Zeckenübertragene Krankheiten – Lagebericht Schweiz

Zeckenübertragene Krankheiten kommen in der Schweiz saisonal gehäuft vor. Zur Vorbeugung sind Informationen zu Verbreitung, Prävention und Behandlung wichtig. Dieser Lagebericht trägt dazu bei, Bevölkerung und Ärzteschaft für das Thema zu sensibilisieren. 

Sensibilisierung durch Berichterstattung

02. September 2020. Die Saison, in der Zecken besonders aktiv sind, beginnt je nach Witterung im März und endet im November. Von April (2020: Mai) bis November veröffentlicht das BAG jeweils in der ersten Woche des Monats einen Lagebericht mit den Fallzahlen der   Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), der Tularämie und den hochgerechneten Arztkonsultationen wegen Zeckenstich und Borreliose.

Mit diesem Bericht will das BAG die Öffentlichkeit orientieren und sensibilisieren. Interessierte Personen können sich auch via BAG FSME-Karten und der vom BAG unterstützten Zecken-App informieren. Die FSME-Karte des BAG (Stichorte) wurde im August 2020 aktualisiert.

Anzahl Fälle der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Das BAG überwacht die FSME im obligatorischen Meldesystem für Infektionskrankheiten. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zu Impfstatus und Exposition verfügbar. Die FSME ist seit 1988 meldepflichtig.

Die monatlichen FSME-Fallzahlen verlaufen in der warmen Jahreszeit wellenförmig und verdeutlichen die Saisonalität dieser Epidemie. Sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Saisons grossen Schwankungen (Abbildung 1). So wurden im Monat Juli des aktuellen Jahres 34 Fälle verzeichnet.

 
 
 
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Abbildung 1: FSME-Fallzahlen pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2018–2020 (2020 Stand Ende August)

Die Summe der Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahrs bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark (Abbildung 2). Seit 2000 wurden im gleichen Zeitraum jeweils  zwischen 43 und 388 Fälle gemeldet. Bis Ende Juli des laufenden Jahres wurden 388 Fälle registriert  (Abbildung 2). Dies entspricht dem Höchstwert seit der Einführung der Meldepflicht.

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Abbildung 2: FSME-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, Vergleich 2000–2020 (Stand Ende August)

Anzahl Fälle der Tularämie

Die Tularämie untersteht seit 2004 der Meldepflicht. Es sind somit genaue Fallzahlen sowie Angaben zur Exposition verfügbar. Diese Auswertung beschränkt sich auf diejenigen Fälle, bei denen ein Zeckenstich die wahrscheinlichste Ursache der Erkrankung ist. Dies macht im Schnitt der Jahre 59 % der Fälle aus. Bei den verbleibenden Fällen ist die Exposition entweder unbekannt oder durch Kontakt mit Wildtieren bedingt, wie z.B. auf der Jagd.

Die monatlichen Tularämie-Fallzahlen weisen ansatzweise einen wellenförmigen Verlauf auf. Sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Saisons grossen Schwankungen (Abbildung 3). So wurde im Monat August des aktuellen Jahres kein Fall verzeichnet.

 
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Abbildung 3: Tularämie-Fallzahlen pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2018–2020 (2020: Stand Ende August)

Die Summe der Fälle, kumuliert ab Januar eines Kalenderjahres bis zum Monat vor Erscheinen des Berichts, variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr stark (Abbildung 4). Seit 2004 wurden im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 0 und 61 Fälle gemeldet. Der Trend über die Jahre ist ansteigend. Bis Ende Juli des laufenden Jahres wurden 34 Fälle registriert (Abbildung 4). Dies entspricht dem dritthöchsten Wert seit 2004.

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Abbildung 4: Tularämie-Fallzahlen kumuliert ab Jahresbeginn, Vergleich 2004–2020 (Stand Ende August)

Anzahl Arztbesuche wegen Zeckenstich bzw. Borreliose

Aufgrund ihrer Häufigkeit werden Zahlen zu Zeckenstichen und Borreliose (auch Lyme-Krankheit genannt) über das Sentinella-Meldesystem erfasst. Beim Sentinella-Meldesystem handelt es sich um ein Netzwerk von Hausärzten, die auf freiwilliger Basis wöchentlich die Anzahl Arztbesuche aufgrund von Zeckenstichen und Borreliose melden. Darauf basierend wird auf die gesamtschweizerische Anzahl hochgerechnet. Zu beiden Themen sind seit 2008 Zahlen verfügbar. Die monatliche Anzahl Arztbesuche wegen Zeckenstich bzw. Borreliose verläuft wellenförmig in der warmen Jahreszeit und verdeutlicht die Saisonalität dieser Beobachtungen. Sie unterliegt sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen (Abbildung 5).

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Abbildung 5: Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose und Zeckenstich pro Monat im Verlauf der Saison, Vergleich 2018–2020 (2020: Stand Ende August)

Bis Ende April wurden hochgerechnet 21’800 Arztbesuche wegen Zeckenstich sowie 12’600 akute Fälle von Borreliose gemeldet (Abbildung 6).

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Abbildung 6: Hochgerechnete Anzahl Arztbesuche wegen Zeckenstich und Borreliose kumuliert ab Jahres-beginn, Vergleich 2008–2020 (Stand Ende August)

Bewertung der epidemiologischen Lage

Für die Bewertung der im Lagebericht veröffentlichten Zahlen zu Zeckenstich und Borreliose ist Folgendes zu beachten:

  • Bei der Borreliose werden nur die akuten Fälle (Wanderröte bzw. Borrelien-Lymphozytom) in die Hochrechnung einbezogen. Die chronischen Formen der Borreliose werden zwar auch gemeldet, sind jedoch in den Zahlen des Lageberichts nicht enthalten, um ausschliesslich die Neuerkrankungen pro Zeckensaison abzubilden.

Die hochgerechnete Anzahl Fälle von Borreliose entspricht dem Mittel der vergangenen Jahre. Die Zahl der Hausarztbesuche wegen eines Zeckenstichs liegt höher als im Vorjahr, aber niedriger als 2018.

Die Fälle von Tularämie haben über die Jahre tendenziell zugenommen. Die diesjährigen Zahlen liegen aber unter denjenigen der beiden Vorjahre. Die Anzahl im Jahr 2020 gemeldeten FSME-Fälle ist der höchste seit der Einführung der Meldepflicht für FSME.

Aufruf zur Prävention

Dieser Bericht zeigt, dass auch im Jahr 2020 sehr viele Zeckenstiche und zeckenübertragene Krankheiten gemeldet wurden. Es ist daher wichtig, Präventionsbotschaften weit zu streuen. Informationen erhalten Sie über www.bag.admin.ch/zeckenuebertragene-krankheiten sowie unter den Links und in den Dokumenten unten auf dieser Seite. Das
Nationale Referenzzentrum für zeckenübertragene Krankheiten (NRZK) stellt ausserdem einen Flyer (PDF) zur Verfügung, und die von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelte kostenlose “Zecken-App” für Smartphones (iOS oder Android) bietet den Nutzerinnen und Nutzern hilfreiche Karten und Tipps.

Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die günstigen Wetterbedingungen haben wohl viele Menschen dazu bewogen, ihre Freizeit unter Einhaltung der aufgrund der derzeitigen COVID-19-Pandemie (www.bag-coronavirus.ch) empfohlenen Abstandsregeln im Freien zu verbringen. Gleichzeitig hat sich die Gesundheitskrise möglicherweise während einiger Wochen indirekt auf den Impfzugang (obligatorische Verschiebung von nicht dringenden Eingriffen) und auf die Impfbereitschaft in der Bevölkerung (Angst vor einer Infektion in der Sprechstunde) ausgewirkt.

Die FSME-Impfung wird allen Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen (alle Kantone ausser Genf und Tessin) oder sich zeitweise dort aufhalten. Die Impfung von Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren muss individuell geprüft werden.

FSME-Impfungen inklusive allfälliger Auffrischungen sollten gemäss dem im Schweizerischen Impfplan 2020 (S. 18) empfohlenen Schema so schnell wie möglich nachgeholt werden. Das Merkblatt zur FSME-Impfung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen und des BAG kann auf der Website Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bestellt oder heruntergeladen werden.

Weiterführende Themen

Zeckenübertragene Krankheiten

Bei den zeckenübertragenen Infektionskrankheiten sind in der Schweiz vor allem Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis von Bedeutung. Es können jedoch auch andere Krankheiten diagnostiziert werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die FSME ist eine Krankheit, die durch den Stich einer infektiösen Zecke übertragen wird. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen. Die Impfung wird Menschen ab 6 Jahren, die sich in Risikogebieten aufhalten, empfohlen.

Borreliose

Borreliose / Lyme-Krankheit – Das Wichtigste in Kürze

Letzte Änderung 04.09.2020

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Übertragbare Krankheiten
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