Sachgemässer Antibiotikaeinsatz beim Mensch

Die Vorgaben zum sachgemässen Einsatz von Antibiotika werden dem aktuellen Wissensstand entsprechend definiert.

Strategie Antibiotikaresistenz: Mensch

Einheitlicher Umgang mit Antibiotika in der ganzen Schweiz


So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und zwar in der ganzen Schweiz. Nationale Richtlinien vereinheitlichen die Verschreibung von Antibiotika.


Mit der Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit hat die Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie (SSI) unter https://ssi.guidelines.ch/ Verschreibungsrichtlinien veröffentlicht, um den sachgemässen Antibiotikagebrauch zu fördern. Nun stehen den Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern sowie den Fachärztinnen und Fachärzten zehn Richtlinien zur Behandlung folgender Infektionen zur Verfügung:

·      Borreliose, Lyme-Krankheit
·      Chlamydien (C. trachomatis) / Lymphogranuloma venereum
·      Divertikulitis
·      Gonorrhoe (N. gonorrhoea)
·      Infektionen der Harnwege
·      Meningitis
·      Akute Mittelohrentzündung
·      Rachenentzündung
·      Akute bakterielle Nebenhöhlenentzündung
·      Syphilis

Die Fachgesellschaften wirkten aktiv bei der Ausarbeitung dieser Richtlinien mit, und berücksichtigen dabei internationalen Richtlinien und die Entwicklung der Resistenzlage in der Schweiz.

Einschränkung der Antibiotikaabgabe


Kriterien für die Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Antibiotika werden erarbeitet und regelmässig aktualisiert. Die Kriterien betreffen insbesondere neu auf dem Markt erscheinende Antibiotika und Reserveantibiotika, deren Anwendung stark eingeschränkt ist.   


«Kritische» Antibiotika (kürzlich auf den Markt gebrachte Produkte und Reserveantibiotika) sollen denjenigen Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen, für die es keine andere Therapiemöglichkeit gibt. Durch diesen restriktiven und kontrollierten Umgang mit den betroffenen Medikamenten soll die Antibiotikaresistenzbildung eingedämmt werden.  

Mit der Erarbeitung nationaler Richtlinien zur rationellen Verwendung von Antibiotika (Stewardship) wird den Spitälern zukünftig eine Grundlage zur Verfügung stehen, um spitalintern ein System zur Überwachung und Optimierung des Antibiotikagebrauchs zu etablieren. Bestimmungen für die Einschränkung von Reserveantibiotika sind Bestandteil dieser Programme, und werden auch schon heute von einigen Spitälern angewandt.

Überdurchschnittlicher Antibiotikaeinsatz


Zusätzliche Massnahmen zur Senkung eines überdurchschnittlich hohen Antibiotikakonsums sollen dann zum Einsatz kommen, wenn die anderen Massnahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen nicht genug greifen.


Das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen (anresis.ch) überwacht auch den Antibiotikaeinsatz. Der Verbrauch in den Spitälern wird seit 2006 mittels eines Sentinella-Netzwerks von Spitalapotheken verfolgt: 67 Spitäler (oder Spitalnetzwerke), die 56% der Akutpflegeeinrichtungen (ohne psychiatrische Kliniken und Rehabilitationszentren) ausmachen, liefern ihre Daten auf freiwilliger Basis. Die beteiligten Einrichtungen erhalten jedes Jahr einen Benchmarking-Bericht, mit dem sie ihre Ergebnisse im Vergleich mit anderen Institutionen ähnlicher Grösse einschätzen können.

Die Veröffentlichung nationaler modularer Richtlinien für die rationelle Verwendung von Antibiotika (Stewardship) sollte eine Verbesserung dieser Situation ermöglichen und gleichzeitig die erwünschte Flexibilität zur Berücksichtigung der lokalen Strukturen und Ressourcen bieten. Swissnoso übernimmt die Erarbeitung dieser Richtlinien.  

Weiterführende Themen

Antibiotikaresistenzen

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Letzte Änderung 14.01.2019

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