Versorgungssicherheit: Überblick der Vorhaben
Verschiedene Vorhaben sollen die sichere Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Medikamenten unterstützen: auf gesetzgeberischer, struktureller und politischer Ebene. Eine Übersicht.
Massnahmenpaket gegen Engpässe bei Arzneimitteln
Im August 2024 beschloss der Bundesrat auf Grundlage des Berichts einer interdisziplinären Arbeitsgruppe Massnahmen, mit denen er die Versorgung mittel- bis langfristig weiter stärken will. Dabei verfolgte er zwei Stossrichtungen: Einerseits sollen strukturelle Massnahmen die Resilienz des Systems stärken. Andererseits will der Bundesrat auf internationaler Ebene stärkere Lieferketten schaffen. So setzt sich die Schweiz etwa in ihren bilateralen und multilateralen Beziehungen für gute Rahmenbedingungen ein.
Im März 2026 hat der Bundesrat ergänzende Massnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit verabschiedet. Er stützte sich dabei auf Vorschläge einer Expertengruppe, die vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) und dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) eingesetzt wurde. Die Umsetzung der Massnahmen soll schrittweise erfolgen. Es soll zunächst die Überwachung der aktuellen Versorgungslage und eine transparente Kommunikation über die Verfügbarkeit von Arzneimitteln sichergestellt werden. Zudem soll die Schweiz als Absatzmarkt für Medikamente attraktiver werden.
Für die Umsetzung der langfristigen Massnahmen, wie beispielsweise die Beschaffung von Arzneimitteln durch den Bund, benötigt der Bund erst die erforderlichen Kompetenzen (Verfassungsgrundlage), die mit dem Gegenentwurf zur Initiative «Ja zur Sicherheit der medizinischen Versorgung» geschaffen werden sollen.
Weitere Informationen: Sicherheit in der Arzneimittelversorgung
Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit»
Die im Oktober 2024 eingereichte Volksinitiative verlangt, dass der Bund die erforderlichen Rahmenbedingungen schafft, um einen Mangel an wichtigen Heilmitteln und anderen wichtigen medizinischen Gütern zu verhindern. Der Bundesrat teilt das generelle Anliegen der Initiative und will die Versorgung mit Heilmitteln und medizinischen Gütern stärken. Der Bundesrat beurteilt die Initiative jedoch als zu wenig wirksam und zielgerichtet und lehnt die Initiative daher ab und stellt ihr einen direkten Gegenentwurf gegenüber. An seiner Sitzung vom 20. März 2026 hat er die Botschaft zum direkten Gegenentwurf verabschiedet.
Weitere Informationen: Volksinitiative zur Versorgungssicherheit
Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz
Antibiotika gehören zu den besonders von Versorgungsstörungen betroffenen Medikamenten. Diese Entwicklung gefährdet die Behandlung von Infektionen mit Antibiotika und belastet das Gesundheitssystem. Zudem werden zu wenige neue Antibiotika entwickelt und eine 2024 veröffentlichte Analyse zeigt, dass neue Antibiotika in der Schweiz nur zeitverzögert oder gar nicht auf den Markt kommen.
Um die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen zu verstärken, hat der Bundesrat im Juni 2024 im Rahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) den «One Health-Aktionsplan StAR 2024–2027» mit Massnahmen im Bereich von Mensch, Tier und Umwelt verabschiedet.
Mit der derzeit laufenden Revision des Epidemiengesetzes soll die Entwicklung und Bereitstellung neuer antimikrobieller Substanzen gefördert werden. Hierzu sollen sogenannte Pull-Anreize für die Entwicklung und Herstellung von antimikrobiellen Substanzen geschaffen (Art. 51a E‑EpG) und die internationale Zusammenarbeit mit Antibiotika-Produktentwicklungspartnerschaften verstärkt (Art. 50a E‑EpG) werden.
Weitere Informationen: star.admin.ch – eine Plattform des Bundes zum Thema Antibiotikaresistenzen
Nationales Programm zu Impfungen
Das Nationale Programm zu Impfungen (NPI) basiert auf einer Strategie und einem Aktionsplan. Mit der Nationalen Strategie zu Impfungen (NSI) werden die Rahmenbedingungen geschaffen, um die Impfempfehlungen gemäss dem Schweizerischen Impfplan umzusetzen. Die dazu notwendigen Impfstoffe waren in den letzten Jahren aber wiederholt nur beschränkt verfügbar. Die Lieferengpässe liegen an den hohen technologischen Anforderungen, die zu einem Ungleichgewicht zwischen der weltweiten Impfstoffproduktion und dem zunehmenden Bedarf an Impfstoffen geführt haben.
Der Aktionsplan 2.0 enthält darum auch Massnahmen, um die Versorgungssicherheit zu verbessern, wie zum Beispiel einen Meldemechanismus von Lieferengpässen sowie den Aufbau einer obligatorischen Pflichtlagerhaltung für Impfstoffe, die im Schweizerischen Impfplan empfohlen werden. Unter Aufsicht des BWL müssen die Zulassungsinhaberinnen und Zulassungsinhaber von Impfstoffen Impfstoff-Pflichtlager aufbauen, um die Versorgungssicherheit der Schweiz zu erhöhen.
Weitere Informationen: Nationales Programm Impfungen (NPI)
Epidemiengesetz
Das Epidemiengesetz bezweckt den Schutz des Menschen vor übertragbaren Krankheiten. Es wird nun teilrevidiert. Der Bundesrat hat im August 2025 eine entsprechende Vorlage an das Parlament überwiesen (Stand: Beratung im Parlament). Die Revision baut auf den Erfahrungen der Covid-19-Pandemie auf, dient aber vor allem dazu, künftige gesundheitliche Krisensituationen möglichst gut zu bewältigen.
Im Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit ist etwa vorgesehen, dass der Bund wichtige medizinische Güter beschaffen kann, soweit die Versorgung nicht durch die Kantone und Privatwirtschaft sichergestellt werden kann. Er soll auch medizinische Güter zur Versorgung der Bevölkerung herstellen lassen können. Mit der Revision sollen zudem die Regeln zur Finanzierung wichtiger medizinischer Güter vervollständigt und vereinfacht werden. Dies betrifft vor allem Tests, Impfungen und Arzneimittel.
Weitere Informationen: Revision Epidemiengesetz
Pandemieplan
Der Nationale Pandemieplan dient der Vorbereitung und Bewältigung einer Pandemie in der Schweiz. Er wurde unter der Leitung des BAG überarbeitet, um die Lehren aus der Covid-19-Pandemie einzubeziehen und die Inhalte durch Expertinnen und Experten zu aktualisieren. Der revidierte Pandemieplan wurde im Juil 2025 erstmals auf einer Informationsplattform veröffentlicht, welche die Basis für die regelmässige Aktualisierung bildet. Pandemiepläne dienen den Behörden und weiteren Akteuren als Leitfaden für ihre Arbeiten, zum Beispiel mit Angaben zu verschiedenen Erregern, zu Prävention und Früherkennung, zur medizinischen Versorgung oder Impfungen.
Weitere Informationen: Pandemieplan
Impfstoff-Strategie
Zur langfristigen Förderung der Forschung, Entwicklung und Produktion von Impfstoffen hat der Bundesrat im November 2023 die Impfstoffstrategie 2035 verabschiedet. Sie dient dazu, die Versorgungssicherheit mit Impfstoffen mit Blick auf künftige Pandemien zu erhöhen und die Position der Schweiz als Standort für die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen zu stärken.
Weitere Informationen: Bundesrat verabschiedet Impfstoffstrategie für Krisenzeiten
Weiterführende Themen

Bessere Versorgung mit Medikamenten
Bei einigen Medikamenten des Alltags gibt es regelmässig Engpässe bei der Versorgung. Wer ist zuständig, wenn ein Medikament nicht geliefert werden kann? Was tut der Bund für die Patientinnen und Patienten, für die Spitäler und Pflegeheime?
Sicherheit in der Arzneimittelversorgung
Aktuell kann die Versorgung mit Arzneimitteln nicht in allen Fällen sichergestellt werden. Trotz bereits ergriffener Massnahmen bleibt die Arzneimittelversorgung angespannt. Der Bund realisiert nun weitere Massnahmen zur Stärkung der Arzneimittelversorgung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) im Bereich Arzneimittelversorgung
Die Versorgung mit Medikamenten bleibt angespannt. Hier finden Sie verständlich erklärt Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Ursachen, Verantwortlichkeiten und was Betroffenen tun können.
Bundesamt für Gesundheit BAG
Kompetenzzentrum Versorgungssicherheit
Schwarzenburgstrasse 157
Schweiz - 3003 Bern