Einfluss von Covid-19 auf die psychische Gesundheit

Bern, 20.11.2020 - Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung scheint die Krise bisher gut zu bewältigen. Die Resultate der Übersichtsstudie zeigen jedoch auf, dass psychische Belastungen und Krankheiten ungleich verteilt sind und bestimmte Bevölkerungsgruppen in besonderem Mass treffen.

Im Rahmen des Projekts wurde die Nutzung niederschwelliger Hilfsangebote untersucht. Die Daten zeigen, dass die Nutzung von Informationsplattformen und Hilfsangeboten während der Phase des Lockdowns bis vor die Sommermonate deutlich zugenommen hat. Die täglichen Nutzerzahlen lagen zum Teil doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. Es gibt zudem Hinweise, dass auch Suizidgedanken im Zusammenhang mit der Corona-Krise zugenommen haben.

Bei der psychotherapeutischen oder psychiatrischen Versorgung der Erwachsenen wurden keine grösseren Engpässe festgestellt. Hingegen waren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mehr Notfälle zu behandeln.

Auswirkungen von Belastungsfaktoren

Psychische Gesundheit entsteht durch die Interaktion zwischen Ressourcen und Belastungen. In einer Krisensituation, wie wir sie mit der Covid-19-Pandemie derzeit erleben, kann dieses Gleichgewicht aus den Fugen geraten. Besonders belastend sind Faktoren wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen, Einsamkeit oder familiäre Konflikte, die während der Pandemie verstärkt auftreten können. Gleichzeitig sind bewährte Strategien zur Stressbewältigung eingeschränkt, so etwa der Austausch im Freundeskreis.

Gewisse Aspekte der Krise können aber auch als positiv erlebt werden. So hat bei manchen Menschen während des Lockdowns die Arbeitsbelastung abgenommen oder die Familie ist näher zusammengerückt. Je nach individueller Belastungssituation hat die Pandemie daher unterschiedliche Folgen.

In der Übersichtsstudie wurden die psychischen Auswirkungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen vertieft analysiert. Dabei wurden Folgende Beobachtungen festgehalten:

  • Menschen über 65 Jahre, die sozial isoliert sind oder Vorerkrankungen haben, litten verstärkt an Einsamkeit oder negativer Stimmung.
  • Jugendlichen machte es zu schaffen, dass die Kontakte zu Gleichaltrigen eingeschränkt waren.
  • Personen mittleren Alters waren Mehrfachbelastungen ausgesetzt durch Arbeit und Homeschooling. Dies trifft besonders auf Alleinerziehende und Eltern von Kindern unter 12 Jahren zu.

Für weitere mögliche Risikogruppen (Gesundheitspersonal oder Covid-Erkrankte) liegen zurzeit noch keine empirischen Daten vor.

Monitoring wird fortgesetzt

Für die Übersichtsstudie wurden bereits verfügbare Studienergebnisse zur psychischen Gesundheit der Allgemeinbevölkerung und bestimmter Risikogruppen in der Schweiz gesammelt und zusammengefasst.

Zu den mittel- und langfristigen Folgen der Krise liegen noch keine empirischen Ergebnisse vor. Bei diesen Entwicklungen wird auch der weitere Verlauf der Pandemie eine grosse Rolle spielen. Aus diesem Grund wird das Monitoring bis im Frühjahr 2021 fortgesetzt.


Weiterführende Informationen

Psychische Gesundheit und psychiatrische Versorgung

Psychische Krankheiten zählen zu den am meisten verbreiteten und einschränkenden Erkrankungen überhaupt. Der Bund engagiert sich dafür, die psychische Gesundheit in der Schweiz zu fördern und die Gesundheitsversorgung psychisch erkrankter Personen zu verbessern.

Letzte Änderung 24.11.2020

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