Schwule Gesundheit und MSM

MSM sind die am stärksten von HIV und Syphilis betroffene Bevölkerungsgruppe in der Schweiz. Knapp 50 Prozent der HIV-Diagnosen und 60 Prozent der Syphilis-Diagnosen betreffen MSM. Eine nationale Bekämpfungsstrategie wurde 2012 gestartet.

Schätzungen zur Anzahl und regionalen Verteilung von MSM in der Schweiz

Wissenschaftler des BAG haben gemeinsam mit der London School of Hygiene and Tropical Medicine Schätzungen hinsichtlich der Anzahl von in der Schweiz lebenden Männern, die Sex mit Männern haben, durchgeführt. Damit liegen erstmalig auch Schätzer zur HIV-Prävalenz bei MSM in der Schweiz vor. Lesen Sie mehr dazu in folgender Studie:

Vom HIV zur schwulen Gesundheit

Das BAG hat zusammen mit Partnerorganisationen aus der Praxis, der Aids-Hilfe Schweiz und den Checkpoint-Zentren für schwule Gesundheit eine nationale Strategie mit dem Namen Urgent Action Plan entwickelt. Die seit 2012 umgesetzte Strategie wurde kürzlich aktualisiert. Der neue Urgent Action Plan wurde 2018 veröffentlicht (Siehe Dokument unten: Wir beschützen dich! Sexuelle Gesundheit für Männer, die Sex mit Männern haben).

Eine Strategie mit drei Handlungsfeldern

Der Urgent Action Plan umfasst drei Handlungsfelder mit unterschiedlichen Zielsetzungen:

 Handlungsfeld I:

  • Aufklärung der MSM über die Problematik der Primoinfektion und Hilfestellung bei der Erkennung der entsprechenden Symptome.
  • Verminderung der Viruslast der Community durch Stoppen der HIV-Primoinfektionskette und Senkung des HIV- und sonstigen STI-Risikos in der MSM-Szene.

Handlungsfeld II:

  • Reduktion der Zeitspanne zwischen Infektion und Diagnose auf unter 12 Monate.

Handlungsfeld III:

  • Vermeidung einer Übertragung nach der Diagnose.

Die Strategie in der Praxis

Bisher wird der Urgent Action Plan über die jährlichen Kampagnen Break the Chains, STOP SYPHILIS und #undetectable umgesetzt.

Mit Break the Chains werden MSM aufgefordert, 30 Tage lang (im April) bis zum HIV-Test im Mai kein Risiko einzugehen. Ziel ist, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, die sich ihrer Infektion (noch) nicht bewusst sind, und so die Gay- und MSM-Szene sicherer zu machen.

STOP SYPHILIS bietet kostenlose Beratungs- und Testmöglichkeiten. Bei der Gelegenheit können MSM zudem abwägen, ob sie sich auch auf HIV, Chlamydien, Gonorrhoe und Hepatitis C testen lassen sollten.

Die Kampagne #undetectable klärt MSM darüber auf, dass HIV-Positive unter Therapie und ohne nachweisbare Viruslast HIV nicht
übertragen können. Damit soll gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV-Positiven unter MSM angegangen werden.

Für eine bessere sexuelle Gesundheit bei Schwulen in der Schweiz

Risikoverhalten und die Infektion mit HIV oder einer anderen STI sind Symptome im komplexen Bereich der globalen Gesundheit, deren soziale Indikatoren auf besonders gefährdete Personenkreise hinweisen. Externe Homophobie (unterschwellig oder durch körperliche bzw. verbale Angriffe) und internalisierte Homonegativität begünstigen neben anderen Gefühlen der Verletzlichkeit einen permanenten Angstzustand, der mit mangelndem Selbstbewusstsein schon im frühesten Alter und einem erhöhten Suizidrisiko bei lesbischen und schwulen Jugendlichen einhergeht.  

Die Herausforderungen auf dem Gebiet der schwulen Gesundheit gehen über die HIV- bzw. STI-Prävention hinaus. HIV-/STI-Prävention ist ein Bestandteil der globalen Gesundheitsförderung bei homosexuellen Menschen. Sie begleitet und stützt grundsätzlich einen breiteren psychosozialen Ansatz zur Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung von Homosexuellen.

Weiterführende Themen

Beratungs- und Teststellen zu HIV und anderen STI

Machen Sie den Risiko-Check und finden Sie eine geeignete HIV/STI-Beratungs- und Teststelle.

Gesetzgebung Übertragbare Krankheiten – Epidemiengesetz (EpG)

Das Epidemiengesetz soll gewährleisten, dass übertragbare Krankheiten frühzeitig erkannt, überwacht, verhütet und bekämpft werden und trägt dazu bei, Krankheitsausbrüche mit grossem Gefährdungspotenzial besser zu bewältigen.

Letzte Änderung 09.07.2019

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Kontakt

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Sektion Prävention & Promotion
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