Wie breiten sich Antibiotikaresistenzen aus?

Resistente Bakterien können genau wie nicht resistente Bakterien zwischen Menschen und Tieren übertragen werden und viele verschiedene und komplexe Übertragungswege gebrauchen.

Jeder Einsatz von Antibiotika begünstigt die Entstehung resistenter Bakterien. Wer nicht-bakterielle Infektionen mit Antibiotika behandelt oder sich nicht an die Verschreibung seiner Ärztin oder seines Arztes hält, beschleunigt die Entwicklung und Vermehrung solcher Bakterien. Die Ärztinnen und Ärzte sowie die Tierärztinnen und Tierärzte sind verantwortlich für einen massvollen und vernünftigen Einsatz von Antibiotika, aber es liegt auch an den Patientinnen und Patienten sowie an den Tierhaltenden, die Medikamente gemäss den Anweisungen einzunehmen und anzuwenden. Um das Fortschreiten der Antibiotikaresistenzen zu bremsen und die Verbreitung zu begrenzen, ist es jedoch am Besten, wenn es gar nicht zu einer Infektion kommt und somit auch niemand angesteckt werden kann.

Wo findet man antibiotikaresistente Bakterien?

Bakterien gibt es überall auf dem Planeten: auf und in anderen Lebewesen, aber auch in der Luft, im Wasser und im Boden. Ohne Bakterien gäbe es kein Leben auf der Erde. Auch antibiotikaresistente Bakterien (sowohl pathogene wie auch nicht pathogene Arten) sind noch in den hintersten Winkeln des Planeten anzutreffen, weil Bakterien und Pilze seit Milliarden von Jahren selber Antibiotika herstellen, um sich zu schützen. Doch verschiedene Resistenzformen der Bakterien haben sich auch weiterentwickelt, seit der Mensch Antibiotika verwendet, sei es um sich selbst oder seine Haus- oder Hoftiere damit zu behandeln.

Antibiotika und resistente Bakterien werden (wie viele andere Medikamente auch) mit dem Kot ausgeschieden. Sie gelangen durch die Kanalisation in die Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Die ungefähr 700 ARA in der Schweiz behalten zwar einen Grossteil der Antibiotika und der Bakterien zurück, aber nicht die Gesamtheit. Am Ausfluss der ARA sind deshalb resistente Bakterien zu finden. Die ARA in der Schweiz werden im Moment aufgerüstet und modernisiert, damit sie zahlreiche Mikroverunreinigungen - einschliesslich der Antibiotika – besser aus dem Wasser entfernen können. Mittelfristig dürfte sich das Vorkommen von Antibiotikarückständen und resistenten Bakterien in den Gewässern dadurch senken.

Antibiotika werden auch in der Aufzucht von Tieren und in der Landwirtschaft eingesetzt. Zuchttiere und gewisse tierische und pflanzliche Nahrungsmittel können deshalb ebenso resistente Bakterien enthalten. Leider ist es nicht mehr selten, dass man im rohen Fleisch dieselben resistenten Bakterienstämme nachweisen kann, die auch bei Patientinnen und Patienten im Spital festgestellt werden. Die Antibiotikaresistenz muss also gemäss dem Konzept One Health (eine Gesundheit) angegangen werden, das heisst unter berücksichtigung aller Faktoren, die einen Einfluss auf die Entwicklung von Resistenzen haben können:

  • die Gesundheit der Menschen,
  • die Gesundheit der Haustiere,
  • die Gesundheit der Zuchttiere,
  • Umweltfaktoren.

Die möglichen Verbreitungswege von (resistenten und nicht resistenten) Bakterien

Die Human- und Veterinärmedizin, teilweise die Landwirtschaft wie auch die Fischzucht sind alle auf Antibiotika angewiesen, um infektiöse Erkrankungen bekämpfen zu können. Resistente Bakterien können sich dort entwickeln oder ansammeln, wo Antibiotika einge-setzt werden. Von diesen Orten aus können sie sich über mehrere Wege ausbreiten. In Krankenhäusern übertragen sie sich durch den Kontakt von Patientinnen und Patienten untereinander oder den Kontakt mit dem Pflegepersonal. Die Bakterien können sich auch über infizierte Oberflächen oder verseuchte medizinische Geräte ausbreiten. Auch aus-serhalb von Spitälern können sich resistente Keime mit der tierischen Nahrungsaufnahme, mit der Düngung von Feldern mit verseuchtem Tierkot oder in Abwasserreinigungsanlagen verschleppen. Die internationale Reisetätigkeit trägt ebenfalls dazu bei, die Ausbreitung resistenter Bakterien zu beschleunigen.
Quelle: © bioMérieux, modifiziert durch Communication in Science

Wie breiten sich resistente Bakterien aus?

Resistente Bakterien können genau wie nicht resistente Bakterien zwischen Menschen und Tieren übertragen werden. Weil Bakterien viele verschiedene und komplexe Übertragungswege gebrauchen, gelingt es ihnen nicht nur, von einem Individuum auf das nächste zu springen, sondern auch von einer biologischen Art auf eine andere. Am häufigsten werden Bakterien über die Hände übertragen, im direkten Kontakt mit (gesunden oder kranken) Personen, die Bakterien auf sich tragen. Aber man kann auch Bakterien auflesen, wenn man mit den Händen verseuchte Oberflächen berührt.

Resistente Bakterien, die sich in einer mit Antibiotika behandelten Person entwickeln, können sich gut auf ein Haustier übertragen – oder umgekehrt. Resistente Bakterien können auch von Zuchttieren auf Menschen übergehen: So kann sich ein Züchter beispielsweise mit Bakterien infizieren, die sich in einem Tier entwickelt haben, das der Züchter mit Antibiotika behandeln musste. Zudem können sich resistente Keime während der Schlachtung im rohen Fleisch festsetzen und es verunreinigen.  

Weil nicht alle Mikroben in den Abwasserreinigungsanlagen zurückgehalten werden, findet man resistente Bakterien mitunter auch in Oberflächengewässern und im Grundwasser. Deshalb können solche Keime auf Früchte und Gemüse gelangen, die mit infiziertem Wasser begossen oder mit verseuchter Gülle gedüngt werden.  

Die Ausbreitung resistenter Bakterien wird durch Reisen und den internationalen Handel beschleunigt, genau so wie durch die Fähigkeit der Bakterien, gegenseitig genetisches Material auszutauschen.

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Letzte Änderung 20.07.2018

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