Schadensminderung in der Schweizer Suchtpolitik
Die Schweizer Suchtpolitik basiert auf einem ganzheitlichen und pragmatischen Ansatz mit dem Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, Schäden durch Risiko- und Suchtverhalten zu verhindern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. In diesem Rahmen bildet die Schadensminderung neben Prävention, Therapie und Regulierung/Repression eine der vier Säulen der Schweizer Suchtpolitik.
Die Schadensminderung soll die gesundheitlichen, psychischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen und des Suchtverhaltens eindämmen. Sie richtet sich insbesondere an Personen, die (noch) nicht auf ihren Konsum verzichten können oder wollen.
Dieser Ansatz entspricht den Zielen der nationalen Strategie Sucht: Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität, Reduzierung übertragbarer und nichtübertragbarer Krankheiten, Verhinderung vorzeitiger Todesfälle, Förderung der sozialen Inklusion und Gewährleistung eines gerechten Zugangs zu Gesundheitsleistungen.
Eine realitätsnahe und menschenwürdige Politik
Die Schadensminderung basiert auf einem grundlegenden Prinzip: Konsum und Suchtverhalten werden als Teil der Realität anerkannt, damit die Gesundheit und das Leben der Betroffenen geschützt werden können.
Sie geht von der Feststellung aus, dass manche Menschen trotz der Risiken weiterhin Substanzen konsumieren, dies unabhängig davon, ob sie sich in einer Therapie befinden oder nicht. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel nicht nur die Abstinenz, sondern auch die Verminderung der Schäden für die Betroffenen, ihr Umfeld und die Gesellschaft.
Dieser Ansatz stellt die Menschenwürde, die Grundrechte und den Zugang zur Gesundheitsversorgung in den Mittelpunkt des staatlichen Handelns. Er zielt darauf ab, soziale Ausgrenzung zu vermeiden und die Anbindung an das Gesundheits- und Sozialsystem insbesondere durch zugängliche und niederschwellige Angebote aufrechtzuerhalten.
Nutzen für die öffentliche Gesundheit
Die Schadensminderung leistet einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit in der Schweiz. Sie ermöglicht insbesondere:
- die Zahl der Überdosierungen und der Todesfälle im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen zu senken;
- die Übertragung von HIV, Hepatitis und anderen Infektionskrankheiten einzudämmen;
- den Zugang zu medizinischer Versorgung und psychosozialer Begleitung zu verbessern;
- die soziale Stabilität und den Zugang zu Wohnraum zu stärken;
- das Ausmass der Ausgrenzung und Prekarität zu verringern;
- das Leid und die wirtschaftlichen Folgen von Suchterkrankungen zu mindern.
Die Schweiz ist international für ihren pragmatischen und wissenschaftlich fundierten Ansatz anerkannt. Die seit den 1980-er Jahren gesammelten Erfahrungen haben gezeigt, dass schadensmindernde Massnahmen die Gesundheit der betroffenen Menschen verbessern und gleichzeitig der gesamten Gesellschaft zugutekommen.
Weiterführende Themen
Drug Checking
Drug Checking ist ein niederschwelliges Angebot zur Schadensminderung. Personen, die psychoaktive Substanzen konsumieren, können ihre Proben anonym und kostenlos analysieren lassen, um Informationen über die enthaltenen Wirkstoffe und deren Konzentration zu erhalten.
Bundesamt für Gesundheit BAG
Schwarzenburgstrasse 157
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