die Gesundheitsversorgung wichtig? Hier den spectra podcast hören und abonnieren



Kino-Tipp: Platzspitzbaby

Der neue Schweizer Film erzählt von einer Kindheit mit einer heroinabhängigen Mutter. Nach der Auflösung der offenen Drogenszene 1995 in Zürich zieht die elfjährige Mia mit ihrer Mutter Sandrine in ein Städtchen im Zürcher Oberland. Der Film vermittelt eindrücklich, wie sich das Schicksal der Drogensüchtigen nach Auflösung der offenen Drogenszene abspielte.

Trailer zum Film «Platzspitzbaby»


Agenda / Veranstaltungen

Februar 2020 – Veranstaltungen aus den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit – tragen Sie sich die Daten in Ihrer Agenda ein!

 

Fachtagung: Chronisch krank in der digitalen Welt

Welchen Nutzen und welche Risiken birgt die virtuelle Welt für chronisch kranke Menschen? Wie können Fachpersonen unterstützen? Am 25. März 2020 findet in Aarau die Tagung von chronischkrank.ch, Careum Weiterbildung und der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspsychologie statt.

Programm und Anmeldung

 

Kantonale Austauschtreffen NCD und Sucht

RIL: 9. Mai 2020 in Lausanne: « écrans : où mettre le curseur? »

KAD : 12. Mai 2020 in Zürich: «STETS ONLINE. UND ERREICHBAR?! Digitalisierte Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen ausserhalb der Schule»


Stakeholderkonferenz NCD 2020

Gemeinsam mit dem BASPO, dem Obsan und dem Fachverband Adipositas im Kindes- und Jugendalter AKJ führt das BAG am 23. Juni 2020 die Stakeholderkonferenz zum Jahresschwerpunkt 2020 der NCD-Strategie «Kinder- und Jugendgesundheit» durch. An dieser Veranstaltung wird der neue «Nationale Gesundheitsbericht Kinder und Jugendliche» vorgestellt.

 

Stakeholderkonferenz Sucht 2020

Gemeinsam mit dem Netzwerk psychische Gesundheit organisiert das BAG am 17. September 2020 die Stakeholderkonferenz Sucht. Auch dieser Anlass ist dem Schwerpunktthema «Kinder und Jugendliche» gewidmet. Was konsumieren Jugendliche? Wie gehen sie mit neuen Medien um? Welche Unterstützung gibt es für Kinder aus suchtbelasteten Familien? Diesen Fragen und vielen weiteren wird aus der Perspektive von Forschung und Praxis nachgegangen.

Letzte Änderung 14.08.2020

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 463 88 24
E-Mail

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