Saisonale Grippe – Lagebericht Schweiz

Grippeähnliche Erkrankungen treten in unseren Breitengraden saisonal auf. Hierzu veröffentlichen wir von Oktober bis April wöchentlich einen Bericht: jeweils mittwochs auf dieser Seite. Der vollständige Bericht ist unten im pdf-Format verfügbar.

Aufgrund der immer noch relativ hohen Grippeaktivität wird die Veröffentlichung des Berichts vorläufig fortgeführt.

Die Datenerhebung für den Bericht erfolgt im Rahmen der Sentinella-Überwachung und der Meldepflicht. Die Sentinella-Überwachung verfolgt laufend die Zahl der Arztkonsultationen aufgrund grippeähnlicher Erkrankungen (Grippeverdacht) in Arztpraxen und bei Hausbesuchen von Grundversorgerinnen und Grundversorgern. Die Beteiligung ist für Grundversorgerinnen und Grundversorger freiwillig. Die Meldepflicht der Laboratorien umfasst alle Influenza-Nachweise mit positivem Befund.

Aufgrund der Covid-19-Situation ist aktuell die Zuverlässigkeit der Daten aus der Sentinella-Überwachung eingeschränkt: Die Symptome von COVID-19 und Influenza sind sehr ähnlich und die COVID-Präventionsmassnahmen dämmen auch die Übertragung von Influenza ein.

Der Bericht der Sentinella-Erhebung zu Covid-19-Verdacht erfolgt wöchentlich auf der Seite «Coronavirus: Situation Schweiz».  

Hausärztinnen und Hausärzte gesucht!

Nehmen Sie bei Sentinella teil und überwachen Sie übertragbare Krankheiten in der Schweiz.

Sentinella ist ein schweizweites Netzwerk von engagierten Hausärztinnen und Hausärzten. Mit wöchentlichen, anonymen Meldungen von Beobachtungen aus der Praxis gewährleisten die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte schon seit 1986 die Überwachung von potentiell häufigen Infektionskrankheiten und solchen mit epidemischem Verlauf wie Pertussis, Mumps, Lyme Borreliose, Influenza und neu auch Covid-19-Verdacht.

Sentinella möchte das Meldekollektiv vergrössern und ist deshalb auf der Suche nach Praxen der Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin und Pädiatrie, welche an Sentinella teilnehmen möchten.

Die Meldetätigkeit im Sentinella Meldesystem wird finanziell entschädigt. Weitere Informationen finden Sie unter www.sentinella.ch.
Falls Sie an einer Teilnahme interessiert sind, finden Sie unsere Kontaktangaben unter www.sentinella.ch/de/info/join.
 

Epidemiologische Lage in der Schweiz (Sentinella-Überwachung)

Während der Sentinella-Woche 19 (07.05.2022 - 13.05.2022) verzeichneten die Ärztinnen und Ärzte des Sentinella-Meldesystems 5 Konsultationen wegen grippeähnlicher Erkrankung pro 1000 Arztkonsultationen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung entspricht dies in etwa 32 Konsultationen wegen grippeähnlicher Erkrankung pro 100 000 Einwohner (Abbildung 1). Die Konsultationsrate ist im Vergleich zu den beiden Sentinella Vorwochen sinkend (Tabelle 1). Die festgestellten grippeähnlichen Erkrankungen im Rahmen der Sentinella-Überwachung sind klinische Verdachtsdiagnosen und werden nur stichprobenweise durch einen Labortest auf Influenza getestet. Da sich die Symptome von grippeähnlichen Erkrankungen und Covid-19 überschneiden, kann ein Anstieg oder ein Rückgang der Grippeinzidenz durch die Veränderung in der epidemiologischen Entwicklung von Covid-19 beeinflusst werden.  

Abbildung 1: Wöchentliche Zahl der Konsultationen aufgrund grippeähnlicher Erkrankung, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Auf die Angabe eines epidemischen Schwellenwerts wird seit Saison 2020/21 verzichtet.
Abbildung 1: Wöchentliche Zahl der Konsultationen aufgrund grippeähnlicher Erkrankung, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Auf die Angabe eines epidemischen Schwellenwerts wird seit Saison 2020/21 verzichtet.

Die Konsultationsrate war in der Altersklassen der 0- bis 4-Jährigen am höchsten und sinkend. Im Vergleich zu den beiden Sentinella Vorwochen war der Trend für die Altersklasse der 15 bis 29-Jährigen und der über 65-Jährigen konstant und in den übrigen Altersklassen sinkend (Tabelle 1).

Altersklasse

Grippeähnliche Erkrankungen

pro 100 000 Einwohner

Zeitliche Entwicklung

0–4 Jahre

83

sinkend

5–14 Jahre

38

sinkend

15–29 Jahre

43

konstant

30–64 Jahre

20

sinkend

≥65 Jahre

29

konstant

Schweiz

32

sinkend

Tabelle 1: Altersspezifische Konsultationsrate aufgrund grippeähnlicher Erkrankung (pro 100 000 Einwohner) in der Berichtswoche und deren Trend im Vergleich zu den Konsultationsraten der beiden Vorwochen.

In den Sentinella-Regionen «GE, NE, VD, VS», «BE, FR, JU» und «AI, AR, GL, SG, SH, TG, ZH», trat die Grippe sporadisch auf. In der Region «LU, OW, NW, UR, SZ, ZG» tritt die Grippe verbreitet auf. In den Regionen «AG, BL, BS, SO» und «GR, TI» wurde keine Verbreitung der Grippe verzeichnet. Die zeitliche Entwicklung der Anzahl Konsultationen wegen grippeähnlicher Erkrankung war in den Region «LU, OW, NW, UR, SZ, ZG» steigend, in der Region «GR, TI» konstant und in den restlichen Regionen sinkend. Je nach Region schwankte die Rate der Konsultationen (pro 100 000 Einwohner) zwischen hochgerechnet 14 in der Region «AG, BL, BS, SO» und 52 inder Region «LU, OW, NW, UR, SZ, ZG» . Weil in dieser Rate nur Konsultationen in Arztpraxen und Hausbesuche einfliessen, aber nicht Konsultationen wegen grippeähnlichen Symptomen in Covid-19 Testzentren und Spitälern, sind die Raten und derer zeitlichen Entwicklung mit Vorsicht zu bewerten. Insbesondere Vergleiche zwischen den Regionen sind nicht möglich (Abbildung 2).

Abbildung 2: Verbreitung der grippeähnlichen Erkrankungen in der Berichtswoche, nach Sentinella-Regionen: Region 1 «GE, NE, VD, VS», Region 2 «BE, FR, JU», Region 3 «AG, BL, BS, SO», Region 4 «LU, NW, OW, SZ, UR, ZG», Region 5 «AI, AR, GL, SG, SH, TG, ZH» und Region 6 «GR, TI». Trend: ↑ steigend ↓ sinkend → konstant
Abbildung 2: Verbreitung der grippeähnlichen Erkrankungen in der Berichtswoche, nach Sentinella-Regionen: Region 1 «GE, NE, VD, VS», Region 2 «BE, FR, JU», Region 3 «AG, BL, BS, SO», Region 4 «LU, NW, OW, SZ, UR, ZG», Region 5 «AI, AR, GL, SG, SH, TG, ZH» und Region 6 «GR, TI». Trend: ↑ steigend ↓ sinkend → konstant

Virologie in der Schweiz (Sentinella-Überwachung)

In den Berichten vor der Sentinella Woche 06 wurden die Resultate der getesteten Proben, von Patientinnen und Patienten mit Covid-19 Verdacht oder Influenza Verdacht gemeinsam veröffentlicht, d.h. alle Proben welche im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NZI) getestet wurden. Um ein besseres Bild der Influenza-Aktivität zu erhalten, veröffentlichen wir seit der Sentinella Woche 06, die Resultate der Proben von Patientinnen und Patienten, welche die Grippeverdacht Kriterien erfüllen (siehe Glossar in der PDF Version), separat (Tabelle 2 linke Spalte). Die Informationen, welche in den Berichten vor der Sentinella Woche 06 publiziert wurden (d.h. die kumulativen virologischen Resultate aller Proben für diese Saison) sind weiterhin in der rechten Spalte der Tabelle 2 vorhanden.
Am NZI gingen für die Berichtswoche bis anhin insgesamt 46 Proben von Sentinella-Patientinnen und Patienten mit Covid-19 Verdacht und/oder Grippeverdacht (siehe Glossar in der PDF Version) ein. Davon waren bei 20 Proben die klinischen Kriterien einer grippeähnlichen Erkrankung (Grippeverdacht) beim Patienten erfüllt .
Im nachfolgenden Text werden nur noch die Proben von Patientinnen und Patienten mit Grippeverdacht berücksichtigt. 19 aus den 20 eingegangenen Proben wurden auf Influenza sowie auf elf weitere respiratorische Viren und alle 20 Proben auf SARS-CoV-2 untersucht (Tabelle 2). Während der Berichtwoche sind 2 der 19 (10.5 %) Proben positiv auf Influenza getestet worden.
In der Saison 2021/22 wurden bisher 1178 Proben vollständig untersucht. Influenza (20.5 %) und SARS-Cov-2 (20,0 %) wurde am häufigsten nachgewiesen (Tabelle 2, linke Spalte). Positiv auf Influenzaviren getestet wurden 242 Proben: 240 gehörten zum Typ A und zwei zum Typ B. In 394 Proben (33,4 %) konnte keiner der untersuchten Viren gefunden werden. Demgegenüber wurden in 96 (8,1 %) Proben gleichzeitig mehr als ein Virus pro Probe nachgewiesen. Die Virenverteilung in Proben von Patientinnen und Patienten mit Grippeverdacht ist ähnlich zur Verteilung bei den Proben aller Patienten, also inklusive denen mit ausschliesslich Covid-19 Verdacht. Der grösste Unterschied besteht im Anteil von positiv getesteten Influenza und SARS-CoV-2 Proben.

 

Virenverteilung in:

Saison 2021/22 kumulativ

Proben von Patientinnen und Patienten mit Grippeverdacht (mit oder ohne gleichzeitigem Covid-19 Verdacht) (n = 1178)

Alle eingegangene Proben

(n = 2357)

 

Anzahl positive Proben (Anteil %)

Anzahl positive Proben (Anteil %)

Influenza-positive Proben

242 (20,5%)

290 (12,3 %)

A(H3N2)

222

267

A(H1N1)pdm09

15

16

A nicht subtypisiert

3

5

B-Victoria

2

2

B-Yamagata

0

0

B-Linie nicht bestimmt

0

0

SARS-CoV-2

236 (20,0 %, n=1180)

661 (27,9 %, n=2367)

Adenovirus

28 (2,4 %)

40 (1,7 %)

Coronavirus NL63

0

0

Rhinovirus

155 (13,2 %)

324 (13,7 %)

Respiratorische Syncytialvirus RSV

42 (3,6 %)

93 (3,9 %)

Andere respiratorische Viren

192 (16,3 %)

367 (15,6 %)

Negativ für alle untersuchten Viren

394 (33,4 %)

801 (34,0 %)

Mehr als ein Virus pro Probe

96 (8,1 %)

192 (8,1%)

Tabelle 2: Häufigkeit der am Nationalen Referenzzentrum für Influenza nachgewiesenen Influenzaviren (nach Typen, Subtypen sowie Linien) und anderen respiratorischen Viren in Proben von Patientinnen und Patienten mit grippeähnlicher Erkrankung oder Covid-19-Verdacht während der Saison 2021/22 kumulativ. Der Nachweis von mehreren Viren in einer Probe führt dazu, dass die Summe der Virenanteile mehr als 100 Prozent beträgt.

Internationale Situation

In der Grippesaison 2020/2021 wurden sowohl in der südlichen als auch in der nördlichen Hemisphäre keine Grippeepidemie verzeichnet. Die Hygiene- und Social Distancing-Massnahmen zur Reduktion der Covid-19 Übertragung, sowie auch eine eingeschränkte globale Mobilität, haben wahrscheinlich eine Rolle bei der Reduktion der Grippeübertragung gespielt.
Obwohl die Grippeaktivität in der nördlichen Hemisphäre höher als in der Saison 2020/21 ist, blieb sie in der aktuellen Grippesaison 2021/22 im Vergleich zu den vorherigen Saisons insgesamt niedrig. Nach einem anfänglichen Rückgang im Januar 2022 ist die Aktivität wieder gestiegen und ist jetzt wieder am sinken, ausser in Nord Amerika. Die am häufigsten nachgewiesenen Viren in der nördlichen Hemisphäre sind vom Typ A, mit Ausnahme von China, wo vermehrt der Typ B Linie Victoria nachgewiesen wird. Auch im Grossteil der Europäischen Region ist eine tiefe Influenzaaktivität zu beobachten. In den meisten europäischen Ländern wurden beide Influenzatypen nachgewiesen, mehrheitlich den Subtyp A(H3N2), von dem ältere Menschen überproportional betroffen sind. Da die Positivitätsrate von Influenzaproben in Europa zwei Wochen hintereinander (Woche 49 und 50) über bzw. nahe 10 % lag, hat das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) den Beginn der Grippeepidemie für diese Saison angekündigt. In der WHO-Region Europa, in Woche 52 war der Anteil aller Sentinel-Proben von Patientinnen und Patienten mit grippeähnlichen Symptomen, die positiv auf Influenza getestet worden, erstmals am höchsten (20 %) und ging dann zurück. Seit Woche 4 ist der Anteil wieder gestiegen und hat einen neuen höchsten Wert von 27 % in Woche 10 erreicht, welcher über sechs Wochen mehrheitlich stabil blieb und seit Woche 16 wieder gesunken ist. In Woche 18 war die Positivitätsrate 14%. In Nordamerika steigt die Grippeaktivität in gewisse Regionen weiterhin an. Die nachgewiesene Viren sind weiterhin mehrheiltich Subtyp A(H3N2).

Weiterführende Informationen

Saisonale Grippe (Influenza)

Die Grippe ist im Winter eine häufige Infektionskrankheit. Das Risiko einer Erkrankung und von Komplikationen lässt sich durch eine Impfung reduzieren. Empfohlen wird sie für Risikogruppen und deren Kontaktpersonen.

Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Übertragbare Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 463 87 06
E-Mail

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