«Aktuelles zur Strategie Sucht» – Newsletter Sucht Nr. 12 – November 2020

Newsletter Nationale Strategie Sucht

Liebe Leserin, lieber Leser

Seit Anfang Monat leite ich die Nationale Strategie Sucht. Ich freue mich über diese Herausforderung, denn sie verbindet Gesundheit und Soziales – zwei Bereiche, die mich faszinieren und meine bisherigen beruflichen Stationen geprägt haben: als Sektionsleiterin des Intakes beim Sozialdienst der Stadt Bern, als Bereichsleiterin Eingliederung bei der Invaliditätsversicherung des Kantons Bern, und zuletzt als Leiterin der Fachstellen des Sozialdienstes der Stadt Bern, wozu unter anderem die Suchthilfe gehört. Ein umfassender Blick auf Sucht, der soziale Fragen genauso berücksichtigt wie gesundheitliche, ist mir sehr wichtig.

Schon die ersten Tage beim BAG waren spannend. So hat mich beispielsweise die Arbeit der «Taskforce Sucht und Covid-19» beeindruckt: Mit wöchentlichen Telefonkonferenzen koordiniert sie die Anliegen und Herausforderungen der Kantone, Städte und Institutionen, die sich aufgrund der aktuellen Lage im Bereich der Suchthilfeangebote zeigen. Momentan fordern vor allem die Covid-Schutzmassnahmen und die personellen Engpässe heraus: Was, wenn Mitarbeitende in Quarantäne müssen?  Ist die Betreuung und Versorgung von Suchtbetroffenen sichergestellt?

Die Taskforce ist ein gutes Gefäss, um voneinander zu lernen. Natürlich passt nicht jede Lösung für jeden Kanton. Aber die Taskforce zeigt Möglichkeiten, wie der Suchtbereich den Herausforderungen der Krise begegnen kann.

Ich freue mich auf die spannende Arbeit und darauf, die Suchtstrategie gemeinsam mit Ihnen und den vielen engagierten Akteuren auf nationaler, kantonaler und regionaler Ebene voranzutreiben.

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Herzliche Grüsse

Simona De Berardinis, stellvertretende Leiterin Sektion Präventionsstrategien,
Leiterin Sucht-Strategie

Themenübersicht

Wissen

November 2020 – In dieser Rubrik weisen wir auf relevante Studien oder anderes Wissenswertes hin.

Sucht verursacht Kosten in Milliardenhöhe

Sucht verursacht hohe Kosten für die Gesellschaft. Die aktuelle Studie «Volkswirtschaftliche Kosten der Sucht» weist einen Betrag von 7.9 Milliarden Franken aus. Tabak ist mit 3.9 Milliarden Franken der weitaus grösste Kostenfaktor. An zweiter Stelle folgt Alkohol mit rund 2.8 Milliarden.

Zur Studie «Volkswirtschaftliche Kosten der Sucht»

Neue Studie: Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum

Wenn Eltern rauchen, zu viel Alkohol oder andere Substanzen konsumieren, hat dies negative Folgen für ihre Kinder. Die Studie «Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum» zeigt: In der Schweiz lebt jedes dritte Kind mit elterlichem Nikotinkonsum, bei jedem siebzehnten Kind trinken die Eltern regelmässig zu viel Alkohol. Die Berner Fachhochschule hat diese Studie im Auftrag des BAG durchgeführt.

Mehr erfahren

Jede 12. Person stirbt wegen Alkohol

1553 Personen sterben in der Schweiz jedes Jahr an den Folgen ihres Alkohol­konsums. Schätzungsweise 8% aller Todesfälle in der Altersgruppe der 15- bis 74-Jährigen sind alkoholbedingt. Bei den 15- bis 24-jährigen Männern sind fast 20% der Todesfälle auf Alkohol zurückzuführen, wie die neue Studie «Mortalität Alkohol» zeigt.

Zum Faktenblatt «Alkoholbedingte Sterblichkeit in der Schweiz im Jahr 2017»

Zum Bericht «Alkoholbedingte Sterblichkeit in der Schweiz im Jahr 2017»

Rubriktitel EKSN

November 2020 – Die EKSN berät den Bundesrat und die Bundesverwaltung in grundsätzlichen Fragen zu Sucht, zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und zu politischen Geschäften in diesem Zusammenhang.

 

Fazit zum ersten Jahr der EKSN

Im Januar 2020 hat die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nicht übertragbarer Krankheiten (EKSN) ihre Arbeit aufgenommen. Welche Funktion erfüllt die Kommission? Und womit hat sie sich im ersten Jahr beschäftigt? Welche Schwerpunkte setzt sie? Präsident Matthias Weishaupt gibt Auskunft.

Zum Interview mit Matthias Weishaupt


EKSN fordert griffiges Tabakproduktegesetz

Die Eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) verlangt im neuen Tabakproduktegesetz wirksame Regelungen für die öffentliche Gesundheit. Darunter fallen ein vollständiges Werbeverbot für Tabakprodukte oder eine strenge Regulierung von Aroma- und Zusatzstoffen. Die Regelungen sollen der Schweiz ermöglichen, das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums zu ratifizieren. Was die SGK-N (Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats) aktuell empfiehlt, geht der EKSN zu wenig weit.

Zur Kurzversion der EKSN-Stellungnahme zum Tabakproduktegesetz

Zur Langversion der EKSN-Stellungnahme zum Tabakproduktegesetz

Neues aus der Politik

November 2020

 

Stand Tabakproduktegesetz

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) hat den Entwurf des Tabakproduktegesetzes beraten und ihn mit 18 zu 7 Stimmen in der Gesamtabstimmung angenommen. Sie ergänzt die bereits durch den Ständerat verschärften Werbeeinschränkungen, lässt aber Meldepflichten zu den Werbeausgaben fallen.

Zur Medienmitteilung

Verordnungsanpassung zur Heroinabgabe

Patientinnen und Patienten, die eine heroin- bzw. diacetylmorphingestützte Behandlung erhalten, müssen normalerweise mindestens einmal pro Tag die Behandlungszentren aufsuchen. Um die Risiken einer Covid-Ansteckung zu minimieren, kann diesen Patientinnen und Patienten aktuell bis zu sieben Tagesdosen medizinischen Heroins mitgegeben werden. Dazu hat der Bundesrat Artikel 13 der Betäubungsmittelsuchtverordnung (BetmSV) bis zum 31. Dezember 2021 geändert:

Zur Medienmitteilung

Anpassungen des Betäubungsmittelgesetzes im Bereich Cannabis

Das Parlament hat der Einführung eines Experimentierartikels im Betäubungsmittelgesetz zugestimmt. Damit gibt es grünes Licht für befristete Studien über den Konsum von Cannabis zu Genusszwecken.

Weiter will die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates, dass Patientinnen und Patienten schneller und einfacher Zugang zu Behandlungen mit Cannabisarzneimitteln erhalten. Sie hat eine entsprechende Gesetzesänderung gutgeheissen.

Informationen zum Experimentierartikel

Informationen zu Cannabisarzneimittel

«Die fehlende Sichtbarkeit hat zu einer Patt-Situation geführt»

Nach zwei Jahrzehnten im BAG wird Markus Jann im kommenden Januar pensioniert. 2001 hat er im BAG die Leitung der Sektion Drogen übernommen, heute leitet er die Sektion «Politische Grundlagen und Vollzug» in der Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten. Im Interview blickt er auf seine Highlights und Herausforderungen zurück.

Chronik der EKAL und ihrer Themen, 1945-2019

Für fast 75 Jahre hat die eidgenössische Kommission für Alkoholfragen EKAL den Bundesrat zu Alkoholfragen beraten. Ein kürzlich publizierter Bericht gibt einen Einblick in die Entstehung und die Arbeit der Kommission. Zu Beginn fokussierten die Kommissionsmitglieder auf die Bekämpfung des Alkoholismus, später berieten sie über allgemeine Alkoholfragen.

Zur Chronik der EKAL

Massnahmen

November 2020 – Suchtpolitik ist ein dynamisches Feld, das sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss, etwa veränderten Verhaltensmustern und Konsumtrends.

Die nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Umsetzungsstand der Massnahmen der jeweiligen Handlungsfelder respektive Massnahmenbereiche.

Forum SELF: Gemeinsam auf Augenhöhe

Das Forum SELF zur Selbstmanagement-Förderung hat dieses Jahr digital stattgefunden. Das Forum widmete sich den Fragen: Wie kann «gemeinsam auf Augenhöhe» gelingen, was braucht es dazu und wo stehen wir überhaupt diesbezüglich? Selbstmanagement-Förderung ist aktuell so wichtig wie noch nie.

Auf unserer Website finden Sie zwei aufgezeichnete Referate sowie dies Tagungsunterlagen. Ein Ergebnisbericht zum Forum erscheint im Januar 2021.

Zu den Unterlagen

Welche Angebote der Suchthilfe gibt es in welcher Region?

Die Datenbank Suchtindex.ch zeigt auf, wo Suchtbetroffene in ihrer Region Unterstützung finden. Die Datenbank umfasst die ambulanten, stationären, teilstationären, und schadensmindernden Institutionen und Fachstellen der Suchthilfe. Aufgeführt sind zudem Selbsthilfegruppen, Elternvereinigungen sowie Angebote im Bereich Opferhilfe / Täterarbeit der Schweiz.

www.suchtindex.ch

Unterlagen zur psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen sind psychische Probleme oft schwer zu erkennen. Die neuen Unterlagen der ZHAW sensibilisieren Kinderärztinnen und -ärzte, Eltern, Erziehungsberechtige und Jugendliche für die psychische Gesundheit. Die Fachinformationen für Ärztinnen und Ärzte sollen deren Arbeit erleichtern.

Flyer «Wie stärke ich die psychische Gesundheit meines Kindes?»

Broschüre «Heb der Sorg!»

Fachinformationen für Ärztinnen und Ärzte

Aktualisierungen auf www.praxis-suchtmedizin.ch

Praxis Suchtmedizin ist ein praxisorientiertes Online-Handbuch für Fachpersonen der Grundversorgung. In den vergangenen Monaten wurden die Kapitel «Medikamente» und «Alkohol» überarbeitet, aktualisiert und auf Französisch und Italienisch übersetzt.

www.praxis-suchtmedizin.ch

 

Aus der Praxis

November 2020

 

zackstark – rauchfrei durch die Lehre

Ausbildungsbetriebe motivieren ihre Lernenden, rauch- und nikotinfrei zu bleiben. Die Lernenden unterzeichnen eine Vereinbarung, dass sie während der Ausbildung keinen Tabak bzw. kein Nikotin konsumieren. Halten sie diese ein, bekommen sie vom Betrieb eine Belohnung. Die Lungenliga Aargau und die Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs (ZFPS) führen das Projekt in ihren jeweiligen Kantonen durch.

www.zackstark.ch

Zum Video mit einer Aargauer Baufirma

Zum Video mit einer Zürcher Podologie Praxis

Machen Sie Ihr Projekt bekannt!

Haben oder kennen Sie innovative Projekte aus der Praxis im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder und Jugendliche? Gerne stellen wir diese in einem der nächsten Newsletter vor.

Mail an praeventionsstrategien@bag.admin.ch

Agenda / Veranstaltungen

November 2020 – Veranstaltungen aus den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit – tragen Sie sich die Daten in Ihrer Agenda ein!

 

Die Stakeholderkonferenz Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten zum Thema «Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: eine Selbstverständlichkeit?» findet am  27. Mai 2021 statt. Sie wird gemeinsam mit dem Bundesamt für Sport (BASPO) organisiert.
 
Die Stakeholderkonferenz Nationale Strategie Sucht & Netzwerktagung Psychische Gesundheit Schweiz «Kinder und Jugendliche stärken!» findet am 16. September 2021 im Stadion Wankdorf in Bern statt.

Letzte Änderung 19.11.2020

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 463 88 24
E-Mail

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