Poliomyelitis / Kinderlähmung

Die Poliomyelitis ist noch nicht weltweit ausgerottet, obwohl man diesem Ziel nahe ist. Deshalb muss auch in Polio-freien Ländern weiterhin dagegen geimpft werden. Je nach Reiseziel ist eine Auffrischimpfung auch nach dem Kindesalter nötig.

Erreger und Übertragung

Poliomyelitis wird durch Polio-Viren ausgelöst. Von den drei Typen kommt Typ 2 heute kaum mehr vor. Ebenfalls gibt es Polio-Erkrankungen durch zirkulierende Abkömmlinge von Poliovirus-Impfstämmen. Heute sind von Polio praktisch nur noch Kinder unter 3 Jahren betroffen.

Zu Beginn der Infektion wird das Virus während rund einer Woche im Nasen-Rachen-Sekret ausgeschieden. Anschliessend erfolgt die Virusausscheidung im Stuhl während weiteren drei bis sechs Wochen. Damit werden die Polio-Viren meist über Schmierinfektionen durch schmutzige Hände oder kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragen, allenfalls auch durch Tröpfcheninfektion aus dem Rachenraum. Zum Zeitpunkt der Diagnose einer Poliomyelitis sind fast alle der in engem Kontakt mit einem Patienten lebenden ungeimpften Personen bereits selber infiziert.

Krankheitsbild

Bei 90 % der infizierten Personen verläuft eine Polio-Virus-Infektion ohne Symptome. Erkrankungen äussern sich meist mit Grippe-artigen oder Magen-Darm Beschwerden. Weniger als 1 % der Infizierten entwickeln das klassische Bild der Kinderlähmung mit schlaffen Lähmungen (meist einseitig, Beine öfter als Arme). Seltener kommt es zu einer Atemlähmung. Der Verlauf der schlaffen Lähmung reicht von vollständiger Rückbildung bis zum einem lebenslangen Weiterbestehen. Es gibt keine antivirale, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung. Noch nach Jahrzehnten kann ein Post-Poliomyelitis-Syndrom mit Muskelschwäche und Schmerzen auftreten.

Mit der heutigen Seltenheit der Krankheit steigt im Einzelfall die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Krankheitsbild durch andere Erreger, Toxine oder andere Ursachen (immunologische, genetische) verursacht wird. Dies ist für die epidemiologische Überwachung der Polio wichtig: Das Auftreten von schlaffen Lähmungen gilt als Indikator für ein funktionierendes Meldesystem.

Verbreitung und Häufigkeit

1988 beschloss die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Kinderlähmung weltweit auszurotten. Heute gelten drei WHO-Regionen als frei von Polio-wildviren: Amerika, Westpazifik und Europa (seit 2002). Im Jahr 2007 hatten noch Afghanistan, Pakistan, Indien und Nigeria endemische Polio. Bis 2012 stoppte auch Indien die einheimische Übertragung von wilden Polioviren. Die Poliofälle aufgrund wilder Polioviren nahmen in den Jahren 2013 und 2014 vorübergehend wieder zu. Mutierte Abkömmlinge der Impfstämme haben seit dem Jahr 2000 mehrere hundert Erkrankungen ausgelöst. Diese Viren zirkulieren vor allem in Regionen mit tiefer Routine-Durchimpfung.

Der letzte, von einem wilden Virus verursachte Fall von Kinderlähmung in der Schweiz ereignete sich im Jahr 1982.

Vorbeugung

Eine Impfung ist die einzige Möglichkeit, sich vor dieser Krankheit zu schützen. Da fortwährend das Risiko besteht, dass das Polio-Virus wieder in Polio-freie Zonen eingeschleppt wird, ist es wichtig, dass alle Säuglinge und ungeimpften Personen durch eine Impfung geschützt werden und dass der Impfschutz durch die nötige Anzahl Wiederholungen sichergestellt wird. Säuglinge sollten drei Impfdosen im ersten Lebensjahr (2, 4, 6 Monate) erhalten, gefolgt von einer Impfung zwischen 15 und 24 Monaten sowie einer letzten Dosis zwischen 4 bis 7 Jahren. Eine Auffrischung kann 10 Jahre nach der letzten Impfung angezeigt sein (bei Aufenthalt in Gebieten mit Poliorisiko).

Weitere Informationen zur weltweiten Verbreitung und Vorbeugung der Krankheit erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin oder einem Facharzt/einer Fachärztin für Reisemedizin (siehe Register «Links»).

Weiterführende Themen

Schweizerischer Impfplan

Die Informationen über die in der Schweiz empfohlenen Impfungen sind im Schweizerischen Impfplan enthalten. Ziel ist ein optimaler Impfschutz jeder Einzelperson und der Bevölkerung insgesamt.

Durchimpfung

Die Kantone führen Erhebungen zur Messung des Anteils geimpfter Personen durch, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Das BAG koordiniert diese Erhebungen und publiziert die Resultate.

Letzte Änderung 03.09.2018

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