Wir sind in der Halbzeit – Newsletter Sucht Nr. 11 – Sonderausgabe

Newsletter Nationale Strategie Sucht

Liebe Leserin, lieber Leser

Seit 2017 arbeiten wir nach den Nationalen Strategien NCD und Sucht. Was läuft gut, was weniger? Wir haben die Massnahmen zu den Strategien im vergangen Jahr überprüft und die Massnahmenpläne für die Jahre 2021 bis 2024 an die neuen Herausforderungen angepasst. Für diese angepassten Massnahmen hat der Bundesrat heute grünes Licht gegeben.

Betrachten wir die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, ziehen wir für die erste Halbzeit eine positive Bilanz: Wir sind enger zusammengerückt, tauschen uns rege aus, verfolgen gemeinsame Projekte. Während vor den beiden nationalen Strategien viele Wege nebeneinander verliefen, sind wir heute zunehmend gemeinsam auf einer grossen Strasse unterwegs. Das Interesse, miteinander an den gleichen Zielen zu arbeiten, freut uns. Die Strasse ist vielleicht manchmal noch etwas holpriger, als wir uns wünschen – gegenseitig können wir uns aber über viele Hürden helfen. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass immer mehr Menschen in unserem Land gesund bleiben oder trotz chronischer Krankheit eine hohe Lebensqualität geniessen. Für dieses Ziel arbeiten wir in ganz unterschiedlichen Feldern - sei es mit Projekten in Schulen, mit Früherkennung in der Arztpraxis, mit baulichen Massnahmen in Gemeinden oder mit persönlicher Beratung von Suchtkranken.

Wir danken für Ihr Engagement und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Eva Bruhin und Mirjam Weber, Bundesamt für Gesundheit

Herzliche Grüsse

Eva Bruhin,
Leiterin NCD-Strategie

Mirjam Weber,
Bisherige Leiterin Nationale Strategie Sucht


Das sagt die Trägerschaft der nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten zur Halbzeit der Umsetzung:

Bundesrat Alain Berset, Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern EDI

Bundesrat Alain Berset

«Wir alle wollen gesund älter werden. Dazu können wir mit dem eigenen Verhalten viel beitragen. Wer nichtübertragbare Krankheiten verhindert, erhöht seine Lebensqualität und dämpft die Gesundheitskosten. Wichtig ist dazu aber auch ein Umfeld, das uns einen gesunden Lebensstil erleichtert, wie attraktive Velowege, rauchfreie Schulen oder Beratungsangebote für alle Lebensphasen. Gesundheitsförderung und Prävention ist eine gemeinsame Aufgabe. Ich danke allen, die sich im Rahmen der beiden Strategien NCD und Sucht für eine gesunde Bevölkerung engagieren.»

Lukas Engelberger, Präsident Gesundheitsdirektorenkonferenz

Lukas Engelberger

«Fast vier Jahre nach dem Start der NCD-Strategie ziehen die Kantone eine positive Bilanz. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Umsetzungspartnern wurde intensiviert. So können die Gesundheitsförderung und die Prävention von nicht übertragbaren Krankheiten gestärkt und damit längerfristig die Krankheitslast und deren Folgen gemindert werden. Bereits 23 Kantone setzen aktuell ein Kantonales Aktionsprogramm in den Bereichen Ernährung, Bewegung und/oder psychische Gesundheit um.

Guido Graf, Stiftungsratspräsident Gesundheitsförderung Schweiz

Guido Graf

«Als ein Träger der Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten sucht Gesundheitsförderung Schweiz den Dialog mit Bund, Kantonen, Betrieben, Akteuren im Gesundheitswesen und der Zivilgesellschaft. Gemeinsam werden Lösungen in den Themen Ernährung, Bewegung und psychische Gesundheit entwickelt und umgesetzt. Die Stiftung orientiert sich am Ziel der gesundheitlichen Chancengleichheit – um so einen grösstmöglichen Mehrwert für die gesamte Schweizer Bevölkerung zu schaffen.»


Ergebnisse der Zwischenevaluation

Die Umsetzung der beiden Strategien läuft insgesamt plangemäss. Sie ist aber für alle Beteiligten anspruchsvoll: Alle arbeiten freiwillig zusammen, weil ein umfassendes Präventionsgesetz fehlt. Der Koordinationsaufwand ist sehr gross. Die zuständigen Bundesstellen, Gesundheitsförderung Schweiz und die Kantone orientieren sich stark an den Strategien. Zahlreiche Kantone setzen inzwischen ebenfalls Strategien um, die gleichzeitig mehreren Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten oder Suchterkrankungen vorbeugen.

Evaluationsberichte Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) und Sucht


Angepasste Massnahmenpläne

Cover Massnahmenplan NCD D
Cover Massnahmenplan Sucht D

Heute hat der Bundesrat die Massnahmenpläne verabschiedet, die nun in den Jahren 2021 bis 2024 umgesetzt werden. Dies sowohl für die NCD-Strategie wie auch für die Nationale Strategie Sucht. Mit den Erfahrungen der ersten Halbzeit und den Ergebnissen aus der Evaluation haben wir die einzelnen Massnahmen und Aktivitäten konkretisiert und an aktuelle Herausforderungen angepasst. Noch mehr als in der ersten Halbzeit wollen wir Synergien nutzen – sowohl zwischen den Trägern und wichtigsten Akteuren wie auch zwischen den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit.

Zum Massnahmenplan 2021- 2024 der nationalen Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (PDF, 6 MB, 14.10.2020)

Zum Massnahmenplan 2021- 2024 der nationalen Strategie Sucht (PDF, 3 MB, 24.11.2020)


Strategie Sucht unter neuer Projektleitung

Simona De Berardinis

Ab dem 1. November 2020 wird Simona De Berardinis die Leitung der Strategie Sucht übernehmen. Simona De Berardinis hat Sozialarbeit, Soziologie und Strafrecht / Kriminologie studiert. Sie hat Führungserfahrungen in den Bereichen Suchthilfe, Gesundheitsförderung in der Sozialhilfe und Eingliederung auf städtischer und kantonaler Ebene. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.


Textvorlage: Information zur Strategieumsetzung

Möchten Sie Ihre Partner, Mitglieder oder andere Interessierte über die nationalen Strategien informieren? Gerne können Sie unseren Grundlagetext verwenden und mit Ihren Projekten und Erfolgen ergänzen.

Präventionsstrategien in der Halbzeit

Nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Sucht verursachen in der Schweiz viel Leid und Kosten. Mehr Menschen sollen gesund bleiben. Und mehr Menschen sollen trotz chronischer Krankheit oder Abhängigkeit eine gute Lebensqualität haben. Für diese Ziele arbeiten seit 2017 zahlreiche Partner nach der nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und nach der nationalen Strategie Sucht. Zur Halbzeit stellen sich die Fragen: Was haben die Strategien bisher gebracht, was muss angepasst werden?

Ein gesunder Lebensstil kann nichtübertragbare Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes vermeiden oder deren Folgen lindern. Ganz unterschiedliche Massnahmen fördern einen gesunden Lebensstil: Das reicht von baulichen Massnahmen, welche Bewegung erleichtern, über die Förderung der individuellen Gesundheitskompetenz bis zur Vollzugskontrolle von Gesetzen, die den Konsum von Substanzen regeln. Die nationale Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und die nationale Strategie Sucht bündeln diese breiten Massnahmen. Sie sorgen für eine gemeinsame Ausrichtung und gemeinsame Ziele. Beide Strategien laufen von 2017-2024.

Zwischenevaluation zeigt: Umsetzung läuft, ist aber anspruchsvoll

In der ersten Halbzeit der Strategien sind zahlreiche Konzepte und Projekte entstanden. Einige ausgewählte Beispiele:

  • Das neue Monitoring-System www.monam.ch liefert allen Umsetzungspartnern Zahlen zu Sucht und nichtübertragbaren Krankheiten.
  • Gesundheitsförderung Schweiz und das BAG haben zahlreiche Projekte unterstützt, welche die Prävention in der Gesundheitsversorgung stärken.
  • Mit der Informationsplattform «Praxis Suchtmedizin» hat die Ärzteschaft die Suchtmedizin stärker in der Grundversorgung verankert.
  • Das Konzept Früherkennung und Frühintervention wurde auf verschiedene Settings und Lebensphasen ausgeweitet.
  • Für die Gesundheitsförderung und Prävention in der frühen Kindheit hat die ZHAW neue Grundlagen erarbeitet.
  • Gesundheitsförderung Schweiz entwickelte branchenspezifischen Lösungen im Bereich «Betriebliches Gesundheitsmanagement», z.B. für Mitarbeitende in den Schulen.
  • In Zusammenarbeit mit anderen Bundesämtern hat das BAG Pilotprojekte unterstützt, welche eine bewegungsfreundliche Umgebung schaffen. Auch Projekte, welche die aktive Mobilität wie das Velofahren fördern, erhielten finanzielle Unterstützung.
  • Das BAG hat das Online-Beratungsportal zu Suchtfragen «www.Safezone.ch» weiterentwickelt.
  • Damit sich weniger Drogenkonsumierende mit Hepatitis C anstecken, haben Infodrog und das BAG Richtlinien für die verschiedenen Settings erarbeitet, in welchen sich Drogenkonsumierende bewegen. So beispielsweise für ambulante Suchtberatungsstellen oder Arztpraxen.

Die verschiedenen Partner arbeiten im Rahmen der Strategien enger zusammen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Die Umsetzung der beiden Strategien läuft insgesamt plangemäss. Sie ist aber für alle Beteiligten anspruchsvoll: Die Zusammenarbeit ist freiwillig, der Koordinationsaufwand sehr gross. Die zuständigen Bundesstellen, Gesundheitsförderung Schweiz und die Kantone orientieren sich stark an den Strategien. Zahlreiche Kantone setzen inzwischen ebenfalls Strategien um, die sich an den nationalen Grundlagen orientieren, also gleichzeitig mehreren Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten vorbeugen oder bereichsübergreifende Suchtprävention betreiben.

Angepasste Massnahmenpläne für 2021 bis 2024

Am 19. August 2020 hat der Bundesrat die Massnahmenpläne zur Kenntnis genommen, die nun in den Jahren 2021 bis 2024 umgesetzt werden. Dies sowohl für die NCD-Strategie wie auch für die Nationale Strategie Sucht. Mit den Erfahrungen der ersten Halbzeit und den Ergebnissen aus der Evaluation haben die Träger der Strategien (BAG, GDK und Gesundheitsförderung Schweiz) die einzelnen Massnahmen und Aktivitäten konkretisiert und an aktuelle Herausforderungen angepasst. Beispielsweise hat es den Nutzen der neu konzipierten digitalen Austauschplattform Kommunikation ausformuliert: Die Plattform offeriert den Partnern einerseits alle Informationen rund um die Themen der nationalen Strategien NCD und Sucht sowie psychische Gesundheit (inkl. Suizidprävention) und porträtiert die Aktivitäten und Angebote des BAG. Zudem ermöglicht sie den Partnern, ihre Angebote darzustellen und den Austausch zu pflegen. Die Plattform steht den Partnern ab Frühling 2021 zur Verfügung.

Noch mehr als in der ersten Halbzeit werden Synergien genutzt – sowohl zwischen den Trägern und wichtigsten Akteuren wie auch zwischen den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit. Weiter ist neu die Demenzprävention in den Massnahmenplänen festgehalten.


Interviews mit ausgewählten Partnern

Zahlreiche Akteure setzen die nationale NCD-Strategie und die nationale Strategie Sucht um. Wir haben bei einigen unter ihnen nachgefragt: Was haben die Strategien bisher gebracht? Was sind die grössten Herausforderungen?

Joos Tarnutzer, Kantonaler Suchtbeauftragter Baselland

Joos Tarnutzer

«Im Kanton Baselland haben wir aufgrund der nationalen Strategie Sucht den substanz- oder problemübergreifende Ansatz in der Prävention, Beratung oder Behandlung gezielt vertieft. Die nationalen Strategien haben zu neuen Konstellationen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Vernetzung und Austausch geführt. So sind neue und interessante Kontakte entstanden, was den professionellen Horizont erweitert hat.»

Emilie Morard Gaspoz, Präventionsbeauftragte Kanton Wallis

Emilie Morard Gaspoz

Die nationale NCD-Strategie diente uns als Basis für mehrere kantonale Programme und Strategien, zum Beispiel für unser Aktionsprogramm zu Ernährung und Bewegung oder für unsere Diabetes-Strategie. Der Austausch mit anderen Kantonen hat uns geholfen, Synergien mit anderen Kantonen zu schaffen, unsere Aktivitäten zu optimieren und gemeinsame Projekte in die Wege zu leiten.

Alfred Künzler, Leiter Koordinationsstelle Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz

Alfred Künzler

«Psychische und körperliche Gesundheit sind enger verwoben als wir häufig glauben. Darum bin ich froh, dass sowohl bei der NCD- als auch bei der Strategie Sucht die psychische Perspektive explizit mitbedacht wird. Im Bereich der psychischen Gesundheit arbeiten wir seit längerem nach dem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit. Es freut mich, dass dieser Ansatz auch in den Strategien beachtet wird.»

Corina Wirth, Geschäftsführerin Public Health Schweiz

Corina Wirth

«Patientinnen und Patienten, die an nichtübertragbaren Krankheiten wie Adipositas oder Gefässvorerkrankungen oder an Suchterkrankungen leiden, müssen bei einer Covid-19-Erkrankung mit einem besonders schweren Verlauf rechnen. NCD-Prävention ist also auch Corona-Prävention. Nie hat sich gesunde Ernährung, Sport und Nichtrauchen mehr gelohnt als jetzt!»

Jean-Félix Savary, Generalsekretär von Groupement romand d'études des addictions

Jean-Félix Savary

«Bei Sucht geht es auch um Sicherheit, Menschenrechte, Sozialpolitik, Bildung und Städtepolitik. Es ist die richtige Handhabung dieser Schnittstellen, welche die Suchtpolitik im Geiste des demokratischen Dialogs und der Achtung der Menschenrechte vorantreibt.»

Carlos Quinto, Mitglied des Zentralvorstandes der FMH

Carlos Quinto

«Wir alle werden in den nächsten Jahren in der Prävention nichtübertragbarer chronischer Erkrankungen gefordert sein. Die NCD-Strategie und deren Massnahmen bieten einen Anknüpfungspunkt für diverse Aktivitäten. Das Departement Public Health und Gesundheitsberufe der FMH war und ist weiterhin bestrebt, die Sicht der Ärzteschaft im Umsetzungsprozess aktiv einzubringen. Gefragt sind langfristig angelegte Massnahmen mit Praxisbezug und ein interprofessioneller Ansatz.»

Fabienne Plancherel, Beauftragte für Prävention und Gesundheitsförderung des Kantons Freiburg

Fabienne Plancherel

Mit der nationalen NCD-Strategie wurden uns die nötigen strategischen Grundlagen bereitgestellt, um unsere kantonale Strategie zur Gesundheitsförderung und Prävention in ein sektorübergreifendes Konzept einzubetten, das auf die Schaffung von gesundheitsförderlichen Umgebungen ausgerichtet ist.

Letzte Änderung 26.11.2020

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