Gesundheitsrisiken durch zunehmende Hitze in der Schweiz
Steigende Temperaturen erhöhen das gesundheitliche Risiko durch Hitze markant. Dies hat spürbare Folgen für die öffentliche Gesundheit, aber auch für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz oder die Siedlungsentwicklung.
Zunehmende Hitzebelastung durch steigende Temperaturen
Der Klimawandel führt zu höheren Durchschnittstemperaturen und häufigeren Hitzeperioden. Gleichzeitig wächst der Anteil älterer, gesundheitlich vorbelasteter Menschen – eine Bevölkerungsgruppe, die besonders empfindlich auf Hitze reagiert. Faktoren wie die Raumentwicklung beeinflussen das Risiko hitzebedingter Gesundheitsprobleme und Todesfälle erheblich. Entscheidungsträger aus diversen Politikbereichen sind gefordert, die Bevölkerung heute und verstärkt in Zukunft vor Hitze zu schützen.
Auf dieser Seite werden Produkte und Ergebnisse aus dem Forschungsprogramm «Entscheidungsgrundlagen für den Umgang mit dem Klimawandel in der Schweiz (NCCS-Impacts)» präsentiert, bei denen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Lead war.
Hitze und Stadtstrukturen: Wo Risiken zusammentreffen
In Städten verstärken versiegelte Flächen und dichte Bebauung den Hitzeinseleffekt. Die durchgeführten Analysen zeigen, dass sich manche Quartiere stärker erhitzen als andere. Auch die Vulnerabilität unterscheidet sich je nach Quartier: In manchen Stadtteilen halten sich besonders viele vulnerable Menschen auf.
Das Webtool Urban Heat Vulnerability zeigt, wie Hitzebelastung und Vulnerabilität räumlich zusammenfallen – exemplarisch in Bern, Basel und Zürich. Besonders betroffene Quartiere sind oft jene, in denen auch zentrale Einrichtungen wie Pflegeheime, Spitäler oder Schulen liegen. Dadurch sind gleichzeitig Bewohnende, Patientinnen und Patienten sowie Beschäftigte erhöhten Risiken ausgesetzt.
Mehr Informationen dazu finden Sie im Fachbericht und dazugehörigen Faktenblatt:
Zum Webtool: Urban Heat Vulnerability
Hospitalisierungen von Personen mit Spitex-Unterstützung an heissen Tagen
Im Rahmen einer Analyse wurde untersucht, wie sich sehr heisse Tage auf das Risiko von Hospitalisierungen bei Personen mit Spitex-Unterstützung auswirken.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für eine Hospitalisierung bei Personen ab 65 Jahren mit Spitex-Unterstützung an sehr heissen Tagen um 12 Prozent erhöht ist. Dabei unterscheiden sich die Risikofaktoren nach Geschlecht: Bei Männern spielen insbesondere Krebs, COPD und koronare Herzkrankheit eine Rolle, während bei Frauen Angstzustände sowie Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen stärker ins Gewicht fallen.
Die Analyse zeigt zudem, dass die Hitzeanfälligkeit dieser Bevölkerungsgruppe durch ein Zusammenspiel von Geschlecht, Alter, Funktionsstatus und Vorerkrankungen bestimmt wird. Entsprechend sind an sehr heissen Tagen gezielte und auf die Situation abgestimmte Unterstützungs- und Präventionsmassnahmen erforderlich.
Mehr Informationen dazu finden Sie im Fachbericht:
Notfallkonsultationen in Spitälern während Hitzeperioden
Im Rahmen von Modellierungen wurde der Zusammenhang zwischen der Umgebungstemperatur und der Anzahl Besuche in der Notaufnahme des Universitätsspitals Bern untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass bei steigenden Temperaturen die Inanspruchnahme der Notaufnahme erhöht wird.
Auf dieser Grundlage wurde das Webtool Forecasting tool for hospital demand entwickelt. Dieses ermöglicht kurzfristige Prognosen der erwarteten Anzahl von Patientenbesuchen in der Notaufnahme unter Berücksichtigung von Temperaturprognosen für die nächsten Tage. Die Modellierung zeigt, dass an heissen Tagen 3 Prozent mehr Notaufnahmen auftreten gegenüber der durchschnittlichen Anzahl im Sommer.
Das Webtool kann von Entscheidungsträgern und Forschenden aus den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Politik mit eigenen Daten genutzt werden, um die Ressourcenplanung während Hitzeperioden zu verbessern und eine angemessene Versorgungsqualität sicherzustellen.
Mehr Informationen dazu finden Sie im Fachbericht:
Zum Webtool: Forecasting tool for hospital demand
Hitzebedingte Todesfälle um 2060
Die Ergebnisse zeigen, dass die hitzebedingte Sterblichkeit in der Schweiz um 2060 deutlich höher sein wird als heute. Nebst dem Klimawandel spielt dabei der demografische Wandel eine Schlüsselrolle. Je nach globalem Klimaschutz ist unter Berücksichtigung des erwarteten demografischen Wandels mit rund 1'000 bis 2'500 hitzebedingten Todesfällen zu rechnen, verglichen mit 300 Fällen in der Referenzperiode von 1981 bis 2010.
Die ermittelte Belastung ist nicht überall gleich hoch. Besonders stark betroffen dürften die Genferseeregion, das Tessin sowie dicht bebaute städtische Gebiete sein. Anpassungs- und Schutzmassnahmen sollten daher lokal angepasst werden.
Mehr Informationen dazu finden Sie im Fachbericht und dazugehörigen Faktenblatt:
Diese Arbeiten wurden durch das National Centre for Climate Services NCCS gefördert und im Rahmen des Programms «Entscheidungsgrundlagen für den Umgang mit dem Klimawandel in der Schweiz (NCCS-Impacts)» als Teil des Projektes «Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit von Mensch und Tier» durchgeführt.
Weitere Informationen zum NCCS-Impacts finden Sie hier: Programm NCCS-Impacts.
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