«Alkohol im Alter: Hinschauen und handeln» – Newsletter Sucht Nr. 7 - November 2019

Newsletter Nationale Strategie Sucht

Liebe Leserin, lieber Leser

Ein gemütlicher Fondueabend unter Freunden, nicht nur Schwarztee, sondern auch Weisswein fliesst. «Gibt es bei euch auch immer mal wieder Wochen, in denen ihr täglich Wein trinkt?», fragt der Gastgeber seine Gäste. Den eigenen Konsum oder den des Umfelds machen die wenigsten zum Thema. Alkohol ist eine gesellschaftlich sehr akzeptierte Substanz, solch offene Gespräche vielleicht gerade deshalb eher selten.

Sieben Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen über 65 trinken regelmässig zu viel Alkohol – das sind mehr als in anderen Alterskategorien. Mit übermässigem Alkoholkonsum beeinträchtigen die Seniorinnen und Senioren ihre Gesundheit. Ein weiterer häufiger Risikofaktor sind eingenommene Medikamente, die nicht mit Alkohol kombiniert werden sollten. Hinschauen und handeln – also Früherkennung und Frühintervention – lautet unsere Devise, auch bei der älteren Bevölkerung.

Nun zeigt allerdings eine neue Studie: Im Umfeld von älteren Personen sind Früherkennung und Frühintervention wenig verbreitet und kaum verankert. Wir müssen Spitex, Alters- und Pflegeheime, aber auch Ärztinnen und Ärzte sensibilisieren und unterstützen, damit sie angemessen auf problematischen Alkoholkonsum reagieren können. Mehr Ergebnisse aus der Studie erfahren Sie im ersten Beitrag dieses Newsletters.

Ich wünsche inspirierende Lektüre und frohes Beisammensein in guter Gesellschaft an den nun kälteren und dunkleren Abenden.

Mirjam Weber

 

 

 

 

Herzliche Grüsse

Mirjam Weber, stellvertretende Leiterin Sektion Präventionsstrategien,
Leiterin Sucht-Strategie

Themenübersicht

Massnahmen

November 2019 – Suchtpolitik ist ein dynamisches Feld, das sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss, etwa veränderten Verhaltensmustern und Konsumtrends.

Die nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Umsetzungsstand der Massnahmen der jeweiligen Handlungsfelder respektive Massnahmenbereiche.

Neue Studie zu Früherkennung und Frühintervention bei problematischem Alkoholkonsum von älteren Menschen

 

Ist Alkohol im Alter ein Thema in der Alterspflege? Ja, aber keines mit Priorität. Mitarbeitende von Spitex sowie von Alters- und Pflegeheimen sehen Alkohol und Medikamente im Alter als zunehmendes Problem. Sie wissen allerdings kaum, wie damit umgehen. Sie müssen sensibilisiert und geschult werden, so die StudienautorInnen.

Die StudienautorInnen haben ExpertInnen sowie Pflegedienstleitende aus Institutionen der Alterspflege befragt. Die Gespräche zeigten: Mitarbeitende der Institutionen kennen die Instrumente zur Früherkennung und die Verfahren der Frühintervention oft nicht. Alkohol im Alter ist eher bei bestehender Abhängigkeit ein Thema, allerdings eines unter vielen anderen wie Demenz oder Schmerzmanagement. Die knappen Ressourcen fordern von den Institutionen, Prioritäten zu setzen. Alkohol im Alter gehört eher selten dazu.

Zudem zeigt die Studie: Das Spannungsfeld zwischen Fürsorgepflicht und der Selbstbestimmung der älteren Menschen ist Dauerthema im Pflegealltag. Die Pflegenden kennen die Auswirkungen von problematischem Alkoholkonsum. Sie wissen, dass weniger Alkohol den Schaden mindern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern würde. Gleichzeitig wollen sie den Seniorinnen und Senioren nicht vorschreiben, wie diese ihr Leben gestalten sollen.

«Früherkennung und Frühintervention bedeuten weder Gängelung noch Bevormundung», betont eine Studienautorin. «Sie sind ein Angebot, mit älteren Menschen zu Themen wie Gesundheit, Vermeidung von Begleiterkrankungen und Förderung von Lebensqualität ins Gespräch zu kommen».

Was empfehlen die StudienautorInnen?

Personen, die mit älteren Menschen arbeiten, sollen besser für Früherkennung und Frühintervention sensibilisiert und geschult werden. Als Hauptmassnahmen empfehlen die StudienautorInnen

  • niederschwellige Schulungsmodule in ärztlichen Qualitätszirkeln, für Spitex-Mitarbeitende und HauswirtschafterInnen;
  • ein integriertes Konzept für Früherkennung und Frühintervention in Alters- und Pflegeheimen;
  • ein Fortbildungsmodul für Pflegende und Leitungen in bestehenden Ausbildungsgängen von Bildungsinstitutionen.

Zur Studie FFF – Fit für Früherkennung und Frühintervention bei problematischem Alkoholkonsum von älteren Menschen

Beitrag zur Studie im SuchtMagazin


Studie zu Alkohol- und Arzneimittelkonsum bei älteren Personen

Vor einigen Monaten wurde eine Studie zu gleichzeitigem Alkohol- und Medikamentenkonsum bei älteren Menschen publiziert.

Mehr zur Studie


Früherkennung und Frühintervention

Die Frühintervention verhindert gesundheitliche Probleme und gesellschaftliche Kosten. Wie und wo Früherkennung und Frühintervention eingesetzt werden können, zeigt unser neues Rahmenkonzept.

Wie und wo kann Frühintervention eingesetzt werden?

Das BAG hat kürzlich das Rahmenkonzept «Früherkennung und Frühintervention (F+F) im Fokus der Lebensphasen: Ein übergreifender Ansatz» publiziert. Das Konzept liefert zahlreiche Beispiele für Früherkennung- und Frühintervention (F+F). Sie zeigen, dass F+F nicht an eine Lebensphase oder ein bestimmtes Problem gebunden sind. F+F machen in unzähligen Situationen Sinn.

Dank F+F zu guten Rahmenbedingungen

Früherkennung und Frühintervention kann gute Rahmenbedingungen schaffen. Das zeigt das Projektbeispiel "Rauchfreie Luft, gesunde Kinder" der Lungenliga: Viele Kinder sind zuhause dem Tabakrauch ausgesetzt. Dies schadet der Gesundheit der Kinder langfristig. Um Kleinkinder frühzeitig von Passivrauch schützen, schult die Lungenliga Personen, welche direkt mit Eltern arbeiten (z.B. Hebammen oder Mütter- und Väterberatende). Diese Personen führen die Frühintervention durch: Sie informieren Eltern über Passivrauchschutz und motivieren sie, dass sie auf das Rauchen in der eigenen Wohnung und im Auto verzichten.

Nützliches Instrument für alle Lebensphasen

Andere Beispiele im Rahmenkonzept beschäftigen sich mit Früherkennung und Frühintervention bei Jugendlichen, die Substanzen konsumieren. So gibt es Anlaufstellen oder Plattformen, die Lehrpersonen, BerufsbilderInnen oder Eltern bei der Frühintervention bei Jugendlichen unterstützen. Das Konzept bietet aber auch Praxisbeispiele für F+F in ganz anderen Lebensphasen: Eines zeigt, wie Vorgesetzte psychische Erkrankungen von Mitarbeitenden erkennen. Ein anderes Projekt widmet sich F+F von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit bei Seniorinnen und Senioren.

Das Rahmenkonzept zeigt den Handlungsbedarf in verschiedenen Lebensphasen auf. Es enthält 29 Massnahmen, wie Früherkennung und Frühintervention auf neue Gefährdungen und Zielgruppen ausgeweitet werden kann.

Zum Rahmenkonzept Früherkennung und Frühintervention

 

 
Aus der Praxis

November 2019 – Dieses Jahr stellen wir Projekte vor, welche die Gesundheit bei älteren Menschen fördern und zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten bei Seniorinnen und Senioren beitragen.

Sensor Alter

Wie können Spitexmitarbeitende und andere Bezugspersonen Alkohol- oder Medikamentenprobleme bei älteren Menschen ansprechen? Wo liegen die Grenzen? Das Projekt Sensor Alter unterstützt Bezugspersonen in der Beratung, Betreuung und Pflege von älteren Menschen. Das Projekt bietet Schulungen, aber auch Arbeitsinstrumente wie Checklisten und einen Leitfaden.

Zur Website von Sensor Alter



Machen Sie Ihr Projekt bekannt!

Haben oder kennen Sie innovative Projekte aus der Praxis im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen? Gerne stellen wir diese in einem der nächsten Newsletter vor.

Mail an praeventionsstrategien@bag.admin.ch

Wissen

November 2019 – In dieser Rubrik weisen wir auf relevante Studien oder anderes Wissenswertes hin.

Drug Checkings in Kontakt- und Anlaufstellen

Eine neue Studie zeigt: Suchtbetroffene zeigen grosses Interesse, ihre Drogen in Kontakt- und Anlaufstellen analysieren zu lassen. Und sie nutzen Beratungen zu Safer Use. Die Studie zeigt auch: Sensibilisierung tut Not. Mehr als die Hälfte der analysierten Substanzproben waren gestreckt. Damit Drogenkonsumierende weniger riskant konsumieren, ist wiederholte Information nötig.

Link zum Faktenblatt «Drug Checkings in Kontakt- und Anlaufstellen»

 

Suchtprävention: Eltern haben grosses Potential

Eine aktuelle Auswertung der Schülerstudie HBSC zeigt: Sind Eltern gut über das Leben ihrer Kinder im Bilde, konsumieren die befragten Jugendlichen seltener Suchtmittel, als wenn Eltern die Freizeitaktivitäten und den Umgang der Jugendlichen nur mässig kennen.

Zur Medienmitteilung von Sucht Schweiz

Aus den Medien

November 2019 – In dieser Rubrik informieren wir über Medienbeiträge aus dem Suchtbereich.

Agenda / Veranstaltungen

November 2019 – Veranstaltungen aus den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit – tragen Sie sich die Daten in Ihrer Agenda ein!

Stakeholderkonferenz NCD 2020

Gemeinsam mit dem BASPO als Träger und dem Fachverband Adipositas im Kindes- und Jugendalter AKJ als Partner führt das BAG am 23. Juni 2020 die Stakeholderkonferenz zum Jahresschwerpunkt 2020 der NCD-Strategie «Kinder und Jugendliche» durch. An dieser Veranstaltung wir der neue «Nationale Gesundheitsbericht Kinder und Jugendliche» vorgestellt.

 

Stakeholderkonferenz Sucht

Gemeinsam mit dem Netzwerk psychische Gesundheit organisiert das BAG am 17. September 2020 die Stakeholderkonferenz Sucht. Auch dieser Anlass ist dem Schwerpunktthema «Kinder und Jugendliche» gewidmet. Was konsumieren Jugendliche? Wie gehen sie mit neuen Medien um? Welche Unterstützung gibt es für Kinder aus suchtbelasteten Familien? Diesen Fragen und vielen weiteren wird aus Perspektive Forschung, Praxis und Kooperation nachgegangen.

Letzte Änderung 14.11.2019

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
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Tel. +41 58 463 88 24
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