Neues Coronavirus: Umgang mit Erkrankten und ihren Kontakten

Die am 16. März 2020 eingeführten Mitigationsmassnahmen ermöglichten, die Verbreitung des Virus zu kontrollieren. Die Epidemiekurve zeigt einen Rückgang der Neuerkrankungen.  

Um eine wirtschaftliche Erholung zu ermöglichen, werden diese Massnahmen seit dem 27. April 2020 schrittweise aufgehoben, wobei die Gefahr besteht, dass die Fallzahlen wieder ansteigen. Damit die Übertragungsketten besser kontrolliert werden können, wurden die Kapazitäten für die Fallerkennung sowie die Isolations- und Quarantänemassnahmen in den Kantonen verstärkt. Dies mit dem Ziel:

  • Die Ausbreitung von SARS-CoV-2 unter Kontrolle halten
  • Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf (besonders gefährdete Personen) schützen
  • Das Spitalsystem behält die Kapazitäten, eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung so vielen Menschen wie möglich zu bieten
  • Die Ausbreitung des Virus in Spitälern und Alters- und Pflegeheimen erkennen und kontrollieren

Vorgehen bei symptomatischen Personen

Labordiagnostische Abklärung (Testung) und klinische Meldung

Die Verdachts-, Beprobungs- und Meldekriterien werden regelmässig der aktuellen Situation angepasst. Dieser Abschnitt gibt einen groben Überblick zu den aktuell gültigen Prinzipien. Die detaillierten Informationen finden Sie im PDF «Verdachts-, Beprobung-, Meldekriterien und Probeentnahme» auf Seite Meldeformulare (unter COVID-19 Meldung).

Beprobungskriterien: Wann erfolgt eine labordiagnostische Abklärung?

Die Beprobungskriterien definieren, welche Personen labordiagnostisch abgeklärt werden sollen. Gegenwärtig sind für die Diagnose von COVID-19 nur PCR-Tests von medizinischem Fachpersonal entnommenen Proben verlässlich. Schnelltests oder serologische Tests sollten nicht eingesetzt werden.

Aktuell wird eine labordiagnostische Abklärung empfohlen bei allen Personen, die COVID-19 kompatible Symptome haben. Vermerken Sie auf dem Auftragsformular für einen PCR Test an das Labor die Telefonnummer der Patientin/des Patienten. Dies erleichtert den zuständigen kantonalen Stellen das Contact Tracing nach einem positiven Abstrich.

Kantonsärztinnen und Kantonsärzte können in begründeten Fällen anordnen, asymptomatische Personen in Spitälern sowie in sozialmedizinischen Institutionen zu testen, um die Ausbreitung des Virus (Krankheitsausbrüche) innerhalb der Einrichtung zu kontrollieren.

Im Falle eines Ausbruches innerhalb einer Institution, ist es nicht notwendig, alle symptomatischen Personen zu testen, wenn ein epidemiologischer Link (enger oder indirekter Kontakt z.B. während eines Ausbruchs in sozialmedizinischen Institutionen) zu einem bestätigten Fall vorliegt.

Zudem wird eine labordiagnostische Abklärung postmortem empfohlen bei verstorbenen Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen sowie anderen sozialmedizinischen Institutionen bei denen zum Zeitpunkt des Todes kein Testresultat vorliegt und kein epidemiologischer Link (enger oder indirekter Kontakt z.B. während eines Ausbruchs in sozialmedizinischen Institutionen) zu einem laborbestätigten Fall bekannt ist. Dies, damit allfällige Schutzmassnahmen für die weiteren Bewohner umgesetzt werden können.

Nicht empfohlen wird eine routinemassige labordiagnostische Abklärung von asymptomatischen Personen (beispielsweise zur Aufnahme bei einem Spitalaufenthalt oder in eine medizinisch-soziale Einrichtung). Weitere Details hierzu finden Sie in den Empfehlungen von Swissnoso.

Wichtig: Ein negatives PCR-Ergebnis schliesst die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus, da auch falsch-negative Ergebnisse möglich sind. Mehr Details hierzu finden Sie unter den FAQs für Gesundheitsfachpersonen unter «SARS-CoV-2-Tests und Isolationsmassnahmen»

Die Vergütung der diagnostischen Analyse auf SARS-CoV-2 wird in einem Faktenblatt (PDF, 432 kB, 27.05.2020) ausführlich erläutert.

Meldekriterien: Wann erfolgt eine Meldung des klinischen Befundes?

Melden Sie die klinischen Befunde aller mittels PCR laborbestätigten Fälle innert 24 Stunden. Melden Sie wenn möglich elektronisch: die entsprechend Anleitung finden Sie unter Meldeformulare.

Bei hospitalisierten Personen oder verstorbenen Personen mit COVID-19 kompatibler Symptomatik und negativem PCR-Testresultat, melden Sie die klinischen Befunde ebenfalls, wenn:

  • die Röntgenaufnahme (CT-Scan) mit COVID-19 vereinbar ist und keine andere Ätiologie bekannt ist oder
  • ein epidemiologischer Link zu einer positiv getesteten Person besteht und keine andere Ätiologie bekannt ist.

Da ein negatives PCR-Ergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig ausschliesst.

Risiko der Dekompensation bei Patienten, die zu Hause isoliert werden

Von Spitalärzten im Tessin wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass einige Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19 verdächtigen Symptomatik, die zu Hause isoliert werden, eine sich plötzlich verschlechternde Symptomatik aufweisen.

Etwa fünf bis sieben Tage kam es zu einem kritischen Verlauf mit Fieber und Asthenie, aber ansonsten nur wenigen Symptomen. Obwohl die Patientinnen/Patienten keine subjektive Dyspnoe zeigen, kann bei ihnen eine Lungenentzündung mit sehr geringer Sauerstoffsättigung vorliegen. Diese muss schnell erkannt und behandelt werden, da innerhalb weniger Stunden eine Verschlechterung eintreten kann, die eine Intubation erfordert. Wir wissen, dass über 80 Prozent der Patientinnen/Patienten mit COVID-19 einen milden Verlauf haben, aber es ist sehr wichtig, diejenigen schnell zu erkennen, bei denen ein kritischer Verlauf droht.

Informieren Sie Ihre Patientinnen und Patienten daher, sich bei folgenden Warnzeichen bei Ihnen zu melden:

  • Mehrere Tage anhaltendes Fieber
  • Mehrere Tage anhaltendes Schwächegefühl
  • Atemnot
  • Starkes Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust
  • Neu auftretende Verwirrung
  • Bläuliche Lippen oder bläuliches Gesicht

Untersuchen Sie den Patienten/die Patientin klinisch. Zusätzlich zur Lungenauskultation, messen Sie Blutdruck, Puls, Temperatur, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung, um eine Hypoxämie diagnostizieren zu können. Die Hypoxämie ist zum Teil klinisch nicht ersichtlich. Bei Anzeichen eines schweren Verlaufs, führen Sie einen Nasen-Rachenabstrich auf SARS-CoV-2 durch und machen Sie gegebenenfalls eine Thorax-Röntgenaufnahme. Überweisen Sie den Patienten/die Patientin bei Bedarf in ein Spital.

Isolations- und Quarantänemassnahmen

Damit die Übertragungsketten besser kontrolliert werden können, wurden die Kapazitäten für die Fallerkennung sowie die Isolations- und Quarantänemassnahmen während der Transitionsphase in den Kantonen verstärkt. Isolation und Quarantäne werden durch die zuständigen kantonalen Stellen angeordnet.

Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung

Alle Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung (z.B. mit Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit) und/oder plötzlichem Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns mit oder ohne Fieber, Fiebergefühl oder Muskelschmerzen) sollen sich testen lassen und mindestens bis zum Erhalt des Testergebnisses zu Hause isolieren, wenn ihr Gesundheitszustand das zulässt.

Hatte eine Person Kontakt zu einer erkrankten Person, besteht die Gefahr, dass Sie selbst erkrankt. Darum soll Sie strikt die Verhaltens- und Hygienemassnahmen des BAG einhalten und unnötige Kontakte vermeiden. Falls eine Quarantäne erforderlich ist, wird Sie durch die zuständige kantonale Stelle kontaktiert.

Personen mit laborbestätigtem COVID-19: Isolation

Die Isolation von Personen mit laborbestätigtem COVID-19 wird von der zuständigen kantonalen Stelle angeordnet. Sie halten sich an die Anweisungen zur Isolation. Es wird ein regelmässiger Kontakt zwischen diesen Personen und der zuständigen kantonalen Stelle aufgebaut. Die Personen werden darüber informiert, welche Notfallnummern bei Anzeichen eines ernsten Verlaufs zu wählen sind. Warnzeichen hierfür sind:

  • Mehrere Tage anhaltendes Fieber
  • Mehrere Tage anhaltendes Schwächegefühl
  • Atemnot
  • Starkes Druckgefühl in der Brust
  • Neu auftretende Verwirrung
  • Bläuliche Lippen oder bläuliches Gesicht (Zyanose)

Falls ihr Allgemeinzustand dies erlaubt, ist die Isolation zu Hause bzw. an ihrem Lebensort (Pflegeheim, Asylzentrum, Anstalten des Freiheitsentzugs, Hotel, Tagesstätte usw.) möglich: Bis 48 Stunden nach Abklingen der Symptome, sofern seit Symptombeginn mindestens 10 Tage verstrichen sind. Falls die Person einen plötzlichen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns hatte: Es kann länger dauern, bis sich die Geruchs- und Geschmacksnerven erholen. Daher kann die Isolation aufgehoben werden, wenn der Verlust des Geruchs- und/oder Geschmackssinns als einzige Symptomatik nach dieser Zeit noch weiterbesteht.

Schwer erkrankte Personen werden gemäss den Empfehlungen von Swissnoso im Spital isoliert. Die Dauer der Isolation hängt von der Schwere der vorhandenen Symptome ab. Sie wird vom Spital aufgrund der Empfehlungen von Swissnoso festgelegt. Bei einer Rückkehr nach Hause oder einer Verlegung in eine andere Einrichtung muss die Isolation, wie von Swissnoso beschrieben, weitergeführt werden. Diese Regelung gilt auch für hospitalisierten Personen mit wahrscheinlichem COVID-19 (Personen mit einem negativen PCR-Testergebnis und mit einem mit COVID-19 kompatiblen Röntgenbild (CT-Scan) oder einem epidemiologischen Zusammenhang mit einem bestätigten Fall und keiner anderen Ätiologie).

Bei Personen, die am Ende einer Isolationsphase infolge von einer laborbestätigten COVID-19-Erkrankung stehen, empfiehlt das BAG keinen Test. Nach der Isolation sollen die Personen weiterhin die Hygiene und Verhaltensregeln der Kampagne «So schützen wir uns» befolgen. Denn obwohl die Ansteckungsgefahr zu diesem Zeitpunkt deutlich reduziert ist, kann sie auf niedrigem Niveau für eine unterschiedlich lange Zeit weiterbestehen.

Weitere Informationen erhalten die betroffenen Personen unter «Anweisungen zur Isolation (PDF, 179 kB, 11.05.2020)»

Personen mit negativem Testergebnis

Für Personen mit negativem Testergebnis und COVID-19 kompatiblen Symptomen, die nicht hospitalisiert werden müssen, sollen bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome zu Hause bleiben (unabhängig davon, wieviel Zeit seit Symptombeginn vergangen ist), wie es zur Kontrolle der Ausbreitung anderer Atemwegsinfektionen (z. B. Influenza) empfohlen wird.

Kontaktpersonen sollen ihren Gesundheitszustand beobachten und sich strikt an die Hygiene- und Verhaltensregeln der Kampagne «So schützen wir uns» halten. Wenn bei den Kontaktpersonen Symptomen auftreten sollen sie sich testen lassen und mindestens bis zum Erhalt des Testergebnisses zu Hause isolieren.  

Enge Kontaktpersonen (höheres Infektionsrisiko): Quarantäne

Die Quarantäne wird von der zuständigen kantonalen Stelle angeordnet. Die engen Kontaktpersonen von symptomatischen Personen mit einer laborbestätigten COVID-19 oder von hospitalisierten Personen mit wahrscheinlichem COVID-19 werden 10 Tage unter Quarantäne gestellt, wenn sie mit der erkrankten Person Kontakt hatten, während diese symptomatisch war oder in den 48 Stunden vor Symptombeginn. Sie erhalten Anweisungen zur Quarantäne. Es wird ein regelmässiger Kontakt zwischen den betroffenen Personen und der zuständigen kantonalen Stelle aufgebaut (z. B. durch ein digitales Tool oder regelmässiges Follow-up per Telefon). Dabei sollen die Personen auf Ihren Gesundheitszustand achten und jeglichen Kontakt mit anderen Personen vermeiden. Sie arbeiten weiter, wenn möglich im Homeoffice. Leben besonders gefährdete Personen im gleichen Haushalt, sollten diese während der Quarantäne-Dauer wenn möglich von den anderen Personen getrennt werden.

Treten bei einer Person in Quarantäne Symptome auf, dann soll sie sich testen lassen und mindestens bis zum Erhalt des Testergebnisses zu Hause isolieren. Da auch nach der vorgeschriebenen Quarantäne-Dauer Symptome auftreten können (die Inkubationszeit kann bis zu 14 Tagen betragen), soll die Person weiterhin auf ihren Gesundheitszustand achten und die Hygiene- und Verhaltensregeln «So schützen wir uns» befolgen. Beim Auftreten von Symptomen soll Sie sich testen lassen und sich mindestens bis zum Erhalt des Testergebnisses zu Hause isolieren.

Die Kontaktpersonen, die bereits eine mittels PCR bestätigte Infektion in den letzten 3 Monaten gehabt haben, können von der Quarantäne befreit werden. Der derzeitige Kenntnisstand erlaubt es nicht, Empfehlungen zur Anwendung der Serologie für die Aufhebung von Quarantänemassnahmen abzugeben.

Weitere Informationen erhalten die betroffenen Personen unter Anweisungen zur Quarantäne (PDF, 181 kB, 11.05.2020).

Kontaktpersonen mit niedrigem Infektionsrisiko

Kontaktpersonen von erkrankten Personen, die keinen engen Kontakt hatten, beobachten ihren Gesundheitszustand, vermeiden unnötige Kontakte und halten sich strikt an die Hygiene- und Verhaltensregeln «So schützen wir uns». Sie arbeiten weiter, wenn möglich im Homeoffice.


Weiterführende Themen

Dokumente für Gesundheitsfachpersonen

Hier finden Gesundheitsfachpersonen aktuelle Dokumente mit Empfehlungen und Informationen sowie die wichtigsten Links.

Schutzkonzepte und -massnahmen

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu den Schutzkonzepten für Praxen und Einrichtungen von Gesundheitsfachpersonen sowie zu den Empfehlungen für die Schutzmassnahmen für Gesundheitsfachpersonen und besonders gefährdete Personen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) für Gesundheitsfachpersonen

Hier finden sie die Antworten auf häufig gestellte Fragen von Gesundheitsfachpersonen.

Letzte Änderung 26.05.2020

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