Aus der Politik

Neues aus der Politik

Juni 2020


Schweizer Fachverband für Suchtpsychologie

Ineke Keizer

Im Januar 2020 haben in Bern 27 Personen den Fachverband für Suchtpsychologie mit dem Namen Addiction Psychology Switzerland (APS) gegründet. Die Verbandpräsidentin Ineke Keizer verrät im Interview, welchen Zweck der Verband hat und welche Vorteile er für andere Fachpersonen aus dem Suchtbereich bringt.

Zu welchem Zweck wurde die Vereinigung gegründet?

Die Vereinigung entstand aufgrund einer paradoxen Erkenntnis: Obwohl es zahlreiche Gesundheitseinrichtungen oder -dienste gibt, die auf die Behandlung von Suchtproblemen spezialisiert sind, gibt es keinen Berufstitel der Psychologinnen und Psychologen, die in diesem Bereich tätig sind. Es gibt keinen ergänzenden Titel, der eine vertiefte Fachausbildung in Suchtpsychologie bescheinigt. Die Psychologinnen und Psychologen folgen daher relativ unterschiedlichen Ausbildungswegen. Eine Gruppe von Psychologinnen und Psychologen mit Erfahrung im Suchtbereich hat sich mit dieser Situation befasst. Das führte im Januar 2020 zur Gründung der Schweizerischen Vereinigung Suchtpsychologie (Addiction Psychology Switzerland, APS).


Was ist das Hauptziel der Vereinigung?

Die APS ist die nationale Berufsvereinigung von Psychologinnen und Psychologen, die im Suchtbereich tätig sind, d.h. sowohl von jenen in der klinischen Praxis als auch in der Forschung, Ausbildung und Prävention. Als Berufsvereinigung fördert die APS die Entwicklung der Suchtpsychologie, die Zusammenarbeit mit anderen Stellen auf diesem Gebiet sowie die Schaffung von spezifischen Instrumenten und Methoden für Psychologinnen und Psychologen. Dies soll eine bessere Betreuung von Menschen mit Suchtverhalten ermöglichen. Dabei gehen wir das gesamte breite Spektrum von substanzgebundenen und substanzfreien Abhängigkeiten (Alkohol, Tabak, andere psychoaktive Substanzen, Glücksspiel, Sexualität, psychiatrische Komorbidität) an.

Unser erstes Ziel ist die noch fehlende Akkreditierung eines suchtspezifischen, die Grundausbildung ergänzenden Fachtitels durch die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Suchtpsychologinnen und Suchtpsychologen benötigen eine solide Ausbildung in Suchtheilkunde oder auch Suchtpsychotherapie. Und sie müssen die ethische Charta des Berufsstandes einhalten. Eines der Ziele ist daher sicherzustellen, dass interessierte Psychologinnen und Psychologen Zugang zu praxisorientierten, evidenzbasierten Schulungen erhalten, die auch neuere Formen der Sucht einschliessen.

Zudem will die APS den Austausch zwischen Fachleuten fördern, die in verschiedenen Regionen tätig sind. Dies soll die Reflexion im klinischen und wissenschaftlichen Bereich anregen und die Inputs der Psychologinnen und Psychologen zur Geltung zu bringen.


Was ist die grösste Herausforderung für Sie als Suchtpsychologin?

Psychologinnen und Psychologen sind Fachpersonen für die menschliche Psyche. Wir verfügen über das nötige Wissen und Know-how, um die emotionale, kognitive und psychosoziale Entwicklung eines Menschen zu erfassen und dadurch sein Verhalten zu verstehen. Auf Sucht spezialisierte Psychologinnen und Psychologen nutzen dieses Wissen in Kombination mit spezifischen, ergänzenden Erkenntnissen. Damit wollen sie suchtkranke Menschen motivieren und unterstützen, auf gesundheitsschädliches Verhalten zu verzichten. Die Chronizität der Störungen ist eine grosse Herausforderung für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Therapeutinnen und Therapeuten.

Die Grenzlinie zwischen risikoarmen und risikoreichen Verhaltensweisen ist manchmal schwer zu erkennen und kann unterschiedlich gezogen werden. Die gesellschaftlichen Vorstellungen, die von Einzelnen und ihrem Umfeld, aber auch aufgrund kommerzieller Interessen vermittelt werden, erschweren die Lesbarkeit von Suchtphänomenen. Es ist eine grosse Herausforderung für Psychologinnen und Psychologen, sich in dieser Grauzone zurechtzufinden und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die im Suchtbereich wirkenden psychologischen und physiologischen Mechanismen zu verbreiten.


Können Fachpersonen, die mit suchtkranken Menschen arbeiten, die Vereinigung kontaktieren?

Wir ermutigen jede Fachperson, mit uns Kontakt aufzunehmen. Die APS ist ein kleiner und noch ganz junger Verband. Das ermöglicht, flexibel auf die Anliegen und Bedürfnisse von Fachleuten oder auch anderen in diesem Bereich tätigen Stellen einzugehen. Im Rahmen der strukturellen Möglichkeiten der Vereinigung beantworten wir Fragen mit dem Fachwissen der Vorstandsmitglieder, die ein vielfältiges, erfahrenes und in Fachkreisen gut integriertes Gremium bilden.

Unsere Website befindet sich noch im Aufbau, aber es ist bereits jetzt möglich, über diesen Weg mit uns Kontakt aufzunehmen. Sie können mich unter der Nummer 022 305 47 62 (Französisch) oder den Sekretär Martin Sieber unter der Nummer 044 391 31 53 (Deutsch) telefonisch kontaktieren.


Nationalrat befürwortet Experimentierartikel für Cannabis-Pilotversuche 

Letzte Woche hat der Nationalrat die Revision des Betäubungsmittelgesetzes beraten und angenommen. Damit will er eine gesetzliche Grundlage schaffen, die den Cannabisverkauf an ausgewählte Personen ermöglicht. Ziel ist, zu untersuchen, wie sich ein kontrollierter Zugang zu Cannabis auf den Konsum, das Kaufverhalten und die Gesundheit der Teilnehmer auswirkt. Er schickt das Geschäft nun in den Ständerat.

Verlauf der Debatte

Letzte Änderung 09.06.2020

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