Affenpocken

Aktuell melden mehrere Länder Europas Affenpockeninfektionen. Auch in der Schweiz wurden Fälle bestätigt. Die Krankheit wird durch engen Kontakt übertragen, sie verläuft in der Regel mild. Bei Symptomen soll man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Aktuelle Lage und Einschätzung

27. Juni 2022, 17 Uhr

Neu

Total seit 21. Mai 2022

Laborbestätigte Fälle in der Schweiz

13
68
(Die Aktualisierung erfolgt jeweils an Arbeitstagen)

Zurzeit gehen wir von keiner Gefahr für die Bevölkerung aus. Die nationalen und internationalen epidemiologischen Daten deuten zurzeit auf eine Begrenzung der Ausbrüche hin. Es muss davon ausgegangen werden, dass in der Schweiz neue Fälle auftreten werden. Wir rufen deshalb alle Akteure im Gesundheitswesen um Unterstützung bei der Früherkennung von Fällen und der Isolierung von infizierten Personen auf.

Die Situation beobachten wir weiterhin aufmerksam, in Abstimmung mit den Kantonen, der European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) und der WHO, und informieren an dieser Stelle über die weiteren Entwicklungen.

Kennzahlen weltweit: Monkeypox Data Explorer - Our World in Data

Vorkommen der Affenpocken

Bisher gab es gelegentlich in West- und Zentral-Afrika bei Menschen einzelne Affenpockeninfektionen oder kleinere Ausbrüche. Ausserhalb von West- und Zentral-Afrika wurden bis zum Frühjahr 2022 nur einzelne, insbesondere aus Nigeria importierte Fälle von Affenpocken nachgewiesen, beispielsweise in Israel (2018), Singapur (2019), den USA (2021), und Grossbritannien (2018 und zuletzt nun 2022).

Verbreitung und Verlauf der Krankheiten (Epidemiologie)

Seit Anfang Mai 2022 wurde erstmals eine aussergewöhnliche Häufung von Affenpocken mit mehreren Hundert Fällen in verschiedenen Ländern in Europa, Nordamerika und Australien festgestellt. Weitere Fälle traten in Südamerika, in Israel, den Vereinigten Arabischen Staaten sowie Verdachtsfälle in Nordafrika auf. Nicht alle dieser Fälle stehen in direktem epidemiologischen Zusammenhang. Das heisst, es treten auch Fälle auf, bei denen rückblickend kein infektiöser Kontakt ermittelt werden konnte. Die Übertragung fand jeweils von Mensch zu Mensch statt, auch durch sexuelle Kontakte. Nur sehr wenige der Betroffenen hatten sich zuvor in einem bisherigen Risikogebiet (West und Zentralafrika) aufgehalten.

In der Schweiz traten seit dem 21. Mai 2022 mehrere Fälle auf.

Krankheitserreger und Übertragung

Das Affenpockenvirus (eine Unterart des Orthopoxvirus) gilt als mässig übertragbar.

Die Infektionserkrankung wird normalerweise von Tieren (zumeist Nagetiere) auf den Menschen übertragen (Zoonose). Dies kann durch Bisse oder engen Kontakt mit infizierten Tieren und deren Sekreten geschehen, selten auch durch Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch infizierter Tiere.

Beim aktuellen Ausbruch stehen Übertragungen von Mensch zu Mensch im Vordergrund. Dabei kann die Übertragung durch engen Kontakt einer infizierten Person erfolgen über:

  • Haut und Schleimhäute (zum Beispiel Auge, Nase, Mund, Geschlechtsorgane)
  • Hautverletzungen (infiziertes Sekret oder Blut) oder
  • kürzlich kontaminierte Gegenstände (zum Beispiel Bettwäsche, Handtücher, Kleider, Hygieneartikel, Türgriffe),
  • Atemwegssekrete oder grosse Atemwegströpfchen.

Es ist derzeit nicht gesichert, ob Affenpocken auch durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können. Gesichert ist jedoch, dass das Virus durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt auch während sexueller Aktivitäten übertragen werden kann.

Die Übertragungswege beim aktuellen Ausbruch werden wissenschaftlich untersucht.

Sexueller Kontakte mit einer erkrankten Person können die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch erhöhen. Es scheint, dass momentan insbesondere (aber nicht ausschliesslich) Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), ein erhöhtes Risiko einer Ansteckung haben.

Weiterführende Informationen: Affenpocken : Aids-Hilfe Schweiz.

Beachten Sie: Die Krankheit kann prinzipiell von allen Menschen bei engen Kontakten übertragen werden.

Ansteckend ist man ab Auftreten erster Symptome bis zum Ende des Hautausschlags, also bis die letzten Hautkrusten abgefallen sind (siehe Krankheitssymptome und Krankheitsverlauf unten). Dies kann rund drei Wochen dauern.

Krankheitssymptome und Krankheitsverlauf

Symptome der Krankheit sind in der Regel:

  • Stark geschwollene Lymphknoten,
  • Fieber ≥38.5° C,
  • Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen,
  • Schüttelfrost,
  • Erschöpfung,
  • nach wenigen Tagen ein Ausschlag mit Bläschen,
  • danach Pusteln und schliesslich Krusten (ähnlich wie bei Pocken).

Der Ausschlag beginnt oft im Gesicht und breitet sich dann auf andere Körperteile aus, auch auf Handflächen, Fusssohlen und Genitalien. Beim aktuellen Ausbruch ist der Ausschlag in einigen Fällen nur auf die Genitalregion begrenzt. Bei 20 Prozent der Erkrankten tritt überhaupt kein Ausschlag auf. 

Die Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung (= Inkubationszeit) beträgt in der Regel fünf bis 21 Tage (Quelle WHO).

Die Krankheit verläuft in der Regel mild. Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb weniger Wochen. Immungeschwächte Personen, Schwangere, Kinder und ältere Erwachsene scheinen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf zu haben.

Zu den (seltenen) Komplikationen der Affenpocken können bakterielle Zweitinfektionen gehören wie Lungenentzündung (Pneumonie), Blutvergiftung (Sepsis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Hornhautentzündung der Augen.

Beim Affenpockenvirus werden zwei Varianten unterschieden: eine zentralafrikanische und eine weniger schwer verlaufende westafrikanische. Während des aktuellen Ausbruchs wurde bis jetzt lediglich die westafrikanische Variante nachgewiesen. Bei dieser liegt die Sterblichkeit ohne intensivmedizinische Behandlung bei rund einem Prozent der Fälle. Zu berücksichtigen: Bei dieser Zahl kann es sich um eine Überschätzung handeln. Denn die Überwachung in Ländern, in denen diese Krankheit fortwährend gehäuft aufritt (endemische Länder) ist begrenzt. Somit können milde Fälle übersehen werden.

Inwieweit asymptomatische Infektionen (eine Infektion ganz ohne Krankheitssymptome) auftreten können, ist nicht zurzeit bekannt.

Hautausschlag im Frühstadium bei einer Affenpockenerkrankung
Bild: Hautausschlag im Frühstadium bei einer Affenpockenerkrankung, Quelle: CDC's Public Health Image Library Media #2329

Unterschied zu ähnlichen Krankheitsbildern

Bei den Affenpocken sind alle Hautläsionen zur gleichen Zeit stets im gleichen Stadium (Bläschen, dann Pusteln und schliesslich Krusten).

Im Gegensatz dazu sind bei den Windpocken (= Varizellen, «Spitze Blattern») die Hautveränderungen gleichzeitig immer in unterschiedlichen Stadien (Bläschen neben Pusteln und Krusten).

Auch eine Gürtelrose (= Herpes Zoster), Syphilis (= Lues), oder allergische Reaktionen können dem Krankheitsbild von Affenpocken manchmal ähneln.

Prävention

Einen spezifischen Impfstoff gegen Affenpocken gibt es aktuell zwar nicht. Doch die Pockenimpfstoffe der ersten und zweiten Generation verleihen einen wirksamen Schutz. Sie wurden im Rahmen des Programms zur Ausrottung der Pocken – in der Schweiz bis 1972 – verabreicht.

Zur Immunisierung gegen Pocken bei Erwachsenen wurde ein Pockenimpfstoff der dritten Generation (MVA-BN/Imvanex®) in Europa und den USA zugelassen. Dieser bietet auch einen guten Schutz gegen die Affenpocken (rund 85 Prozent). In der Schweiz ist dieser Impfstoff zurzeit nicht zugelassen. Für spezielle Situationen gibt es die Möglichkeit einer sogenannten «Off-label» Verabreichung. In diesem Fall kann die Ärztin/der Arzt die Therapie auch ohne Zulassung verabreichen.

Detaillierte Informationen: Richtlinien und Empfehlungen zu Impfungen und Prophylaxe unter «Allgemeine Empfehlungen», Impfempfehlungen des BAG, welche einen Off-label Use beinhalten (PDF, 1 MB, 23.03.2015) (Bull BAG 2015; Nr. 13: 217-19).

Verhinderung einer weiteren Ausbreitung: wichtigste Massnahme und Zuständigkeiten

  • Kantonalen Gesundheitsbehörden: Zuständig für die Kontakt-Nachverfolgung (Contact Tracing)
  • Ärztinnen und Ärzte: Müssen einen Verdacht auf Affenpocken innerhalb von zwei Stunden beim zuständigen Kantonsarztamt melden.
  • Jede und jeder Einzelne: Empfehlungen einhalten bei Anzeichen auf die typischen Krankheitssymptome (siehe Abschnitt Empfehlungen).

Die erkrankte Person muss sich so rasch wie möglich isolieren. Die zuständigen Behörden identifizieren, kontaktieren und informieren alle Personen, die im Zeitraum der Erkrankung engen Kontakt mit der infizierten Person hatten. Aktuell ist für Kontaktpersonen keine Quarantäne angeordnet. Sie müssen jedoch ihren Gesundheitszustand engmaschig überwachen und sich im Falle von typischen Beschwerden sofort an eine Ärztin oder einen Arzt wenden.

Siehe auch:
Sie wurden positiv auf Affenpocken getestet
Sie hatten Kontakt mit einer infizierten Person

Behandlung

Behandelt werden hauptsächlich die Krankheitssymptome (symptomatische Behandlung). In schweren Fällen kann eine antivirale Therapie (Tecovirimat) erfolgen. Präparate mit diesem Wirkstoff sind derzeit in der Schweiz nicht zugelassen. Für spezielle Situationen gibt es die Möglichkeit einer sogenannten «Off-label» Verabreichung. In diesem Fall kann die Ärztin/der Arzt die Therapie auch ohne Zulassung verabreichen.

Detaillierte Informationen: Richtlinien und Empfehlungen zu Impfungen und Prophylaxe unter «Allgemeine Empfehlungen», Impfempfehlungen des BAG, welche einen Off-label Use beinhalten (PDF, 1 MB, 23.03.2015) (Bull BAG 2015; Nr. 13: 217-19).

Empfehlungen bei Symptomen oder erhöhtem Ansteckungsrisiko

Haben Sie eines oder mehrere der obengenannten Symptome (siehe Krankheitssymptome und Krankheitsverlauf)?

  • Kontaktieren Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt.
  • Vor Ihrem Besuch: Bitte informieren Sie die Gesundheitseinrichtung telefonisch über Ihren Verdacht auf eine Infektion mit Affenpocken.
  • Vermeiden Sie jeglichen engen Kontakt zu anderen Menschen (inklusive sexuelle Kontakte) solange, bis eine Affenpockeninfektion ausgeschlossen werden kann.

Was Sie im Fall einer bestätigten Affenpockeinfektion beachten oder einhalten sollten, finden Sie unter Sie wurden positiv auf Affenpocken getestet.

Gehören Sie zu einer Gruppe mit erhöhtem Ansteckungsrisiko? Oder sind Sie aus West- und Zentralafrika zurückgereist? (Siehe Krankheitserreger und Übertragung)

  • Beobachten Sie Ihren Gesundheitszustand.
  • Bei Symptomen kontaktieren Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt.
  • Gehen Sie wie zuvor beschrieben vor.

Sie wurden positiv auf Affenpocken getestet

  • Isolieren Sie sich zu Hause oder – wenn Sie mit anderen Personen zusammen wohnen – in einem Zimmer. Vermeiden Sie möglichst den Kontakt mit anderen Personen. Tragen Sie eine Maske, wenn dies nicht möglich ist. Die Isolierung dauert, bis die Krusten über den Hautverletzungen abfallen und sich eine neue Hautschicht gebildet hat.
  • Achten Sie auf eine gute Händehygiene; waschen Sie sich die Hände regelmässig.
  • Teilen Sie keine Bettwäsche und Handtücher mit anderen Personen. Waschen Sie diese Wäsche bei mindestens 60 Grad. Teilen Sie kein Geschirr mit anderen und spülen Sie es gründlich mit Spülmittel (wenn möglich in der Spülmaschine).
  • Oberflächen und weitere Gegenstände, die auch andere Personen benutzen, reinigen Sie nach jedem Gebrauch gründlich oder desinfizieren Sie diese.
  • Hautverletzungen enthalten Viren: Wenn Sie das Haus verlassen müssen (zum Beispiel für einen Besuch bei der Ärztin/beim Arzt), bedecken Sie die Hautverletzungen so gut wie möglich mit Kleidung und berühren Sie sie möglichst nicht.
  • Desinfizieren Sie regelmässig Ihre Hände und auch die Oberflächen in Ihrer unmittelbaren Umgebung.
  • Die Krankheit kann zwischen Tieren und Menschen übertragen werden: Vermeiden Sie den Kontakt mit (Haus-)Tieren. Die häufigsten Fragen und Antworten zur Tiergesundheit im Zusammenhang mit Affenpocken finden Sie auf der Seite Überwachung von Zoonosen (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV).
  • Wenn Sie unbedingt das zu Hause verlassen müssen (zum Beispiel für einen Besuch bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt), dann benutzen Sie auf keinen Fall öffentliche Verkehrsmittel.

Sie hatten Kontakt mit einer infizierten Person

  • Messen Sie täglich Ihre Körpertemperatur und kontrollieren Sie Ihren Gesundheitszustand.
  • Bei Fieber (Körpertemperatur höher als 38.5 Grad), Hautausschlag oder grippeähnlichen Symptomen: Rufen Sie eine Ärztin/einen Arzt an. Informieren Sie die Gesundheitseinrichtung darüber, dass Sie engen Kontakt mit einer Person hatten, die an Affenpocken erkrankt ist.
  • Während 21 Tage (oder bis eine Affenpockeninfektion ausgeschlossen werden kann) sollten Sie keine sexuellen Kontakte haben.
  • Vermeiden Sie während 21 Tagen (oder bis zum Ausschluss von Affenpocken) jeglichen Kontakt mit Säugetieren, insbesondere Nagetieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Informationen für Gesundheitsfachpersonen

Seit Mitte Mai 2022 gibt es in Europa ungewöhnlich viele Affenpockeninfektionen bei Menschen ohne Reiseanamnese in ein Risikogebiet. Auch in der Schweiz wurden Fälle nachgewiesen. Was müssen Sie beachten? Informieren Sie sich hier.

Letzte Änderung 27.06.2022

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Übertragbare Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
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Tel. +41 58 463 87 06
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