Prüf-, Mess- und Beurteilungsmethoden

Die Wirkung von Nanomaterialien in lebenden Organismen hängt von deren Grösse, Form und Zusammensetzung ab. Um die Wirkung und von Nanomaterialien in Säugetieren und in aquatischen Organismen sowie das Verhalten in der Umwelt abzuklären, sind verlässliche Methoden erforderlich.  

 
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Verschiedene internationale Organisationen wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD und die International Standard Organisation ISO arbeiten daran, standardisierte Prüf-, Mess- und Beurteilungsmethoden zu entwickeln, um die Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien zu beurteilen. Mitarbeiter der Bundesämter nehmen an den Aktivitäten dieser Arbeitsgruppen teil.

OECD Working Party on Manufactured Nanomaterials (WPMN)

Ziel der seit 2006 existierende WPMN ist es, Methoden und Strategien zu entwickeln, die zur Sicherheit von Nanomaterialien für Mensch und Umwelt beitragen. Dies beinhaltet unter anderem:

  • Überprüfung existierender OECD-Testrichtlinien auf ihre Tauglichkeit für Nanomaterialien. Gegebenenfalls Weiter- oder Neuentwicklung entsprechender Testrichtlinien.
  • Frei verfügbare Dokumente, welche Forschungsaktivitäten und Strategien der OECD- Mitgliedländer zum sicheren Umgang mit Nanomaterialien dokumentieren, „Tour de Table“- Dokumente.
  • Unterstützung internationaler Kooperationen zu Risikobeurteilungsstrategien.
  • Entwicklung von Richtlinien zu Expositionsmessung und Expositionsminimierung für Arbeiter, Konsumenten und die Umwelt.
  • Förderung von nachhaltiger Nutzung der Nanotechnologie durch die Weiterentwicklung und Vergrösserung von Inventardaten und Methoden zur Lebenszyklusanalyse.

Testmethoden für konventionelle Chemikalien können meist auch für Nanomaterialien angewandt werden. Teilweise sind Anpassungen von Methoden nötig, um z.B. eine korrekte Probenvorbereitung oder Dosierung von Nanomaterialien im Testsystem zu gewährleisten. Neue Methoden, insbesondere zur Charakterisierung von Nanomaterialien, werden momentan entwickelt.

In 2007 wurde ein Testprogramm gestartet, in welchem 11 verschiedene Nanomaterialien (Fullerene, S/MWNT, Silber, Eisen, Titandioxid, Ceriumoxid, Zinkoxid, Siliziumdioxid, Dendrimere, Ton, Gold) auf ihr Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt (in vivo & in vitro) getestet wurden. Behörden, Industrie und Forschung haben gleichermassen dazu beigetragen, dass die Resultate seit Juni 2015 verfügbar sind.

 

Internationale Organisationen für Normung und Standardisierung

Die technischen Komitees der ISO TC 229 Nanotechnologien und der CEN TC 352 entwickeln Standards zur Terminologie und Nomenklatur der Nanotechnologie. Die Expertengruppen erarbeiten zudem Methoden zur Messung, Charakterisierung und zur Prüfung toxischer Eigenschaften von Nanomaterialien und verfassen Wegleitungen zum sicheren Umgang mit Nanomaterialien. Die (Expositions-)Messung und toxikologische Beurteilung von Nanopartikeln entlang ihres Lebenszyklus nimmt dabei eine immer wichtigere Rolle ein. Das Normenkomitee NK 0201 der Schweizerischen Normen-Vereinigung SNV ermöglicht ihren Mitgliedern eine direkte Mitarbeit im ISO TC 229 und CEN 352.

Chemikalien: Informationsanforderungen und Stoffsicherheitsbeurteilung für Nanomaterialien unter REACH

Für Stoffe, die in einer Menge von einer Tonne oder mehr pro Jahr in einer Nanoform in der EU hergestellt oder importiert werden, gelten seit dem 1. Januar 2020 spezifische Anforderungen für die Registrierung nach der REACH-Verordnung. Früher eingereichte Registrierungsdossiers für Stoffe mit Nanoformen müssen von den registrierungspflichtigen Unternehmen aktualisiert werden. Damit soll gewährleistet werden, dass die mit dem Umgang mit Nanoformen von Stoffen verbundenen spezifischen Risiken bewertet und geeignete Risikomanagementmassnahmen entwickelt und empfohlen werden können.

IT-Programme und Berichtsformate für Nanomaterialien wurden angepasst. Die aktualisierte IUCLID*-Software (Version 6.4) ermöglicht Nanoformen oder Gruppen von Nanoformen mit den relevanten Daten zu ihren Eigenschaften und Risiken in anderen Teilen des Dossiers zu erfassen.

*IUCLID ist eine in den OECD-Mitgliedstaaten zu regulatorischen Registrierungszwecken verwendete Softwareanwendung, mit der Daten zu den inhärenten gefährlichen Eigenschaften chemischer Stoffe erfasst, gespeichert, gepflegt und ausgetauscht werden können.

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat verschiedene nanospezifische Anhänge zu den Leitlinien über die Informationsanforderungen und Stoffsicherheitsbeurteilung unter REACH publiziert.

 

Lebensmittel: Leitfaden für die Beurteilung möglicher Risiken der Nanotechnologie

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Leitfaden zur Beurteilung möglichen Risiken der Nanotechnologie im Bereich von Lebens- und Futtermitteln veröffentlicht.

Kosmetische Mittel: Wegleitung zur Beurteilung der Risiken von Nanomaterialien

Der wissenschaftliche Ausschuss «Verbrauchersicherheit» (SCCS) hat 2012 eine Wegleitung zur Beurteilung der Risiken von Nanomaterialien in Kosmetika veröffentlicht. Die Wegleitung bildet die methodische Basis für den Sicherheitsbericht, der im Rahmen der Registrierung gemäss der Europäischen Kosmetik-Verordnung (EG Nr. 1223/2009) eingereicht werden muss. Das Dokument finden Sie auf dieser Seite im Register „Dokumente“.

Medizinalprodukte: Wegleitung zur Beurteilung der Risiken von Nanomaterialien

Das „Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks SCENIHR” hat 2015 eine Wegleitung zur Beurteilung der Risiken von Nanomaterialien in Medizinalprodukten publiziert. Sie zeigt auf, was bei Nanomaterialien speziell beachtet werden muss. Die Wegleitung kann auch für Partikel grösser als 100 nm angewendet werden.

Letzte Änderung 23.02.2021

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