Gesund altern in der Schweiz

Bern, 14.5.2019 - Die weltweite demografische Alterung stellt auch die Schweiz vor Herausforderungen. Wie kann sichergestellt werden, dass ältere Menschen möglichst lange gesund und unabhängig altern? Welche Verantwortung das BAG wahrnimmt, um gesundes Altern in der Schweiz zu ermöglichen, erklärt Direktor Pascal Strupler.

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Weshalb ist das BAG so aktiv bei der Erarbeitung von Strategien und der Umsetzung von Massnahmen für die ältere Bevölkerung?

Die Alterung der Bevölkerung gehört zu den grössten Herausforderungen im Gesundheitssystem. Die Lebenserwartung in der Schweiz ist hoch. Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wächst. Das ist erfreulich. Wir müssen uns bemühen, dass diese wertvolle gewonnene Zeit, diese zusätzlichen Jahre, bei bestmöglicher Lebensqualität gelebt werden können. Die Chancen, bis ins hohe Alter gesund zu sein, sind aber nicht für alle gleich. Ob man gesund altert, hängt von vielen Faktoren ab: Die Errungenschaften der Medizin, aber auch die Gene spielen eine wichtige Rolle. Ebenfalls entscheidend sind die Umwelteinflüsse, die gesellschaftlichen Verhältnisse und unser persönliches Verhalten.

Welche Rolle nimmt das BAG in der Alterspolitik wahr? Was sind die grössten Herausforderungen in dieser Rolle?

Die wachsende Zahl älterer Patientinnen und Patienten steigert den Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen. Es braucht mehr qualifiziertes Gesundheitspersonal und passende Versorgungsstrukturen. Auch die Anforderungen an eine gut abgestimmte Behandlung steigen. Die heutigen Versorgungsstrukturen sind zu stark auf die Akut-Medizin ausgerichtet. Sie werden den Bedürfnissen dieser Patientengruppe nicht gerecht. Unser Fokus muss zwingend auf der Prävention, auf einer möglichst engen, effizienten Zusammenarbeit der Akteure liegen. Die Forderung nach Kosteneffizienz darf keine Rationierungsängste hervorrufen. Sie ist das Resultat des Zusammenspiels von Prävention, hoher Qualität der medizinischen und pflegerischen Leistungen und sinnvoller Organisation. Es ist anspruchsvoll, die verschiedenen Akteure im Boot zu haben. Gerade beim Thema Kosteneffizienz müssen alle einen Einsatz leisten, Zugeständnisse machen. Wir wollen das System insbesondere für Familien und Menschen mit tiefem Einkommen bezahlbar halten.

Was versteht das BAG unter «Gesund altern»?

Gesund heisst nicht zwingend, frei sein von Erkrankungen oder Einschränkungen.Körperliche und kognitive Einbussen gehören zum Alter. Wichtig ist auch das subjektive Wohlbefinden. Dieses kann auch für eine Person gut sein, die an einer chronischen Krankheit leidet. Wir arbeiten eng mit der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zusammen. Sie plant Aktionspläne zur Förderung der Gesundheit älterer Menschen. Sie unterstützt die Kantone zum Beispiel bei Kursen zur Bewegungsförderung und Sturzprävention, bei Informationen für eine gesunde Ernährung oder gesellige Veranstaltungen.

Wie wichtig ist es, dass die Ärzte, die Pflege, die Physiotherapeuten und weitere Dienstleister gut zusammenarbeiten?

Insbesondere bei chronisch kranken Menschen ist die Koordination unter Leistungserbringern enorm wichtig. Unnötige oder aber fehlende Behandlungen sind die Folge. Einen wichtigen Schritt werden wir mit der Einführung des elektronischen Patientendossiers machen. Gerade in der Versorgung älterer Menschen, die oft mehrere Ärzten besuchen, erleichtert das Dossier die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Darin werden alle wichtigen Daten und Dokumente wie Röntgenbilder und Spitalaustrittsberichte abgelegt. Mit einer verbesserten Information sollen Doppelspurigkeiten und falsche Entscheide vermieden werden. Ziel ist eine bessere Behandlungsqualität und eine höhere Patientensicherheit.

Steigen die Gesundheitskosten mit der Zunahme der älteren Bevölkerung so massiv an, wie in der Gesellschaft befürchtet wird? Kann sich zukünftig noch jede ältere Person externe Behandlung und Pflege leisten?

Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind tatsächlich ein Problem. Die Demographie ist eine der Ursachen, zusammen mit dem medizinischen Fortschritt. Dazu kommt eine Mengenausweitung bei medizinisch unbegründeten Leistungen. Die alternde Bevölkerung ist also nicht der einzige Grund. Aber es stimmt: im letzten Drittel des Lebens fallen die höchsten Kosten an. Wenn es vermehrt gelingt, die letzten Lebensjahre ohne chronische Krankheiten zu verbringen, ist dies nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für das gesamte Gesundheitswesen von Vorteil.

Die Zunahme älterer Menschen soll nicht nur als Herausforderung angesehen werden. Welche Chancen ergeben sich für die Gesellschaft?

Ältere Menschen bringen sich auf vielfältige Weise in die Gesellschaft ein, indem sie beispielsweise freiwillige Aufgaben übernehmen, ihre Angehörigen oder ihre Enkelkinder betreuen. Ihre Erfahrung ist für die Gesellschaft wertvoll. Die Anstrengungen von immer mehr Organisationen und Gemeinden in Richtung einer gezielten Integration älterer Menschen in das gesellschaftliche Leben, die Förderung betreuter Wohnformen und ähnlichen Projekten gehen in die richtige Richtung.

Was bedeutet für Sie persönlich, in höheren Jahren gesund altern zu können?

Ich wünsche mir, möglichst lange autonom und zuhause leben zu können – und einen verlässlichen Hausarzt.

Interview mit Pascal Strupler, Direktor Bundesamt für Gesundheit, geführt von Rahel Schmid, Fachspezialistin Unternehmenskommunikation, Pro Senectute Schweiz

Weiterführende Informationen

Gesund altern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelte das Konzept des gesunden Alterns. Es bewertet die Gesundheit im Alter nach einem neuen Massstab. Was bedeutet das für die Gesundheitspolitik?

Letzte Änderung 21.05.2019

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