Zeckenübertragene Krankheiten – Lagebericht Schweiz

Zeckenübertragene Krankheiten kommen in der Schweiz saisonal gehäuft vor. Zur Vorbeugung sind Informationen zu Verbreitung, Prävention und Behandlung wichtig. Dieser Lagebericht trägt dazu bei, Bevölkerung und Ärzteschaft für das Thema zu sensibilisieren. 

Sensibilisierung durch Berichterstattung

7. Oktober 2021 – Die Saison, in der Zecken besonders aktiv sind, beginnt je nach Witterung im März und endet im November. Von April bis November veröffentlicht das BAG jeweils in der ersten Monatshälfte einen Lagebericht mit den gemeldeten Fallzahlen der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer Hochrechnung der Zahl der ärztlichen Konsultationen wegen Borreliose sowie den gemeldeten Fallzahlen der durch Zecken übertragenen Tularämie. Zudem wird die Anzahl der von Bürgern und Bürgerinnen gemeldeten Zeckenstiche dargestellt.

Mit diesem Bericht möchte das BAG in der Schweizer Bevölkerung das Bewusstsein für durch Zecken übertragene Krankheiten stärken und über aktuelle Entwicklungen informieren. Interessierte Personen können sich über die vom BAG unterstützte mobile Anwendung «Tick» informieren. Zudem erstellt das BAG in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landestopographie, Swisstopo, Karten, die über das regionale Risiko eines Zeckenstiches bzw. einer FSME-Infektion informieren. Letztere wurde am 14. Juni 2021 aktualisiert.

 
 
 

Anzahl Fälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Das BAG überwacht die FSME im obligatorischen Meldesystem für Infektionskrankheiten. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zu Impfstatus und Exposition verfügbar. Die FSME ist seit 1988 meldepflichtig.

Die monatlichen FSME-Fallzahlen verlaufen wellenförmig mit einem Gipfel in der warmen Jahreszeit und verdeutlichen somit die Saisonalität dieser Epidemie. Sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 1). So wurden im Monat September des aktuellen Jahres 18 Fälle verzeichnet.

 
 
 
Abbildung 1: FSME-Fallzahlen pro Monat, 2019–2021
Abbildung 1: FSME-Fallzahlen pro Monat, 2019–2021

Die Summe der Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahrs bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark (Abbildung 2). Seit 2000 wurden im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 48 und 425 Fälle gemeldet. Bis Ende September des laufenden Jahres wurden 261 Fälle registriert (Abbildung 2).

Abbildung 2: FSME-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, 2000–2021 (Stand jeweils Ende September)
Abbildung 2: FSME-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, 2000–2021 (Stand jeweils Ende September)

Anzahl Fälle der Borreliose

Die Borreliose (auch Lyme-Krankheit genannt) ist in der Schweiz nicht meldepflichtig und wird über das sogenannte Sentinella-System erfasst. Die Hochrechnung der Borreliosefälle betrifft nur akute Fälle (Erythema migrans und Borrelien-Lymphozytom). Chronische Formen der Borreliose sind in den Daten dieses Berichts nicht enthalten.

Beim Sentinella-System handelt es sich um ein Netzwerk von Hausärzten, die auf freiwilliger Basis wöchentlich die Anzahl Arztbesuche aufgrund von Borreliose melden. Darauf basierend wird auf die gesamtschweizerische Anzahl hochgerechnet. Zahlen sind seit 2008 verfügbar. Die monatlichen Arztbesuche wegen Borreliose verlaufen wellenförmig mit dem Gipfel in der warmen Jahreszeit und verdeutlichen somit die Saisonalität dieser Infektionskrankheit. Im September wurden 19 Fälle im Sentinella-System registriert. Die Borreliose-Fallzahlen unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose pro Monat, 2019–2021
Abbildung 3: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose pro Monat, 2019–2021

Die Summe der hochgerechneten Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahrs bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark. Seit 2008 wurden im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 5 300 und 16 800 Arztbesuche wegen Borreliose hochgerechnet. Bis Ende August des laufenden Jahres wurden 7 600 Fälle hochgerechnet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose kumuliert ab Jahresbeginn, 2008–2021 (Stand jeweils Ende September)
Abbildung 4: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose kumuliert ab Jahresbeginn, 2008–2021 (Stand jeweils Ende September)

Anzahl Fälle der Tularämie

Die Tularämie untersteht seit 2004 der Meldepflicht. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zur Exposition verfügbar. Von Januar 2019 bis September 2021 wurden bei 45 Prozent der Tularämie-Fälle ein Zecken- und/oder Insektenstich als Übertragungsweg gemeldet. Im gleichen Zeitraum wurde in 33 Prozent der Fälle eine Exposition gegenüber wilden Tieren, einer Quelle mit nicht trinkbarem Wasser oder dem Einatmen von Staub oder Aerosolen in landwirtschaftlicher Umgebung angegeben. In 22 Prozent der Fälle war die Exposition allerdings unbekannt. Diese Auswertung beschränkt sich auf diejenigen Fälle, bei denen ein Zecken- oder Insektenstich die wahrscheinlichste Ursache der Erkrankung ist. Auch sie weisen ansatzweise einen wellenförmigen Verlauf auf und unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 5). So wurde im Monat September des aktuellen Jahres 1 Fall verzeichnet.

 
Abbildung 5: Zecken- respektive Insektenstich-assoziierte Tularämie-Fallzahlen pro Monat, 2019–2021
Abbildung 5: Zecken- respektive Insektenstich-assoziierte Tularämie-Fallzahlen pro Monat, 2019–2021

Die Summe der Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahrs bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark. Seit 2004 wurden im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 0 und 64 Fälle gemeldet. Der Trend über die Jahre ist ansteigend. Bis Ende September des laufenden Jahres wurden 50 Fälle registriert (Abbildung 6).

Abbildung 6: Zecken- respektive Insektenstich-assoziierte Tularämie-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, 2004–2021 (Stand jeweils Ende September)
Abbildung 6: Zecken- respektive Insektenstich-assoziierte Tularämie-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, 2004–2021 (Stand jeweils Ende September)

Anzahl Zeckenstiche

Bis und mit 2020 hat das BAG die Anzahl der Zeckenstiche aus den Daten von Sentinella hochgerechnet. Die Häufigkeit von Zeckenstichen wird seit 2015 zusätzlich über die BAG-bezuschusste App «Zecke» erfasst und seit 2021 für den Zeckenlagebericht verwendet.

Aufgrund der zunehmenden Nutzung der App in der gesamten Schweiz haben wir uns entschlossen, die Quelle der Daten zu ändern. Darüber hinaus liefert die Anwendung genaue geografische Informationen über den Standort von Stichen. Diese Daten werden auch zur Erstellung des Zeckenstichmodells verwendet. Letzteres stellt das Risiko von Zeckenstichen in Abhängigkeit von der geografischen Lage dar.

Zeckenstiche zeigen die gleiche Saisonalität wie alle vorgenannten über Zecken übertragenen Krankheiten (Abbildung 7).

Abbildung 7: Über die App «Zecke» gemeldete Zeckenstiche pro Monat, 2019–2021.
Abbildung 7: Über die App «Zecke» gemeldete Zeckenstiche pro Monat, 2019–2021.

Beurteilung der epidemiologischen Lage

Zusammenfassend stellt sich die aktuelle epidemiologische Situation der zeckenübertragenen Krankheiten im Vergleich zu den Vorjahren wie folgt dar:

  • FSME: nach dem Spitzenjahr von 2020 liegen die diesjährigen Fallzahlen bislang im Rahmen der jährlich beobachteten Schwankungen. In den letzten fünf Jahren hat das BAG eine Zunahme der jährlichen Inzidenz von FSME beobachtet. Diese Situation wird auch in mehreren europäischen Ländern beobachtet, insbesondere in Deutschland. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich vor dieser Krankheit zu schützen, ist die Impfung (siehe Abschnitt unten).
  • Borreliose: auch für die Lyme-Borreliose liegen die diesjährigen Hochrechnungen nach den Spitzenjahren 2018 und 2020 wieder im Rahmen der jährlich beobachteten Schwankungen.
  • Tularämie: nach der tendenziellen Zunahme der letzten Jahre liegt die Zahl der durch einen Zecken- und/oder Insektenstich verursachten Tularämie-Fälle im 2021 im Mittel der letzten drei Jahre.
  • Schliesslich spiegelt die Anzahl der über die App gemeldeten Zeckenstiche die epidemiologische Situation und die Saisonalität von FSME und Borreliose wider und entspricht dem Mittel der Vorjahre.

Aufruf zur Prävention

Sommer und die milden Temperaturen verleiten uns zu Freizeit und Sportaktivitäten im Freien. Das BAG bittet die Bürgerinnen und Bürger, sich zu informieren und auf die Gefahr von Zeckenstichen zu achten.

Die Impfung gegen FSME wird allen Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen (alle Kantone ausser Genf und Tessin). Die Impfung von Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren muss individuell geprüft werden. Weitere Informationen finden Sie in den Empfehlungen zur Impfung gegen FSME.

Weitere Informationen finden Sie in unseren Empfehlungen gegen Zeckenübertragene Krankheiten.

Weiterführende Themen

Zeckenübertragene Krankheiten

Bei den zeckenübertragenen Infektionskrankheiten sind in der Schweiz vor allem Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis von Bedeutung. Es können jedoch auch andere Krankheiten diagnostiziert werden.

FSME

Die FSME ist eine Krankheit, die durch den Stich einer infektiösen Zecke übertragen wird. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen. Die Impfung wird Menschen ab 6 Jahren, die sich in Risikogebieten aufhalten, empfohlen.

Borreliose / Lyme-Krankheit

Borreliose / Lyme-Krankheit – Das Wichtigste in Kürze

Letzte Änderung 06.10.2021

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Übertragbare Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
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