Psychoaktive Schlaf- und Beruhigungsmittel

Schlaf- und Beruhigungsmittel sind beliebte Gegenmittel bei Schlafstörungen oder Angstzuständen. Richtig eingesetzt, sind diese Präparate sehr wirksam. Wer sie allerdings längerfristig einnimmt, riskiert eine Abhängigkeit.  

Schlaf- und Beruhigungsmittel werden hauptsächlich bei Schlaf- und Angststörungen, Panikattacken oder zur Vorbereitung chirurgischer Eingriffe eingesetzt. Richtig angewendet sind sie effektiv und ihre Wirkung ist unbestritten. Zur Kategorie der psychoaktiven Schlaf- und Beruhigungsmittel mit Abhängigkeitspotential gehören unter anderem

  • Benzodiazepine,
  • Barbiturate und
  • Z-Medikamente.

Sie wirken beruhigend und schlaffördernd, angstlösend, muskelentspannend und krampflösend, bringen aber auch ein Abhängigkeitspotential mit sich. Benzodiazepine machen den grössten Anteil unter den Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus.

Nicht für längerfristigen Gebrauch

Die genannten Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten nur nach sorgfältiger Diagnose eingesetzt werden. Alternative Möglichkeiten sind bei einer Verschreibung zu prüfen und Vor- und Nachteile gewissenhaft abzuwägen. So sind beispielsweise bei Schlafstörungen die zugrundeliegenden Ursachen zu behandeln. Eine Einnahme länger als vier Wochen wird in der Regel nicht empfohlen.

Selbst bei kleinen Dosen kann sich bereits nach zwei Wochen eine sogenannte Abhängigkeit im Niedrigdosisbereich bilden. Davon betroffen sind vor allem ältere Menschen, die öfters unter Schlafstörungen leiden und Benzodiazepine gegen Schlaflosigkeit einnehmen. Eine Abhängigkeit im Hochdosisbereich kann auftreten, wenn die genannten Schlaf- und Beruhigungsmittel in verhältnismässig grossen Dosen über längere Zeit eingenommen werden.

Zunehmende Einnahme im Alter

Gemäss Studien werden Benzodiazepine häufig zu lange eingenommen. Schätzungen zufolge weisen in der Schweiz 200’000–400'000 Personen einen problematischen Gebrauch von Benzodiazepinen und ähnlichen Medikamenten auf. 7,4 Prozent der Bevölkerung hat zumindest einmal in den letzten 30 Tagen ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel konsumiert. Der Anteil der über 15-jährigen Personen, die seit mindestens drei Monaten fast täglich derartige Medikamente konsumieren, liegt bei 3,1 Prozent. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Auch steigt die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmittel mit zunehmenden Alter stark an.

Nebenwirkungen und Folgen

Ein langanhaltender Gebrauch der oben genannten Schlaf- und Beruhigungsmittel kann körperliche und psychische gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Es können je nach Wirkstoff unter anderem folgende Nebenwirkungen und Folgen auftreten:

  • Benommenheit und Schläfrigkeit;
  • Erhöhtes Risiko zum Beispiel für Stürze und Knochenbrüche;
  • Eingeschränkte Urteilsfähigkeit, Geschicklichkeit und Reaktionsfähigkeit, was auch das Risiko für Unfälle im Strassenverkehr erhöht;
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Verwirrtheit, Gedächtnislücken und demenzähnliche Symptome;
  • Paradoxe Wirkungen wie etwa Enthemmung, erhöhte Risikobereitschaft oder Erregungszustände mit verstärkter Angst oder Schlaflosigkeit;
  • Körperliche und psychische Entzugserscheinungen wie Krampfanfälle (bei abruptem Absetzen), Angstzustände, Bewegungsunruhe oder Schwindel- und Verwirrtheitszustände.

Auch kann der Mischkonsum mit anderen Substanzen negative Folgen mit sich bringen. Gerade die Kombination von Benzodiazepinen mit anderen Medikamenten (zum Beispiel Antidepressiva oder Opioide) oder mit Alkohol kann die Atmung beeinträchtigen und das Risiko eines Atemstillstands erhöhen. Der Effekt des Mischkonsums ist stark abhängig von der Kombination sowie von den individuellen Faktoren der Person.

Wieso sind psychoaktive Schlaf- und Beruhigungsmittel für ältere Menschen besonders problematisch?

Im Alter baut der Körper Medikamente langsamer ab und das Gehirn reagiert bei älteren Menschen empfindlicher auf diese Medikamente als bei Jüngeren. Durch die kognitiven Einschränkungen und Gleichgewichtsstörungen erhöht sich das Sturzrisiko, was zu Knochenbrüchen führen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Nebenwirkungen teils als Alterserscheinung fehlinterpretiert werden.

Zudem sind ältere Menschen durch Krankheiten stärker belastet und nehmen oft mehrere Medikamente zu sich; der Mischkonsum von Benzodiazepinen mit anderen Substanzen kann beträchtliche gesundheitliche Probleme zur Folge haben. Auch der Mischkonsum mit Alkohol ist bei älteren Menschen zu beachten: Ihr Körper baut Alkohol weniger schnell ab. Dieser Mischkonsum ist mit Nebenwirkungen wie verlangsamter Reaktionsfähigkeit, kognitiven Einschränkungen oder Gleichgewichtsstörungen verbunden.

Weiterführende Themen

Forschungsberichte Medikamente


Hier finden Sie eine Liste mit Forschungsberichten zum Thema Medikamente. Diese Berichte wurden vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegeben und finanziert.

Suchtberatung und -therapie

Beratung und Therapie richten sich an Menschen mit Risikokonsum oder an Abhängige sowie an Angehörige. Die Therapie unterstützt die Menschen darin, einen kontrollierten Umgang mit der Sucht zu finden oder ganz auszusteigen.

Nationale Strategie Sucht

Suchtpolitik ist ein dynamisches Feld, das sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss, etwa veränderten Verhaltensmustern und Konsumtrends.

Regulierungen im Suchtbereich

Gesetzliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Alkohol, Tabak oder Geldspiele dienen dem Schutz der Gesundheit der Menschen. Der unbefugte Umgang mit Betäubungsmitteln ist strafbar und sie dürfen nur nur mit Ausnahmegenehmigungen produziert oder gehandelt werden.

Letzte Änderung 23.08.2019

Zum Seitenanfang

Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Schweiz
Tel. +41 58 463 88 24
E-Mail

Kontaktinformationen drucken

https://www.bag.admin.ch/content/bag/de/home/gesund-leben/sucht-und-gesundheit/medikamentenmissbrauch/schlaf-und-beruhigungsmittel.html