Evaluation des Transplantationsgesetzes

Die Qualität des Transplantationsgesetzes sowie der Vollzug des Gesetzes werden evaluiert. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich Optimierungsvorschläge formulieren.

Die durch das Monitoring erhobenen Daten werden in zwei Schritten ausgewertet und in Massnahmen umgesetzt:

  • Die formative Evaluation liefert einen Beitrag zur Vollzugsoptimierung des am 1. Juli 2007 in Kraft getretenen Transplantationsgesetzes. Ziele sind eine fortlaufende bedarfsgerechte Berichterstattung in Bezug auf direkt und indirekt relevante Vollzugsfragen sowie die Schaffung einer guten Grundlage für die summative Evaluation. Die formative Evaluation wurde von der luzernischen Firma INTERFACE Institut für Politikstudien zwischen dem 1. Mai 2007 und dem 31. Dezember 2009 durchgeführt.
  • Die summative Evaluation (Gesetzesevaluation) zum Vollzug des Transplantationsgesetzes ist eine rückblickende, bilanzierende Analyse, die ab dem Jahr 2018 durchgeführt werden wird und auf den Ergebnissen der formativen Evaluation aufbaut.

Vollzug gut angelaufen

Die Ergebnisse der formativen Evaluation zeigen insgesamt, dass der Vollzug des Transplantationsgesetzes gut angelaufen ist. Die Kooperationsbereitschaft der Betroffenen und der Beteiligten ist hoch. Hervorzuheben ist, dass der Prozess der zentralen Organzuteilung sehr gut funktioniert. Die Zuteilungsregeln werden eingehalten. Die Folge davon sind transparente und im Sinne des Gesetzes gerechte Zuteilungsentscheide. Aus heutiger Sicht gibt es keine Anzeichen, dass wichtige Intentionen des Gesetzes, wie die Herstellung von Transparenz, der Schutz der Menschenwürde, der Persönlichkeit und der Gesundheit nicht erreicht werden.

Herausforderungen

Eine politische Herausforderung stellt die bestehende Diskrepanz zwischen geringem Angebot und hohem Bedarf an Organen dar. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat daher zusammen mit wichtigen Akteuren entsprechende Strategien entwickeln, um

  • die Spendearbeit in den Spitälern zu optimieren
  • die Prozesse zur Identifikation potenzieller Spenderinnen und Spender und bei der Betreuung der Angehörigen zu vereinheitlichen
  • die Schweizer Bevölkerung gezielter als bisher zu motivieren, ihre Haltung zur Organspende mündlich oder schriftlich zu kommunizieren

2013 hat der Bundesrat den Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» lanciert.

Optimierungsmassnahmen

Basierend auf den Ergebnissen aus der formativen Evaluation per Juli 2009 wurden auch Optimierungsmassnahmen im operativen Vollzug des Transplantationsgesetzes beschlossen. Einige der Massnahmen konnten bereits umgesetzt werden, andere befinden sich im Prozess der Umsetzung. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenstellung der wichtigsten operativen Massnahmen. Die ausführlichen Ergebnisse sind im «Executive summary Formative Evaluation TxG 2009» (siehe unter «Dokumente»).

Bevölkerungsinformation

  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bietet neu eine Informationsbroschüre zum Thema Transplantation und Spende von Organen, Geweben und Zellen in diversen Fremdsprachen an. Die Broschüre richtet sich in erster Linie an Migrantinnen und Migranten. Dem Spitalpersonal und den Ärzten hilft sie bei der Kommunikation mit fremdsprachigen Patienten und deren Angehörigen (Bezugsmöglichkeit siehe unter «Links»).
  • Das BAG führt regelmässig Kampagnen zur Information der Bevölkerung durch. Das Konzept der Kampagnen wird jeweils mittels Pretest evaluiert. Zudem wird für jede Kampagne eine Nullmessung und ein Posttest durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen Tests dienen intern der Optimierung und Weiterentwicklung der Kampagnen.

Situation Kantone und medizinisches Personal

  • Zusammen mit Kantonen und Spitälern, in denen der Vollzug des Transplantationsgesetzes wenig fortgeschritten ist, werden Massnahmen geprüft. Das BAG trägt Informationen zur Praxis der Abgeltung der Spendearbeit in den Spitälern mit Intensivstationen zusammen, um abzuklären, ob sich die heutige Praxis nachteilig auf die Spendearbeit auswirkt.
  • Die Information und Sensibilisierung des Personals auf Intensiv- und Notfallstationen kann einen Einfluss auf die Verfügbarkeit gespendeter Organe haben. Dies zeigt der Bericht «Prüfung von Massnahmen zur Erhöhung der Anzahl verfügbarer Organe zu Transplantationszwecken in der Schweiz» (siehe nachfolgender Link). Die Kantone sind dafür zuständig, dass die erforderlichen Fort- und Weiterbildungsprogramme durchgeführt werden. Deshalb sind die Kantone im Steuerungs- und im Begleitgremium des Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» vertreten.

Melde- und Bewilligungswesen

  • Das BAG und Swissmedic haben die Kooperation intensiviert in den Bereichen Bewilligungen für Transplantationsaktivitäten und Lagerungen. So wurden die Abläufe für bewilligungspflichtige Institutionen vereinfacht.
  • Nach ersten Erfahrungen mit der Meldepflicht und mehr Informationen zum weiteren Vorgehen bezüglich des EU-Gesundheitsabkommens, hat das BAG geprüft, ob eine Bewilligungspflicht für die Lagerung autogener Blut-Stammzellen eingeführt werden soll. Es wurde beschlossen, weitere Verhandlungen im Rahmen des EU-Gesundheitsabkommens abzuwarten und vorerst keine solche Bewilligungspflicht einzuführen.

Erweiterte Zustimmungslösung und Angehörigenbetreuung

  • Das BAG fördert zusammen mit Swisstransplant die Kompetenzen des medizinischen Personals bei Angehörigengesprächen im Zusammenhang mit der Organ- und insbesondere auch der Gewebespende.
  • Das BAG prüft, wie in der Bevölkerung das Verständnis für die «Hirntod»-Kriterien verbessert werden könnte.
  • Das BAG klärt zusammen mit relevanten Akteuren, wie die Zusammenarbeit in den Netzwerken sowie zwischen den Netzwerken gestärkt werden könnte.

Verfügbarkeit von Organen, Geweben und Zellen

  • Das BAG verlangt von den betroffenen Swisstransplant-Arbeitsgruppen eine Begründung zu den stetig wachsenden Wartelisten.
  • Das BAG überprüft zusammen mit der Neukonzeption der Bevölkerungsinformation die bisherige Fokussierung der Medien-Kampagne auf die Organe und zieht allenfalls Gewebe und Blut-Stammzellen verstärkt mit ein.
    Sobald Ergebnisse der Swiss Transplant Donor Study zu Spenderzahlen der einzelnen Spitäler vorliegen, wird die Sektion Transplantation zusammen mit relevanten Akteuren Massnahmen zur Angleichung des Spenderaufkommens zwischen Spitälern prüfen.
  • Auf Initiative des BAG wurde die Studie «Swiss Monitoring of Potential Donors» (SwissPOD) durchgeführt. Diese prospektive Kohortenstudie untersuchte sämtliche Todesfälle auf allen Intensiv- und vielen Notfallstationen der Schweizer Spitäler im Zeitraum zwischen September 2011 und August 2012 und evaluierte den Spendeprozess in den jeweiligen Spitälern.

Qualität von Transplantationen

Das BAG ist daran interessiert, die Swisstransplant Cohort Study zur Lebensqualität transplantierter Patienten und Patientinnen längerfristig zu sichern und eine umfassende Qualitätskontrolle der erhobenen Daten zu unterstützen. Die Sektion unterstützt daher die Kohortenstudie langfristig.

Rechtliche Anpassungen

  • Um die Zuteilung der Organe zu optimieren werden die Verordnungen und insbesondere die Organzuteilungsverordnung EDI laufend optimiert.
  • Um die Probleme im Bereich der Erwerbsausfallentschädigung sowie der Finanzierung von Nachsorgeuntersuchungen bei Lebendspenden zu beseitigen, hat der Bundesrat in der laufenden Gesetzesrevision vorgeschlagen, dass die Erwerbsausfallentschädigung, unabhängig vom zuständigen Versicherer, vollständig übernommen werden muss. Zudem sollen gemäss Vorlage des Bundesrates die Kosten für die Nachsorgeuntersuchungen mit einer Pauschale zum Zeitpunkt der Spende abgegolten werden.

Dokumente

Executive Summary Formative Evaluation TxG 2009 (PDF, 199 kB, 16.11.2009)Ergebnisse der formativen Evaluation des Vollzugs des Transplantationsgesetzes

Links

Gesetze

Gesetzgebung Transplantationsmedizin

Das Transplantationsgesetz schafft die rechtlichen Grundlagen für die Transplantationsmedizin in der Schweiz. Es basiert auf dem Verfassungsartikel 119a und wird ergänzt durch sechs Ausführungsverordnungen.

Weiterführende Themen

Monitoring des Transplantationsgesetzes

Mit dem Monitoring werden systematisch Daten aus dem schweizerischen Transplantationswesen gesammelt. Damit können Trends und Veränderungen im Bereich der Transplantationsmedizin sichtbar gemacht werden.

Letzte Änderung 06.08.2018

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Kontakt

Bundesamt für Gesundheit BAG
Abteilung Biomedizin
Sektion Transplantation und Fortpflanzungsmedizin
Schwarzenburgstrasse 157
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Tel. +41 58 463 51 54
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