Chemikalien gegen Schädlinge

Um im Haushalt Mücken fern zu halten oder Schädlinge wie Schaben zu bekämpfen, werden zahlreiche Chemikalien angeboten. Diese können sehr wirksam, aber auch problematisch sein, weil sie die Gesundheit gefährden können.

Mit dem Begriff Biozide werden Chemikalien bezeichnet, die in spezifischer Weise gegen Schadorganismen eingesetzt werden. Wegen ihrer Eigenschaft, gezielt Lebewesen zu töten, bergen Biozide (wie Pestizide in der Landwirtschaft) von vornherein Gefahren für die Gesundheit. Dies ist der Grund, weshalb für diese Produkte ein strenges Zulassungsverfahren gilt (geregelt in der Biozidprodukteverordnung VBP).

Biozide werden in vielfältiger Art in verschiedenen Bereichen eingesetzt, z.B. als Desinfektionsmittel zum Schutz vor Bakterien und Viren, als Konservierungsmittel in technischen Produkten wie Farben und Lacken, als Holzschutzmittel zum Schutz des Holzes vor Insekten- und Pilzbefall, als Insektenmittel gegen die unterschiedlichsten Schadinsekten in Haushalt und Industrie oder als Gifte gegen Ratten und Mäuse. All diese Biozide sind in der VBP je nach ihrem Verwendungszweck in 23 Produktarten unterteilt.

Sind Schädlingsbekämpfungsmittel gefährlich?

Schädlingsbekämpfungsmittel (Biozide) sind vom Bundesamt für Gesundheit geprüft worden. Bei sachgemässer Verwendung, entsprechend den Etikettenangaben und unter Beachtung der angegebenen Vorsichtsmassnahmen, sind keine wirklichen Gesundheitsrisiken zu erwarten. Trotzdem sollten diese Mittel, besonders im Innenraum, immer mit Vorsicht eingesetzt werden, denn übermässige Anwendung kann längerfristig die Raumumgebung und somit auch die Bewohner belasten. Auch sind spezielle Vorkommnisse nie auszuschliessen, z.B. sind Asthmatiker durch Sprays speziell gefährdet. Generell sind die Mittel nach dem Prinzip "so viel wie nötig, so wenig wie möglich" anzuwenden.

Vorbeugen statt Chemikalien verwenden:

  • Regelmässige Reinigung der Wohnräume verringert das Risiko eines Schädlingsbefalls.
  • Nur saubere Kleidung im Schrank aufbewahren (Motten bevorzugen getragene Kleider).
  • Mückengitter an Fenstern und Türen gegen Stechmücken im Wohnraum anbringen.
  • Lebensmittel in geschlossenen Behältern  aufbewahren.

Bei einem Einsatz der Mittel ist zu beachten:

  • Chemikalien müssen sicher vor Kindern aufbewahrt werden.
  • Gebrauchsanleitungen, Warnhinweise (Symbole, H- und P-Sätze) beachten.
  • Eine Daueranwendung in Innenräumen ist zu vermeiden (Elektroverdampfer gemäss Gebrauchsanleitung).
  • In Küchen eher passiv wirkende Mittel anwenden (Köderdosen).
  • Vor der Verwendung von Sprays Aquarien, Vogelkäfige und Lebensmittel entfernen oder abdecken.
  • An Haustieren (z.B. gegen Flöhe, Zecken) nur dafür vorgesehene Mittel anwenden (dürfen nur Repellentwirkstoffe enthalten). Produkte mit insektiziden Wirkstoffen nur für Tierumgebung.
    Produkte die Pyrethroide (z.B. Permethrin) oder Teebaumöl (als WS nicht mehr notifiziert, jedoch gelegentlich als Duftstoff enthalten) enthalten sind besonders giftig für Katzen.
  • Maus- und Rattengifte nicht offen auslegen, Kinder und Haustiere fernhalten. Köderboxen am Ende wieder entfernen

Vor dem Einsatz zu beachten:

  • Falls ein grösserer Befall von Schädlingen festgestellt wird, ist professionelle Hilfe nötig. Dies ist insbesondere bei Problemen mit Schaben oder Mäusen und Ratten in Betracht zu ziehen.   

Arten von Schädlingsbekämpfungsmitteln

Unter den Chemikalien für die Schädlingsbekämpfung sind es vor allem die Insektenmittel, die auch für den Haushalt angeboten werden. Schädliche oder lästige Insekten möchte man damit loswerden: Mücken, Fliegen, Schaben, Ameisen, Motten, Käfer, Läuse, Wanzen oder Silberfischchen sind in Haushalten anzutreffen. Gegen kriechende und fliegende Insektenarten wurden verschiedene Produkte und Abwehrstrategien entwickelt. Passiv wirkende Insektenmittel wie Ameisenköderdosen oder Fliegenfänger locken das Insekt zum Wirkstoff, während Sprays oder Verdunster aktiv gegen Insekten eingesetzt werden.

Sprays gibt es sowohl gegen fliegende Insekten (z.B. Fliegen und Wespen) wie auch gegen kriechende (Silberfischchen, Schaben), sei es als Aerosolspray mit einem Treibmittel (Propan / Butan) oder als Pumpspray ohne Treibmittel. Häufig verwendete Wirkstoffe sind synthetische Pyrethroide (z.B. Permethrin, Tetramethrin), der pflanzliche Naturextrakt Pyrethrum, Carbamate oder Phosphorsäureester.

Elektroverdampfer zur Mückenabwehr geben bei eingeschaltetem Gerät den Wirkstoff gleichmässig in die Raumluft ab und bieten einen vor allem nachts gesuchten Schutz vor den Stechmücken. Über Wirkstoffplättchen, die in das Gerät eingelegt werden, oder über Wirkstofflösungen in Fläschchen, verdampft durch elektrisches Aufheizen ein Wirkstoff, häufig ein Pyrethroid (z.B. Transfluthrin) oder Pyrethrum.

Insektenstrips (Kassetten) entfalten eine länger anhaltende Wirkung gegen Fliegen und Mücken im Innenraum. Der Wirkstoff Dichlorvos, ein Phosphorsäureester, verdampft aus dem Karton- oder Kunststoff-Strip in die Raumluft. Dichlorvos hat sich allerdings in einer kürzlichen Überprüfung in der EU als problematisch für die Gesundheit und Umwelt erwiesen, deswegen werden diese Produkte in Kürze ganz vom Markt eliminiert werden.

Mottenmittel: Insbesondere im Kleiderschrank eingesetzt, verdampfen die Wirk- oder Duftstoffe aus Papierstreifen oder Sachets und schützen die Textilien vor dem Frass durch Motten und Mottenlarven über mehrere Monate. Mittel mit Duftstoffen (z.B. Lavendel) halten die Motten fern, ohne die Insekten zu töten ("Repellentwirkung"). Andere locken die Motten mit einem Lockstoff (Pheromon) an und die Tiere bleiben in der Klebefalle haften. Die Mittel mit insektiziden Wirkstoffen (meist Pyrethroide, z.B. Transfluthrin oder Empenthrin) töten die Mottenlarven und Motten ab und beugen auch einem Neubefall vor.   

Ameisenköderdosen wirken passiv, indem sie den Wirkstoff nicht an die Umgebung abgeben. Die Dosen enthalten einen Lockstoff sowie den insektiziden Wirkstoff, z.B. einen Phosphorsäureester.  

Gifte gegen Ratten und Mäuse (Rodentizide) sind heute meist Wirkstoffe, die die Blutgerinnung hemmen und ihre Wirkung langsam (über Tage) entfalten (sogenannte Antikoagulantien, darunter fallen z.B. Warfarin, Difenacoum, Brodifacoum). Mäuse oder Ratten, die das Gift aufgenommen haben, sterben erst ein paar Tage später an inneren Blutungen. Der Tod des Artgenossen wird dann nicht mehr mit dem Köder in Verbindung gebracht und die Mitglieder der restlichen Sippe verlieren ihr Misstrauen. Gegen manche der Gifte haben die Ratten allerdings schon Resistenzen ausgebildet.

Akut wirkende Produkte, die als Wirkstoff z.B. Alpha-Chloralose enthalten, sind bereits bei einmaliger Aufnahme voll wirksam. Die schnell eintretenden Vergiftungssymtome führen bei Ratten jedoch oft zu Köderscheu.  

Insektenrepellentien, Mückenschutzmittel für die Haut

Mückenschutzmittel zum Einsprühen oder Einreiben der Haut sollen uns Mücken, Zecken, Flöhe oder Bremsen vom Leib halten. Stiche sind unangenehm, unter Umständen drohen auch ernsthafte gesundheitliche Risiken, z.B. durch Zeckenstiche übertragene Krankheiten (Borreliose, Meningoenzephalitis) oder Malaria auf Reisen in tropische Länder. Einen zuverlässigen Schutz vor diesen Insekten ist mit den Repellentien allein nicht zu erreichen, angepasstes Verhalten (z.B. durch Kleidung) ist ebenso erforderlich.

Repellentien enthalten häufig folgende Wirkstoffe:

DEET: ist wohl einer der wirksamsten Repellentwirkstoffe überhaupt. Je höher die Konzentration im Insektenmittel (bis 28 %) desto länger die Schutzwirkung (Anpreisungen bis über acht Stunden). DEET wird über die Haut auch in den Organismus aufgenommen, abgebaut und über den Urin ausgeschieden. Die höher konzentrierten Mittel reizen Augen und Schleimhäute, was bei der Anwendung zu beachten ist. Umfangreiche toxikologische Studien haben bis heute keine Hinweise auf weitergehende gesundheitliche Risiken ergeben. Es gibt einzelne Fallberichte über Komplikationen mit DEET. Gemessen an der jahrzehntelangen Verwendung durch Millionen von Menschen erscheinen die Risiken aber nicht höher als bei allen Produkten, die wir verwenden.

EBAAP (IR3535) und Icaridin (Bayrepel) sind zwei weitere synthetische Repellentwirkstoffe. Auch bei ihnen geben die toxikologischen Studien keine Hinweise auf gesundheitliche Gefährdungen.  

Mittel mit pflanzlichen Wirkstoffen (z.B. Lavendelöl) werden oft als gesundheitlich weniger bedenklich wahrgenommen als synthetische. Vorsicht ist aber auch bei diesen Mitteln angebracht. Limonen z.B., ein häufig vorkommender Duftstoff in den ätherischen Ölen, ist für ein gewisses Risiko für Hautallergien bekannt. Die Wirksamkeit, insbesondere die Wirkdauer der natürlichen Mittel, liegt gegenüber den synthetischen oft deutlich tiefer.

Bei der Verwendung der Repellentien zu beachten:

  • Schwitzen oder Baden kann die angepriesene Wirkungsdauer der Mittel erheblich verkürzen.
  • Bei Kleinkindern zurückhaltend anwenden (Schutz durch Kleidung, Netze über Kinderwagen).
  • Wo möglich Moskitonetze (ev. imprägniert mit Insektiziden) anbringen statt Repellentien versprühen.

Weiterführende Themen

Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel enthalten Wirkstoffe, die Mikroorganismen hemmen oder abtöten. So wird verhindert, dass sie Krankheiten oder Lebensmittelvergiftungen hervorrufen.

Letzte Änderung 13.12.2016

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