Materialemissionen

Eine geeignete Wahl von Produkten, Materialien und Konstruktionen hilft Chemikalienemissionen aus Materialien auf ein Minimum zu beschränken. Produktelabels erleichtern die Auswahl.  

Gesund bauen zielt auf eine minimale Schadstoffemission aus Baumaterialien während der Nutzungsphase ab. Grundsätzlich ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gebäudenutzer weniger entscheidend, ob gefährliche Chemikalien im Material enthalten sind. Vielmehr kommt es darauf an, ob und in welchen Mengen die Baumaterialien Schadstoffe in die Raumluft freisetzen. Bedeutend sind dabei vor allem die Emissionen flüchtiger Chemikalien (Formaldehyd, VOC) aus Anstrichstoffen, Klebstoffen, Dichtungsmassen, sowie Boden- und Wandbelägen.

Durch eine geeignete Wahl von Produkten, Materialien und Konstruktionen können diese Belastungen auf ein Minimum beschränkt werden. Keine oder nur geringe Emissionen gehen von mineralischen Baustoffen (Steine, Ziegel, Mörtel, Beton, Kalk- und Silikatanstriche, Glas), von Metallen und Massivholz aus. Lösemittelfreie Produkte haben deutlich geringere Anfangsemissionen als lösemittelhaltige. Darüber hinaus sind pauschale Aussagen kaum möglich: Technisch vergleichbare Produkte können sehr unterschiedliche Emissionen aufweisen und auch «natürliche» Materialien können die Raumluft belasten. Deshalb empfiehlt es sich, Produkte einzusetzen, deren Emissionen geprüft und beschränkt sind. Einige Produktelabels wie z.B. «natureplus», «blauer Engel», die «Umwelt-Etikette» für Farben, Lacke und Beschichtungen, «GEV-EMICODE EC1» für Verlegewerkstoffe, «GUT» für Teppichböden, «Oekotex Standard 100 / Standard 1000» für Wohntextilien beinhalten eine solche Prüfung.

Emissionen lassen sich auch durch konstruktive Massnahmen reduzieren. So können durch die mechanische Befestigung von Materialien Emissionen von flüchtigen Chemikalien aus Klebstoffen vermieden werden. Baustoffe müssen zudem aufeinander abgestimmt und korrekt verarbeitet sein: Durch Materialunverträglichkeiten oder ungünstige Einbaubedingungen - wie bei zu feuchtem Untergrund - können unerwünschte chemische Reaktionen in Gang kommen, die zu lange anhaltenden Emissionen von geruchsintensiven und irritativen Abbauprodukten führen können. Solche Probleme lassen sich dann meist nur durch die vollständige Entfernung der betreffenden Materialien wieder beseitigen.

In Neubauten und renovierten Räumen treten während der ersten Tage bis Wochen erhöhte Belastungen mit flüchtigen organischen Verbindungen auf. Solche Emissionen lassen sich nie ganz vermeiden, da sie durch das Trocknen und Aushärten von Anstrichen, Klebstoffen, Dichtungsmassen und anderen vor Ort verarbeiteten «nassen» Baustoffen bedingt sind. Auch fabrikneue Materialien weisen meist höhere Emissionen auf als gealterte. Bei einem frühen Bezug einer Wohnung sind daher Klagen über Gerüche, schlechte Raumluftqualität und unspezifische Beschwerden nicht auszuschliessen. Um solche Probleme zu vermeiden, sollte immer eine genügend lange Wartezeit bis zum Einzug in einen Neubau oder eine renovierte Wohnung eingeplant werden.

Letzte Änderung 15.08.2018

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