Migrationssensitive Palliative Care

Zwei Checklisten für migrationssensitive Palliative Care unterstützen Fachpersonen dabei, migrationsspezifische Aspekte bei der Behandlung und Betreuung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen in palliativen Situationen zu erfragen.

Die Checklisten für eine migrationssensitive Palliative Care wurden im Auftrag des BAG erarbeitet. Die Checklisten integrieren behandlungs-, pflege- und beratungsrelevante Fragen und ergänzen bestehende Assessment-Instrumente um migrationsspezifische Bereiche. Die Fragestellungen richten sich explizit nicht nach bestimmten nationalen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeiten. Ziel ist es, die individuelle Situation und die daraus entstehenden Bedürfnisse der Patientinnen, Patienten und ihrer Angehörigen im Migrationskontext zu erfragen. Die Fragen umfassen die vier Bereiche «Symptome und Beschwerden», «Entscheidungsfindung», «Netzwerkorganisation» und «Support der Angehörigen».

Besondere Bedürfnisse

Beim Symptommanagement ist zum Beispiel wichtig, dass spezifische Pflegewünsche und -praktiken sowie die religiösen und spirituellen Bedürfnisse der kranken Person und ihrer Angehörigen konkret erhoben werden. Bei der Entscheidungsfindung ist zu berücksichtigen, dass schwierige Entscheidungen im Migrationskontext – abhängig vom Herkunftsland – meistens kollektiv innerhalb der Familie getroffen werden. Oft wünschen die Angehörigen, dass die betroffene Person zu ihrem Schutz eine letale Diagnose und Prognose nicht oder nur indirekt erfährt. Auf den Checklisten sind entsprechende Fragen enthalten, die die subjektiven Bedürfnisse von Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen zu erheben helfen.

Das Netzwerk stärken

In Bezug auf das Netzwerk muss im Migrationskontext die Situation der Angehörigen besonders beachtet werden. Diese können aufgrund migrationsspezifischer Faktoren, wie z.B. dem Informationsmangel über unterstützende Angebote und eingeschränkten sozio-ökonomischen Ressourcen, oft sehr belastet sein.

Bräuche integrieren

Beim Support gilt es grundsätzlich, die Bräuche der kollektiven Anteilnahme, Rituale und Expressivität im Alltag des Spitals oder des Pflegeheims so gut wie möglich zu integrieren. Dazu ist es wichtig, dass über die Bedürfnisse der Angehörigen und die strukturellen Möglichkeiten der Institution gesprochen wird. Im Migrationskontext begleiten oft grössere Gruppen von Angehörigen das sterbende Familienmitglied. Es ist wichtig, die diesbezüglichen Bedürfnisse der Patientin, des Patienten und der Angehörigen rechtzeitig zu klären.

Die Checklisten stützen sich auf die Ergebnisse der Studie «Migrationssensitive Palliative Care – Bedarf und Bedürfnisse der Migrationsbevölkerung in der Schweiz» (Salis Gross et al., 2014, vgl. Links), die im Auftrag des BAG durchgeführt wurde.

Letzte Änderung 30.08.2018

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