Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung und Schall

Einzelne Behandlungen nutzen unter anderem Laserstrahlung oder Licht. Sie bergen Risiken für das Gewebe. Seit dem 1. Juni 2019 regeln deshalb ein Gesetz und eine Verordnung die Behandlungen mit Strahlung und Schall.

Einige Behandlungen verwenden Produkte, die nichtionisierende Strahlung wie Laserstrahlung oder Licht erzeugen. Dabei entstehen starke Belastungen der bestrahlten Gewebe. Wenn solche Behandlungen nicht sachgerecht durchgeführt werden, sind die Haut, die Augen und andere Gewebe grossen Risiken ausgesetzt. Um die Risiken zu minimieren, sind im Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (NISSG) entsprechende Massnahmen festgesetzt, welche in den untenstehenden Kapiteln aufgeführt sind. Diese Massnahmen werden in der Verordnung V-NISSG konkretisiert. Das Gesetz und die Verordnung sind am 1. Juni 2019 in Kraft getreten.

Sachkundenachweise

Ab 1. Juni 2024 dürfen die in der V-NISSG aufgeführten Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung oder Schall nur noch von Personen durchgeführt werden, die einen entsprechenden Sachkundenachweis erworben haben.

Es gibt dabei sieben verschiedene Sachkundenachweise, die voraussichtlich ab April 2022 erworben werden können (Tab. 1). Eine Trägerschaft, bestehend aus sechs betroffenen Verbänden[1], hat die Ausbildungspläne und die Prüfungsinhalte für die Ausbildung und die Prüfung für diese Sachkundenachweise erarbeitet.

Ein Sachkundenachweis gilt als Bestätigung, dass eine Absolventin oder ein Absolvent die erforderlichen Qualifikationen erworben hat und befähigen diese oder diesen dazu, die aufgeführten Behandlungen auszuführen.

[1] Association Suisse des Esthéticiennes avec Certificat Fédéral de Capacité ASE CFC, Association Suisse des Esthéticiennes Propriétaires d'Instituts de beauté ASEPIB, TCM Fachverband Schweiz TCM-FVS, Schweizerische Gesellschaft für medizinische Kosmetik SGMK, Schweizerischer Podologen-Verband SPV / OPS, Verband schweizerischer Berufstätowierer VST

Behandlungen

Bezeichnung Sachkundenachweis (SN)

Akupunktur mittels Laser

SN Laser-Akupunktur

Entfernung von Haaren mit Laser

SN Haarentfernung mit Laser

Entfernung von Haaren mit hochenergetisch gepulstem nichtkohärentem Licht (IPL)

SN Haarentfernung mit hochenergetisch gepulstem nichtkohärenten Licht (IPL)

Entfernung von Permanent-Make-up und Tätowierungen mittels Laser

Ausgenommen sind dabei Behandlungen an Augenlidern oder in Augennähe (bis 10mm), welche nur durch Ärztinnen oder Ärzte oder deren direkt unterwiesenes Praxispersonal ausgeführt werden dürfen

SN Permanent-Make-up und Tattoo

Behandlung von Akne, Falten, Narben, postinflammatorischer Hyperpigmentierung, Striae sowie Couperose, Blutschwämmchen und Spinnennävi, die kleiner als oder gleich 3 mm sind

Ausgenommen sind dabei Behandlungen von Spinnennävi und Blutschwämmchen an Augenlidern oder in Augennähe (bis 10mm), welche nur durch Ärztinnen oder Ärzte oder deren direkt unterwiesenes Praxispersonal ausgeführt werden dürfen

SN Haut und Pigmentierung

Behandlung von Cellulite und Fettpolster

SN Cellulite und Fettpolster

Behandlung von Nagelpilz

SN Nagelpilz

Tabelle 1: Auflistung der Sachkundenachweise und deren zugehörige Behandlungen

Hinweis:

INFOVERANSTALTUNGEN (online) „FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR GESUCHSTELLUNG“ für interessierte potenzielle Prüfungsstellen auf Deutsch und Französisch am

16. November 2021, 09:00 - 11:00 &

24. Januar 2022, 09:00 - 11:00

Wir bitten Sie, vor den Veranstaltungen die Wegleitung und Gesuchformulare gut durchzulesen. Anmeldung unter sn-nissg@bag.admin.ch bis jeweils zwei Werktage vor den Veranstaltungen.

1 Aufbau der Sachkundenachweise

Der Sachkundenachweis besteht aus drei Modulen: dem Modul Grundlagen, dem Modul Technologien und sieben verschiedenen Modulen zu behandlungsspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten (BKF), die alle Behandlungen, die einen Sachkundenachweis erfordern, beinhalten.

Es gibt dabei je nach Vor- und Ausbildung (Tab.2) zwei Wege, einen Sachkundenachweis zu erlangen (Abb.1):

Weg 1 ist an alle Personen gerichtet, welche keine der Voraussetzungen für Weg 2 erfüllen. Hier muss als erstes das Modul Grundlagen absolviert und mit einer Prüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Danach kann man das Modul Technologien und nach erfolgreichem Abschluss dieses Moduls das reguläre Modul behandlungsspezifische Kenntnisse und Fähigkeiten (BKF) absolvieren. Mit bestandener Prüfung des regulären Moduls BFK wird der Sachkundenachweis erworben.

Weg 2 richtet sich an Kosmetikerinnen oder Kosmetiker EFZ, FA und HFP, Dermapigmentologen oder Dermapigmentologinnen mit höherer Berufsbildung, Podologinnen oder Podologen EFZ und HF, sowie an Akupunkteurinnen und Akupunkteure TCM. Diese müssen das Modul Grundlagen nicht unbedingt besuchen und starten direkt mit dem Modul Technologien. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Moduls muss ein erweitertes Modul BKF absolviert werden, welches aus dem regulären Modul BKF und einem verkürzten Modul Grundlagen zusammengesetzt ist. Mit bestandener Prüfung des erweiterten Moduls BKF wird der Sachkundenachweis erworben.

Die Ausbildungsdauer bewegt sich je nach Ausbildungsweg und Sachkundenachweis ungefähr zwischen zwei und elf Tagen.

Aufbau der Module
Abbildung 1 Aufbau der Module der Sachkundenachweise
Übersicht der Module
Tabelle 2: Übersicht der zugehörigen Module einer Ausbildung für einen Sachkundenachweis nach Ausbildung der Absolventen und Absolventinnen

1.1 Modul Grundlagen

Das Modul Grundlagen vermittelt die für die Behandlungen gemäss V-NISSG wichtigsten Grundkenntnisse in den folgenden Bereichen: Anatomie, Physiologie sowie Pathophysiologie der menschlichen Haut und Haare, Haut-, Gefäss-, Nagel- und Gewebeveränderungen und Beurteilung von Haut, Haaren, Gefässen, Nägeln und Gewebe.

1.2 Modul Technologien

Das Modul Technologien vermittelt Grundkenntnisse in den Technologien, die den Behandlungen gemäss V-NISSG zugrunde liegen. Das Modul Technologien beinhaltet zwei Teile: Teil 1 Optische Strahlung (Laser und IPL), welcher von allen besucht werden muss und Teil 2: Radiofrequenz, Niederfrequenz, Plasma, Ultraschall, Stosswelle und Kryolipolyse, welcher von allen ausser von Podologinnen und Podologen sowie Akupunkteurinnen und Akupunkteuren besucht werden muss.

1.3 Module Behandlungsspezifische Kenntnisse und Fähigkeiten (BKF)

Das Modul BKF kann je nach Voraussetzungen der auszubildenden Person pro Sachkundenachweis in regulärer oder erweiterter Form angeboten werden.

Während die Module Grundlagen und Technologien für alle SN gleich sind, vermitteln die Module BKF behandlungsspezifische praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie eine Vertiefung des nötigen Fachwissens für die Durchführung der Behandlungen gemäss V-NISSG. Es gibt insgesamt sieben Module, die alle Behandlungen abdecken und von einer Prüfungsstelle angeboten werden.

Module BKF regulär

Das Modul BKF regulär richtet sich an alle Personen ohne Vorbildung, an Personen, die nicht den Gruppen B-F gemäss Tabelle 2 angehören sowie an Personen, die bereits einen Sachkundenachweis gemäss den Regeln des Prüfungsreglements der Trägerschaft erlangt haben. Module BKF regulär sind nur für kosmetische Behandlungen möglich.

Module BKF erweitert

Kosmetikerinnen oder Kosmetiker EFZ, FA und HFP, Dermapigmentologen oder Dermapigmentologinnen mit höherer Berufsbildung, Podologinnen oder Podologen EFZ und HF, sowie Akupunkteurinnen und Akupunkteure TCM können den Sachkundenachweis in einer verkürzten Ausbildung erwerben (Weg 2 Abbildung 1). Dieses Modul wird zusätzlich zu den Inhalten des regulären Moduls durch einzelne Bereiche des Moduls Grundlagen sowie einem Gesamtüberblick über das Modul Grundlagen erweitert. Diese Personen müssen das Modul Grundlagen nicht besuchen und können direkt in das Modul Technologien einsteigen. Nach absolviertem Modul Technologie müssen sie das Modul BKF erweitert besuchen.

Das Modul BKF erweitert enthält zusätzlich zu den Inhalten des Moduls BKF regulär das Modul Grundlagen in abgekürzter Form. Personen mit EFZ-Abschluss besuchen ein etwas verlängertes erweitertes BKF. Die Prüfung ist inhaltlich und auch von der Dauer her für alle Absolventen derselben Fachrichtung gleich. Die minimale Länge der Ausbildungen und der Prüfungen ist festgelegt.

Die Trägerschaft wie auch das BAG empfehlen Personen, die auf Grund ihrer Vorbildung für die erweiterten Module EFZ oder HF in Frage kommen, vor Antritt der Ausbildung die Inhalte des Moduls Grundlagen zu konsultieren und bei festgestellten Wissenslücken Weg 1 (Abb. 1) zu wählen - mit dem vollen Besuch des Moduls Grundlagen. Das erweiterte Modul BKF dient hinsichtlich des Grundlagen-Stoffes lediglich zur Auffrischung von bereits Gelerntem sowie spezifischen Grundlagen, welche die neue Regelung (V-NISSG) betreffen.

2 EDI-Verordnung und Prüfungsstellen

Die von der Trägerschaft ausgearbeiteten Ausbildungspläne, die dazugehörigen Prüfungsinhalte sowie die Prüfungsreglemente wurden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Stand des Wissens und der Technik überprüft und in eine Wegleitung für die Gesuchstellung von potenziellen Prüfungsstellen eingearbeitet.
Das BAG hat zudem eine Verordnung für das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) erarbeitet, in welcher die verschiedenen Sachkundenachweise aufgelistet werden. Diese Verordnung wird für jeden Sachkundenachweis zukünftig auch die Prüfungsstellen aufführen, welche die Prüfungen durchführen dürfen. Damit eine Prüfungsstelle in die EDI-Verordnung aufgenommen wird, muss sie die Vorgaben der Trägerschaft zu den Prüfungsinhalten und zum Prüfungsreglement erfüllen und sich an die Wegleitung des BAG halten. Potenzielle Prüfungsstellen reichen ab August 2021 jeweils bis am 31. August oder 28. Februar jeden Jahres beim Bundesamt für Gesundheit ihr Gesuch ein. Das BAG überprüft dann jeweils von September bis März bzw. von März bis August die Gesuche und setzt jeweils im April bzw. September eine neue Liste mit Prüfungsstellen in Kraft. Die ersten Gesuche konnten daher bis Ende August 2021 beim BAG eingereicht werden. Die Gesuchformulare sind auf dieser Seite verfügbar und die ersten Prüfungsstellen können voraussichtlich im April 2022 die ersten Ausbildungen und Prüfungen durchführen. Absolventinnen und Absolventen, welche die Prüfung bestanden haben, werden einen auf ihre Person ausgestellten persönlichen Sachkundenachweis erhalten, der sie zur Ausübung der jeweiligen Behandlungen ermächtigt.

3 Wegleitung und Instruktionen für gesuchstellende Prüfungsstellen

Die Ausbildung und die Prüfung für die Erlangung des Sachkundenachweises müssen dem Stand des Wissens und der Technik entsprechen und die Anforderungen der V-NISSG erfüllen. Die vom BAG ausgearbeitete Wegleitung ist eine Hilfestellung des BAG für Prüfungsstellen, die Sachkundenachweise ausstellen wollen. Sie konkretisiert die Anforderungen der V-NISSG sowie der Trägerschaft und gibt den aktuellen Stand des Wissens und der Technik wieder. Eine potentielle Prüfungsstelle reicht ihr Gesuch nach den Vorgaben dieser Wegleitung ein.

Die Wegleitung kann unter „Paket 1 ALLG“ auf dieser Webseite heruntergeladen werden und erklärt und beschreibt unter anderem Folgendes:

  • Wie kommt man als Prüfungsstelle in die Liste der Verordnung des EDI und kann damit die Tätigkeit als Prüfungsstelle aufnehmen?
  • Wie ist eine Ausbildung zu einem Sachkundenachweis genau aufgebaut?
  • Welche Aufgaben gehören zu einer Prüfungsstelle von der Durchführung der Ausbildung bis zur Ausstellung von Sachkundenachweisen?
  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Gesuch einzugeben und wie gibt man dieses im Detail ein?
  • Wie beurteilt das BAG ein Gesuch und wie geht es nach einem positiven oder negativen Bescheid weiter?

4 Instruktionen zum Herunterladen der benötigten Formulare und Dokumente

Alle benötigten Formulare und Dokumente können unten auf dieser Webseite heruntergeladen werden. Tabelle 3 gibt eine Übersicht, welche einzureichende Dokumente jedes «Paket» enthält. Es muss für ein Gesuch mindestens der Inhalt von Paket 1 und die zugehörige Spezialisierung, also Paket 2,3 oder 4 eingereicht werden.

Alle weiteren Instruktionen und Voraussetzungen sowie detaillierte Angaben zur Form der Einreichung können der Wegleitung entnommen werden, welche in Paket 1 enthalten ist.

Hinweis: Bitte laden Sie jeweils die neusten Formulare und Dokumente herunter, da diese in regelmässigen Abständen revidiert werden.

Übersicht über die herunterladbaren Pakete
Tabelle 3: Übersicht über die herunterladbaren Pakete mit einzureichenden Dokumenten und Formularen

5 Die wichtigsten Daten für gesuchstellende Prüfungsstellen

Termine

Beschreibung

16. November 2021 09:00-11:00

24. Januar 2022 09:00-11:00

Infoveranstaltung (online) „Fragen und Antworten zur Gesuchstellung“ für interessierte potenzielle Prüfungsstellen auf Deutsch und Französisch. Anmeldung unter sn-nissg@bag.admin.ch
Bis 28. Februar 2022 Eingabe der Gesuche nächstes Mal möglich, danach alle halbe Jahre wieder.
Für die Eingabe bitte spätestens eine Woche vor dem Termin einen Link für das Hochladen der Dateien anfordern unter sn-nissg@bag.admin.ch
März 2022 bis August 2022
Prüfung der eingereichten Gesuche durch das BAG
Ab April 2022
Prüfungsstellen, die vom BAG in die EDI-Verordnung aufgenommen wurden, können ihre Ausbildungen und Prüfungen anbieten.

 

Letzte Änderung 21.09.2021

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Strahlenschutz
Sektion NIS und Dosimetrie
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 462 96 14
E-Mail

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