Masern – Lagebericht Schweiz

Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern zu eliminieren. Die epidemiologische Überwachung dieser Krankheit ist wichtig, um sporadische Fälle und Ausbrüche zu erkennen, Massnahmen zur Verhinderung einer Übertragung zu ergreifen, und die Fortschritte auf dem Weg zur Elimination zu dokumentieren.

Stand: 04.03.2019

Das Ziel: Elimination der Masern

Die WHO zielt darauf ab, die Masern zu eliminieren. Die Schweiz hat sich – wie alle anderen europäischen Länder auch – hinter dieses Ziel gestellt. Sie möchte dies durch eine Erhöhung der Durchimpfung in der Bevölkerung, ein griffiges Meldesystem und die Kontrolle von Ausbrüchen erreichen. Die WHO hat festgelegt, dass die Masern dann eliminiert sind, wenn während mindestens 12 Monaten keine endemischen Fälle mehr auftreten. Die eingeschleppten bzw. mit einer Einschleppung assoziierten Fälle werden dabei nicht gezählt, und es ist die Aufgabe des Meldesystems, diesen Nachweis zu erbringen. Weiter sind bei jedem sporadisch auftretenden Fall – unabhängig davon ob eingeschleppt oder endemisch – Massnahmen zu treffen, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern. Dies ist umso wichtiger, wenn ein Ausbruch mit mindestens zwei miteinander verbundenen Fällen auftritt. Voraussetzung dafür ist, dass Masernfälle rasch erkannt, durch einen Labornachweis bestätigt und innerhalb kurzer Frist den zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Der Lagebericht zur Masernsituation beschreibt die im Rahmen der obligatorischen Meldepflicht verzeichneten Fälle und fasst die getroffenen Massnahmen zusammen. Er dokumentiert damit die Fortschritte der Schweiz im Bemühen, die Masern zu eliminieren.

Allgemeine Lage

Im Januar und Februar 2019 wurden in der Schweiz 50 Masernfälle verzeichnet, was im Vergleich zur selben Vorjahresperiode mit 12 Fällen eine Zunahme von 317% bedeutet. Die Inzidenz hat damit von 1.4 (2018) auf 5.9 (2019) Fälle pro Million Einwohner zugenommen (nicht-annualisierte Inzidenzen). Betrachtet man das Total aller Fälle von 2018 und 2019 (1.1.2018 bis 28.2.2019), nämlich 99, waren 31% isolierte Fälle, die über 12 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein verteilt auftraten. Die Mehrheit der Fälle (69%) konnte 10 bestimmten Ausbrüchen zugeordnet werden. In diesem Zeitraum waren 29 % der Fälle jünger als 10 Jahre alt, 17% zwischen 10- und 19-jährig; 54% waren 20-jährig oder älter. 92% der Fälle waren nicht oder nur unzureichend geimpft. 15% der Fälle mussten hospitalisiert werden; bei 6% der Fälle wurde eine Pneumonie, bei 1% (1 Fall) sogar eine Enzephalitis diagnostiziert.

Ausbrüche

Die sieben Ausbrüche, welche 2018 verzeichnet wurden, sowie die drei im 2019 festgestellten Ausbrüche umfassten je zwischen 2 und 25 Fälle. Sie traten – teils grenz-überschreitend – in neun verschiedenen Kantonen auf (siehe Grafik). Die grössten Ausbrüche wurden in folgenden Kantonen festgestellt:

  • Neuenburg und Waadt – 8 Fälle zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 2018; betroffen waren mehrheitlich junge Kinder. Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft. Der Index-Fall hatte die Masern aus Rumänien eingeschleppt. Nebst der epidemiologischen Verbindung (d.h. die Fälle hatten nachweislich Kontakt zueinander gehabt) konnte bei 5 Fällen aus diesen beiden Kantonen die vollständige Identität der Maserviren festgestellt werden.
  • Waadt – 14 Fälle zwischen Ende September und Mitte November; betroffen waren mehrheitlich junge Erwachsene, welche an der Universität Lausanne verkehren, sowie einige ihrer jugendlichen Kontaktpersonen. Lediglich einer dieser Fälle war vollständig geimpft. Auch hier wurde in den acht untersuchten Fällen eine absolute Identität des Masernvirus nachgewiesen. Der Indexfall war nicht ins Ausland gereist, hat sich jedoch höchstwahrscheinlich bei einer importierten Quelle infiziert: Der im Kanton Waadt identifizierte Masernvirusstamm ist weltweit erst zweimal nachgewiesen worden, einmal wenige Monate zuvor in England.
  • Genf – 5 Fälle zwischen dem 12. Januar und dem 5. Februar 2019; betroffen war eine Mutter mit ihrem Kleinkind sowie drei Hotelangestellte. Keiner dieser Fälle war vollständig geimpft. Die Ansteckungsquelle des Index-Falls – die Mutter – konnte nicht eruiert werden. Der erste Fall im Hotel wurde von einem Kunden aus dem an Genf angrenzenden Gebiet Frankreichs angesteckt. Auch wenn keine direkte epidemiologische Verbindung zwischen den beiden Transmissionsketten festgestellt werden konnte, wurden diese doch demselben Ausbruch zugeordnet. Denn die räumlich-zeitliche Nähe der Fälle sowie die Genotyp-Analyse, welche identische Viren in beiden Ketten zeigte, sprachen dafür.
  • St. Gallen und Zürich – 6 Fälle zwischen dem 27. Januar und dem 21. Februar 2019. Zwei dieser Fälle waren vollständig geimpft. Infiziert auf den Philippinen, hat der erste Fall auf dem Heimflug in die Schweiz zwei andere Personen angesteckt und dann die Infektion an den Bruder und eine Gesundheitsfachperson weitergegeben. Der Bruder steckte eine weitere Gesundheitsfachperson an. Alle Fälle waren Erwachsene im Alter von 18 bis 66 Jahren.
  • Neuenburg und Bern – 25 Fälle zwischen dem 1. und 28. Februar 2019; die Ansteckungen fanden im familiären und schulischen Rahmen statt (8 Fälle im Kanton Neuenburg, 17 Fälle im Kanton Bern). Zwei der Fälle waren unvollständig mit nur einer Dosis geimpft, die anderen waren ungeimpft. Die beiden ersten Fälle traten fast gleichzeitig in derselben Gemeinde Neuenburgs auf, ohne dass die Quelle der Exposition identifiziert werden konnte. Einer dieser Fälle hat dann die Masern in eine Privatschule in Biel eingeschleppt, wo er zur Schule geht. Insgesamt waren 22 der Fälle Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 16 Jahren; 3 waren Erwachsene im Alter zwischen 35 und 40 Jahren.
Masern Anzahl Fälle 2018-2019

Bewertung im Hinblick auf das Eliminationsziel

Angesichts dieser detaillierten Surveillance-Daten hat die WHO im 2017 zum ersten Mal bestätigt, dass die endemische Zirkulation des Masernvirus in der Schweiz 2016 unterbrochen werden konnte. Sie hat dies auch für 2017 bestätigt. Die Daten für 2018 weisen in dieselbe Richtung. Diese Resultate basiert im Wesentlichen auf tendenziell zunehmenden Durchimpfungszahlen (87% bei den 2-Jährigen, 93% bei den 16-Jährigen; Werte für 2 Dosen). Der Erfolg ist jedoch fragil: Die Masernelimination kann nur erreicht bzw. gesichert werden, wenn mindestens 95% der Kinder sowie alle nach 1963 geborenen Erwachsenen mit zwei Dosen geimpft werden.  

Anhand der kürzlich aufgetretenen Ausbrüche in der Schweiz, insbesondere derjenigen der Kantone Neuenburg und Bern, konnte gezeigt werden, dass nebst der Impfung zusätzliche Massnahmen erforderlich sind, um die Ausbreitung der Masern zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel die Identifikation der Kontaktpersonen, der KiTa- bzw. Schulausschluss von nicht-geimpften Kindern bzw. Jugendlichen, die Impfung des Umfeldes von Erkrankten sowie die postexpositionelle Impfung. Darüber hinaus wurden alle Fluggäste, die im selben Flugzeug wie der Fall aus den Philippinen gereist waren, über die Situation und mögliche Massnahmen informiert.

Zahlen zu Masern

Datendetails zu Masern

Entwicklung der wöchentlichen Fallzahlen auf der Basis des obligatorischen Meldesystems, welches aufgrund von Meldungen der Ärzte erstellt wird.

Wöchentliche Fallzahlen

Basis: obligatorisches Meldesystem

Weiterführende Themen

Meldeformulare

Hier finden Sie die Meldeformulare für meldepflichtige Infektionskrankheiten.

Masern

Eine Masernerkrankung kann in jedem Alter auftreten und manchmal schwerste Komplikationen verursachen. 2 Dosen einer MMR-Impfung schützen ein Leben lang vor den Komplikationen der Masern, Mumps und Röteln.

Nationale Strategie zur Masernelimination

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Masernelimination 2011–2015 weist eine positive Bilanz auf.

Letzte Änderung 07.03.2019

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