Krankenversicherung: Die freiwillige Taggeldversicherung

Die freiwillige Taggeldversicherung deckt das Risiko eines vorübergehenden Lohnausfalles bei einer teilweisen oder vollen Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit, Mutterschaft oder Unfall ab.

Zwei verschiedene Versicherungssysteme

  • Das Taggeld kann nach zwei verschiedenen Gesetzen versichert werden, nämlich einerseits gestützt auf das Bundesgesetz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) und andererseits gestützt auf das Bundesgesetz vom 2. April 1908 über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG; SR 221.229.1).
  • Die Taggeldversicherung nach dem KVG ist eine Sozialversicherung und wird von KVG-Versicherern durchgeführt.
  • Die Taggeldversicherung nach dem VVG beruht auf einem privatrechtlichen Versicherungsvertrag. Sie kann durch Versicherungsunternehmen im Sinne des Bundesgesetzes vom 17. Dezember 2004 betreffend die Aufsicht über die Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG; SR 961.01) durchgeführt werden.
  • Auch KVG-Versicherer können die Taggeldversicherung nach dem VVG durchführen, dies gestützt auf die Möglichkeit zur Durchführung von Zusatzversicherungen neben der Durchführung der sozialen Krankenversicherung.

Die Taggeldversicherung nach dem KVG

  • Die KVG-Versicherer müssen in der Schweiz wohnhafte oder erwerbstätige Personen zwischen 15 und 65 Jahren in der Taggeldversicherung nach KVG aufnehmen.
  • Die KVG-Versicherer müssen allen Versicherten das Taggeld in gleicher Höhe und für die gleiche Dauer anbieten. Versicherungsvorbehalte für bestehende Krankheiten fallen nach fünf Jahren dahin.
  • Sie richten die Taggelder ab einer Arbeitsunfähigkeit von 50% während mindestens 720 Tagen innerhalb von 900 Tagen aus. Bei Schwangerschaft und Geburt gelten besondere Regelungen.
  • In der Einzelversicherung erheben sie für gleiche Leistungen die gleichen Prämien. In der Kollektivversicherung können von der Einzelversicherung abweichende (höhere) Leistungen vereinbart werden und die Prämien können nach dem Risiko des einzelnen Vertrages festgelegt werden.
  • Muss die versicherte Person bei Aufnahme oder Beendigung eines Arbeitsverhältnisses den Versicherer wechseln, dürfen keine neuen Versicherungsvorbehalte angebracht werden.
  • Beim Ausscheiden aus einer Kollektivversicherung besteht ein Recht auf Übertritt in die Einzelversicherung zu den bisher versicherten Leistungen.
  • Arbeitslosen Versicherten ist bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 25 Prozent das halbe Taggeld und bei mehr als 50 Prozent das ganze Taggeld auszurichten. Zudem haben arbeitslose Versicherte gegen angemessene Prämienanpassung Anspruch auf Änderung ihrer bisherigen Versicherung in eine Versicherung mit Leistungsbeginn ab dem 31. Tag.
  • Das KVG schreibt den Versicherern keine Mindesthöhe des Taggeldes vor. Die Versicherer sind also nicht verpflichtet, einem Bewerber einen Versicherungsschutz anzubieten, den dieser zur Deckung des voraussichtlichen Erwerbsausfalls bei Krankheit benötigt. Viele Versicherer bieten nur ein geringes Taggeld nach KVG an. Deshalb sind viele Personen für ein höheres Taggeld nach VVG taggeldversichert.

Die Taggeldversicherung nach dem VVG

  • In der Taggeldversicherung nach dem VVG gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit. Es gibt also keine Aufnahmepflicht.
  • Versicherungsvorbehalte für bestehende Krankheiten können zeitlich unbefristet angebracht und bestimmte Krankheitsrisiken von der Leistungspflicht ausgenommen werden.
  • Höhe und Dauer der Leistungen können frei vereinbart werden.
  • Das Gesetz garantiert kein Recht auf Freizügigkeit und auf Übertritt von der Kollektiv- in die Einzelversicherung. Die Bestimmungen des KVG zum Schutz von arbeitslosen Versicherten müssen aber auch in Versicherungsverträgen nach VVG beachtet werden.

Die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers

  • Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird das Risiko eines Lohnausfalles bei Krankheit auch durch die Lohnfortzahlungspflicht der Arbeitgeber, wie sie im Obligationenrecht und der Rechtsprechung festgehalten ist, abgedeckt.
  • Diese Lohnfortzahlungspflicht hat sehr oft zur Folge, dass die Arbeitgeber Taggeldversicherungen nach dem KVG oder dem VVG abschliessen.
  • Die Verpflichtung zum Abschluss einer Taggeldversicherung ist meistens auch in Gesamtarbeitsverträgen festgehalten.

Letzte Änderung 03.07.2018

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