«Kreativität und gelebte Kooperation in der Krise» – Newsletter Sucht Nr. 10 – Juni 2020

Newsletter Nationale Strategie Sucht

Liebe Leserin, lieber Leser

Die vergangenen Wochen werden uns allen noch lange in Erinnerung bleiben. Es hiess für uns alle, sich in einem veränderten Alltag neu zu orientieren. Was verknüpfen Sie ganz persönlich mit dem Schlagwort «COVID-19»?

Für Betroffene von Abhängigkeit war die spezielle Situation eine besondere Herausforderung. Strukturen und Angebote, die bislang in der Bewältigung des Alltags Unterstützung boten, waren plötzlich nur noch bedingt nutzbar und der öffentliche Raum war eingeschränkt. Andere waren mit Homeoffice, Homeschooling und dem Wegfall sozialer Kontakte konfrontiert – der Konsum von Alkohol, Zigaretten oder anderen Substanzen als Bewältigung dieser ungewohnten und beängstigenden Situation lag vielleicht nahe.

Es gab auch Positives: Der Zusammenhalt und die Unterstützung in Familien und Nachbarschaften wurde im Alltag erlebbar. Das Engagement, das in der Zeit von Fachstellen und Institutionen im Suchtbereich an den Tag gelegt wurde, beeindruckt mich sehr. Diese gelebte Kooperation sowie das kreative und proaktive Handeln der Akteure machen mich zuversichtlich, dass wir mit unserer Strategie – trotz oder gerade auch wegen der Krise – auf Kurs bleiben.

Auch für mich persönlich war die Zeit des Rückzugs in die eigenen vier Wände eine Zeit der Neuorientierung. Mit diesem Newsletter verabschiede ich mich als Leiterin der Nationalen Strategie Sucht und vom BAG. Ich werde ab September bei der Krebsliga Schweiz die Leitung des Bereichs «Vorsorge, Betreuung und Nachsorge» übernehmen und Einsitz in der Geschäftsleitung nehmen. Es freut mich sehr, viele der guten Kontakte im Gesundheits- und Sozialbereich auch künftig pflegen zu können.

Von Herzen Danke, alles Gute und Auf Wiedersehen!

Mirjam Weber

 

Mirjam Weber, stellvertretende Leiterin Sektion Präventionsstrategien,
Leiterin Sucht-Strategie

Themenübersicht

SafeZone.ch - Sichere Onlineberatung in der Krise

Aufgrund der Corona-Krise mussten die Suchtfachstellen ihre Angebote anpassen. Zum Schutze aller Beteiligten führen sie vermehrt Beratungen am Telefon oder online durch. SafeZone.ch unterstützte sie mit auf ihre Institution zugeschnittenen Unterseiten, damit sie ihren Klienten und Klientinnen online sicher beraten konnten. Dieses neue Beratungsangebot bleibt Bestandteil von SafeZone.ch, das sonst anonyme Onlineberatung für Betroffene und Angehörige anbietet.

www.safezone.ch

Massnahmen

Juni 2020 – Suchtpolitik ist ein dynamisches Feld, das sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss, etwa veränderten Verhaltensmustern und Konsumtrends.

Die nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick über den Umsetzungsstand der Massnahmen der jeweiligen Handlungsfelder respektive Massnahmenbereiche.

Mediennutzung: Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern

Ist mein Kind zu oft online? Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Auch wenn die meisten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Umgang mit digitalen Medien im Griff haben, häufen sich die Anfragen von Eltern bei den Beratungs- und Präventionsstellen. GREA hat nun ein Modell entwickelt, das Fachleute bei solchen Anfragen unterstützt, beispielsweise mit einem Leitfaden zur Beurteilung von problematischer Mediennutzung.

Zum «Modell»

Umgang mit Sucht im Pflegealltag

Die Pflege von älteren Menschen mit einer Abhängigkeit oder einer Suchtgefährdung ist herausfordernd. Die Empfehlungen vom Fachverband Sucht, dem Pflegeverband SBK und Infodrog sollen Fachpersonen und Organisationen dabei unterstützen. Erfahrungen aus der Pflegepraxis zeigen: Eine klare Haltung zum Konsum von Suchtmitteln, geregelte Abläufe und die Zusammenarbeit mit der Suchthilfe entschärfen kritische Situationen vor einer möglichen Eskalation.

Empfehlungen zum Umgang mit Sucht im Pflegealltag

Jahresberichte 2019 der Strategien Sucht und NCD

Wie haben Bund, Kantone, Gesundheitsförderung Schweiz und weitere Partner die Strategie Sucht und die NCD-Strategie umgesetzt? Erfahren Sie es in unseren Jahresberichten:

Jahresbericht Sucht

Jahresbericht NCD

Informationen zu gefährlichen Substanzen

Seit Anfang Jahr sind auf dem Schwarzmarkt Cannabisprodukte im Umlauf, die mit synthetischen Cannabinoiden behandelt wurden. Diese Produkte sind für Konsumierende sehr gefährlich. Um Konsumierende zu sensibilisieren, haben die Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich ein Faktenblatt erarbeitet. Aktuelle Warnungen zu Substanzen werden stets auf der Seite von Infodrog veröffentlicht.

Zum Factsheet synthetische Cannabioide

Substanzwarnungen von Infodrog

Aus der Praxis

Juni 2020


MeinTeenager.ch

Eltern spielen eine wichtige Rolle für die Suchtprävention. Sucht Schweiz und Carrefour Addiction bieten ihnen nun eine Plattform, die sie unterstützt. Eltern finden auf der Plattform Informationen und Erklärvideos zu Mediennutzung, Substanzen und zum Umgang mit Teenagern.

www.meinteenager.ch

 

Mama trinkt - Papa trinkt

Kinder und Jugendliche leiden, wenn ihre Eltern ein Alkoholproblem haben. Die Website von Sucht Schweiz wendet sich direkt an die Kinder und bietet Hilfe. Die Inhalte wurden neu aufgearbeitet und mit Videos ergänzt, in welchen Betroffene erzählen.

www.mamatrinkt.ch

www.papatrinkt.ch

Machen Sie Ihr Projekt bekannt!

Haben oder kennen Sie innovative Projekte aus der Praxis im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder und Jugendliche? Gerne stellen wir diese in einem der nächsten Newsletter vor.

Mail an praeventionsstrategien@bag.admin.ch

Neues aus der Politik

Juni 2020


Schweizer Fachverband für Suchtpsychologie

Ineke Keizer

Im Januar 2020 haben in Bern 27 Personen den Fachverband für Suchtpsychologie mit dem Namen Addiction Psychology Switzerland (APS) gegründet. Die Verbandpräsidentin Ineke Keizer verrät im Interview, welchen Zweck der Verband hat und welche Vorteile er für andere Fachpersonen aus dem Suchtbereich bringt.

Zu welchem Zweck wurde die Vereinigung gegründet?

Die Vereinigung entstand aufgrund einer paradoxen Erkenntnis: Obwohl es zahlreiche Gesundheitseinrichtungen oder -dienste gibt, die auf die Behandlung von Suchtproblemen spezialisiert sind, gibt es keinen Berufstitel der Psychologinnen und Psychologen, die in diesem Bereich tätig sind. Es gibt keinen ergänzenden Titel, der eine vertiefte Fachausbildung in Suchtpsychologie bescheinigt. Die Psychologinnen und Psychologen folgen daher relativ unterschiedlichen Ausbildungswegen. Eine Gruppe von Psychologinnen und Psychologen mit Erfahrung im Suchtbereich hat sich mit dieser Situation befasst. Das führte im Januar 2020 zur Gründung der Schweizerischen Vereinigung Suchtpsychologie (Addiction Psychology Switzerland, APS).


Was ist das Hauptziel der Vereinigung?

Die APS ist die nationale Berufsvereinigung von Psychologinnen und Psychologen, die im Suchtbereich tätig sind, d.h. sowohl von jenen in der klinischen Praxis als auch in der Forschung, Ausbildung und Prävention. Als Berufsvereinigung fördert die APS die Entwicklung der Suchtpsychologie, die Zusammenarbeit mit anderen Stellen auf diesem Gebiet sowie die Schaffung von spezifischen Instrumenten und Methoden für Psychologinnen und Psychologen. Dies soll eine bessere Betreuung von Menschen mit Suchtverhalten ermöglichen. Dabei gehen wir das gesamte breite Spektrum von substanzgebundenen und substanzfreien Abhängigkeiten (Alkohol, Tabak, andere psychoaktive Substanzen, Glücksspiel, Sexualität, psychiatrische Komorbidität) an.

Unser erstes Ziel ist die noch fehlende Akkreditierung eines suchtspezifischen, die Grundausbildung ergänzenden Fachtitels durch die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Suchtpsychologinnen und Suchtpsychologen benötigen eine solide Ausbildung in Suchtheilkunde oder auch Suchtpsychotherapie. Und sie müssen die ethische Charta des Berufsstandes einhalten. Eines der Ziele ist daher sicherzustellen, dass interessierte Psychologinnen und Psychologen Zugang zu praxisorientierten, evidenzbasierten Schulungen erhalten, die auch neuere Formen der Sucht einschliessen.

Zudem will die APS den Austausch zwischen Fachleuten fördern, die in verschiedenen Regionen tätig sind. Dies soll die Reflexion im klinischen und wissenschaftlichen Bereich anregen und die Inputs der Psychologinnen und Psychologen zur Geltung zu bringen.


Was ist die grösste Herausforderung für Sie als Suchtpsychologin?

Psychologinnen und Psychologen sind Fachpersonen für die menschliche Psyche. Wir verfügen über das nötige Wissen und Know-how, um die emotionale, kognitive und psychosoziale Entwicklung eines Menschen zu erfassen und dadurch sein Verhalten zu verstehen. Auf Sucht spezialisierte Psychologinnen und Psychologen nutzen dieses Wissen in Kombination mit spezifischen, ergänzenden Erkenntnissen. Damit wollen sie suchtkranke Menschen motivieren und unterstützen, auf gesundheitsschädliches Verhalten zu verzichten. Die Chronizität der Störungen ist eine grosse Herausforderung für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Therapeutinnen und Therapeuten.

Die Grenzlinie zwischen risikoarmen und risikoreichen Verhaltensweisen ist manchmal schwer zu erkennen und kann unterschiedlich gezogen werden. Die gesellschaftlichen Vorstellungen, die von Einzelnen und ihrem Umfeld, aber auch aufgrund kommerzieller Interessen vermittelt werden, erschweren die Lesbarkeit von Suchtphänomenen. Es ist eine grosse Herausforderung für Psychologinnen und Psychologen, sich in dieser Grauzone zurechtzufinden und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die im Suchtbereich wirkenden psychologischen und physiologischen Mechanismen zu verbreiten.


Können Fachpersonen, die mit suchtkranken Menschen arbeiten, die Vereinigung kontaktieren?

Wir ermutigen jede Fachperson, mit uns Kontakt aufzunehmen. Die APS ist ein kleiner und noch ganz junger Verband. Das ermöglicht, flexibel auf die Anliegen und Bedürfnisse von Fachleuten oder auch anderen in diesem Bereich tätigen Stellen einzugehen. Im Rahmen der strukturellen Möglichkeiten der Vereinigung beantworten wir Fragen mit dem Fachwissen der Vorstandsmitglieder, die ein vielfältiges, erfahrenes und in Fachkreisen gut integriertes Gremium bilden.

Unsere Website befindet sich noch im Aufbau, aber es ist bereits jetzt möglich, über diesen Weg mit uns Kontakt aufzunehmen. Sie können mich unter der Nummer 022 305 47 62 (Französisch) oder den Sekretär Martin Sieber unter der Nummer 044 391 31 53 (Deutsch) telefonisch kontaktieren.

Nationalrat befürwortet Experimentierartikel für Cannabis-Pilotversuche 

Letzte Woche hat der Nationalrat die Revision des Betäubungsmittelgesetzes beraten und angenommen. Damit will er eine gesetzliche Grundlage schaffen, die den Cannabisverkauf an ausgewählte Personen ermöglicht. Ziel ist, zu untersuchen, wie sich ein kontrollierter Zugang zu Cannabis auf den Konsum, das Kaufverhalten und die Gesundheit der Teilnehmer auswirkt. Er schickt das Geschäft nun in den Ständerat.

Verlauf der Debatte

Wissen

Juni 2020 – In dieser Rubrik weisen wir auf relevante Studien oder anderes Wissenswertes hin.

Neues Faktenblatt zu Kaufsucht

Fast fünf Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind pathologisch kaufsüchtig. Erstmals liegen in der Schweiz Zahlen zu Online-Kaufsucht und Kaufsucht in physischen Läden vor: Dabei zeigt sich, dass Kaufsucht in physischen Länden verbreiteter ist. Die Studie zeigt, dass Personen mit tieferer Bildung unter den Kaufsüchtigen übervertreten sind.

Zum Faktenblatt

Zur Studie

Internationale Schülerstudie HBSC

Die kürzlich publizierten Ergebnisse der internationalen Schülerinnen- und Schülerbefragung HBSC geben Einblick ins aktuelle Gesundheitsverhalten von Schülerinnen und Schülern in über 40 Ländern. Der Ländervergleich zeigt: 15-Jährige in der Schweiz befinden sich beim Rauchen und Alkoholkonsum im Mittelfeld, während sie beim Cannabiskonsum einen vorderen Platz einnehmen.

Zum internationalen Bericht

Agenda / Veranstaltungen

Juni 2020 – Veranstaltungen aus den Bereichen Sucht, NCD und psychische Gesundheit – tragen Sie sich die Daten in Ihrer Agenda ein!

 

Stakeholderkonferenz Sucht 2020 und Netzwerktagung Psychische Gesundheit Schweiz

Gemeinsam mit dem Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz organisiert das BAG am 17. September 2020 die Stakeholderkonferenz Sucht. Der Anlass widmet sich dem Thema «Kinder und Jugendliche stärken!». Aufgrund der aktuellen Situation ist es möglich, dass der Termin verschoben werden muss.

6. Stakeholderkonferenz Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD)

Aufgrund von COVID-19 haben wir die NCD-Stakeholderkonferenz vom 23. Juni zum Thema "Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: eine Selbstverständlichkeit? " um ein Jahr verschoben. Die Konferenz findet am Donnerstag, 27. Mai 2021 im Stade de Suisse, Bern statt.

 

Kantonale Austauschtreffen NCD und Sucht (KAD und RIL)

Aufgrund von COVID-19 haben wir die kantonalen Austauschtreffen auf das Jahr 2021 verschoben.

Kantonales Austauschtreffen Deutschschweiz (KAD): 9. März 2021 in Zürich: «STETS ONLINE. UND ERREICHBAR?! Digitalisierte Gesundheitsförderung und Prävention bei Kindern und Jugendlichen ausserhalb der Schule»

Rencontre Intercantonale Latine (RIL): 15. März 2021 in Lausanne: « Ecrans : où mettre le curseur ? »

 

 

Letzte Änderung 14.08.2020

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 463 88 24
E-Mail

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