Zeckenübertragene Krankheiten – Lagebericht Schweiz

Zeckenübertragene Krankheiten kommen in der Schweiz saisonal gehäuft vor. Zur Vorbeugung sind Informationen zu Verbreitung, Prävention und Behandlung wichtig. Dieser Lagebericht trägt dazu bei, Bevölkerung und Ärzteschaft für das Thema zu sensibilisieren. 

Sensibilisierung durch Berichterstattung

8. April 2021 – Die Saison, in der Zecken besonders aktiv sind, beginnt je nach Witterung im März und endet im November. Von April bis Oktober veröffentlicht das BAG jeweils in der ersten Monatshälfte einen Lagebericht mit den gemeldeten Fallzahlen der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das BAG veröffentlicht auch eine Hochrechnung der Zahl der ärztlichen Konsultationen wegen Borreliose sowie den gemeldeten Fallzahlen der durch Zecken übertragenen Tularämie.

Darüber hinaus stellt das BAG die Anzahl der von Bürgerinnen und Bürgern gemeldeten Zeckenstiche dar. Mit diesem Bericht möchte das BAG in der Schweizer Bevölkerung das Bewusstsein für durch Zecken übertragene Krankheiten schärfen und über aktuelle Entwicklungen informieren. Interessierte Personen können sich über die vom BAG unterstützte mobile Anwendung «Tick» informieren. Zudem erstellt das BAG in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landestopographie, Swisstopo, Karten, die über das regionale Risiko eines Zeckenstiches bzw. einer FSME-Infektion informieren. Letztere wurde am 10. März 2021 aktualisiert.

 
 
 

Anzahl Fälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Das BAG überwacht die FSME im obligatorischen Meldesystem für Infektionskrankheiten. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zu Impfstatus und Exposition verfügbar. Die FSME ist seit 1988 meldepflichtig.

Die monatlichen FSME-Fallzahlen verlaufen wellenförmig mit einem Gipfel in der warmen Jahreszeit und verdeutlichen somit die Saisonalität dieser Epidemie. Sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 1). Im Monat März des aktuellen Jahres wurden 5 Fälle verzeichnet.

 
 
 
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Abbildung 1: FSME-Fallzahlen pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2019–2021 (2021: Stand Ende März)

Anzahl Fälle der Borreliose

Die Borreliose (auch Lyme-Krankheit genannt) ist in der Schweiz nicht meldepflichtig und wird über das sogenannte Sentinella-Meldesystem erfasst. Die Hochrechnung der Borreliosefälle betrifft nur akute Fälle (Erythema migrans und Borrelien-Lymphozytom). Chronische Formen der Borreliose werden erfasst, sind aber in den Daten dieses Berichts nicht enthalten.

Beim Sentinella-Meldesystem handelt es sich um ein Netzwerk von Hausärzten, die auf freiwilliger Basis wöchentlich die Anzahl Arztbesuche aufgrund von Borreliose melden. Darauf basierend wird auf die gesamtschweizerische Anzahl hochgerechnet. Zahlen sind seit 2008 verfügbar. Die monatlichen Arztbesuche wegen Borreliose verlaufen wellenförmig mit einem Gipfel in der warmen Jahreszeit und verdeutlichen somit die Saisonalität dieser Infektionskrankheit. Die Borreliose-Fallzahlen unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 2).

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Abbildung 2: Hochrechnung der Anzahl Artbesuche wegen Borreliose, Vergleich 2019–2021 (2021: Stand Ende März)

Die Summe der hochgerechneten Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahrs bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark. Seit 2008 wurden im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 100 und 600 Arztbesuche wegen Borreliose hochgerechnet. Bis Ende März des laufenden Jahres wurden 300 Fälle hochgerechnet (Abbildung 3).

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Abbildung 3: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose kumuliert ab Jahresbeginn, Vergleich 2008–2021 (Stand jeweils Ende März)

Anzahl Fälle der Tularämie

Die Tularämie untersteht seit 2004 der Meldepflicht. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zur Exposition verfügbar. Diese Auswertung beschränkt sich auf diejenigen Fälle, bei denen ein Zeckenstich die wahrscheinlichste Ursache der Erkrankung ist. Seit 2004 sind dies durchschnittlich 55% der Tularämie-Fälle. Bei den verbleibenden Fällen ist die Exposition entweder unbekannt oder durch Kontakt mit Wildtieren bedingt, (Forstwirte, Landwirte, Jagd). Die monatlichen Tularämie-Fallzahlen weisen ansatzweise einen wellenförmigen Verlauf auf. Auch sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 4). Im Monat März des aktuellen Jahres wurde kein Fall verzeichnet.

 
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Abbildung 4: Tularämie-Fallzahlen pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2019–2021 (2021: Stand Ende März)

Anzahl Zeckenstiche

Bis und mit 2020 hat das BAG die Anzahl der Zeckenstiche aus den Daten von Sentinella hochgerechnet. Die Häufigkeit von Zeckenstichen wird seit 2015 zusätzlich über die vom BAG mitfinanzierte App Zecke erfasst und 2021 erstmals in diesem Bericht dargestellt.

Aufgrund der zunehmenden Nutzung der App in der gesamten Schweiz haben wir uns entschlossen, diese Quelle der Daten zu nutzen. Darüber hinaus liefert die Anwendung genaue geografische Informationen über den Standort von Stichen. Diese Daten werden auch zur Erstellung des Zeckenstichmodells verwendet. Letzteres stellt das Risiko von Zeckenstichen in Abhängigkeit von der geografischen Lage dar.

Zeckenstiche zeigen die gleiche Saisonalität wie alle vorgenannten über Zecken übertragenen Krankheiten (Abbildung 5).

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Abbildung 5: Über die App Zecke gemeldete Zeckenstiche pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2019–2021 (2021: Stand Ende März)

Beurteilung der epidemiologischen Lage

Zusammenfassend stellt sich die aktuelle epidemiologische Situation der zeckenübertragenen Krankheiten im Vergleich zu den Vorjahren wie folgt dar:

  • FSME: nach dem Spitzenjahr von 2020 liegen die diesjährigen Fallzahlen bislang im Rahmen der jährlich beobachteten Schwankungen. In den letzten fünf Jahren hat das BAG eine Zunahme der jährlichen Inzidenz von FSME beobachtet. Diese Situation wird auch in mehreren europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland, beobachtet. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich vor dieser Krankheit zu schützen, ist die Impfung (siehe Abschnitt unten).
  • Borreliose: die hochgerechnete Anzahl Fälle entspricht bislang dem Mittel der Vorjahre.
  • Tularämie: nach der tendenziellen Zunahme der letzten Jahre liegen die diesjährigen Fallzahlen bislang unter denen der beiden Vorjahre.
  • Schliesslich spiegelt die Anzahl der über die App gemeldeten Zeckenstiche die epidemiologische Situation und die Saisonalität von FSME und Borreliose wider.

Aufruf zur Prävention

Die Ankunft des Frühlings und die milden Temperaturen verleiten uns zu Freizeit- und Sportaktivitäten im Freien. Das BAG bittet die Bürgerinnen und Bürger, sich zu informieren und auf Zeckenstiche zu achten.

Die Impfung gegen FSME wird allen Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen (alle Kantone ausser Genf und Tessin). Die Impfung von Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren muss individuell geprüft werden. Weitere Informationen finden Sie in den Empfehlungen zur Impfung gegen FSME.

Weitere Informationen finden Sie in unseren Empfehlungen gegen Zeckenübertragene Krankheiten.

Weiterführende Themen

Zeckenübertragene Krankheiten

Bei den zeckenübertragenen Infektionskrankheiten sind in der Schweiz vor allem Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis von Bedeutung. Es können jedoch auch andere Krankheiten diagnostiziert werden.

FSME

Die FSME ist eine Krankheit, die durch den Stich einer infektiösen Zecke übertragen wird. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen. Die Impfung wird Menschen ab 6 Jahren, die sich in Risikogebieten aufhalten, empfohlen.

Borreliose / Lyme-Krankheit

Borreliose / Lyme-Krankheit – Das Wichtigste in Kürze

Letzte Änderung 08.04.2021

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Kontakt

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Abteilung Übertragbare Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
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