Nachweis des Todes in der Transplantationsmedizin

Organe und Gewebe für Transplantationen stammen meist von Verstorbenen. Die Voraussetzungen für die Entnahme sind im Transplantationsgesetz geregelt. Insbesondere muss vor einer Entnahme nachgewiesen werden, dass das Gehirn vollständig und irreversibel ausgefallen ist.

Organe und Gewebe, die für eine Transplantation in Frage kommen, stammen in der Mehrzahl der Fälle von verstorbenen Personen. Eine Spende durch Verstorbene ist aber nur unter sehr speziellen Voraussetzungen möglich und deshalb selten. Wer zu Hause verstirbt, wird nicht zur Organspenderin oder zum Organspender, denn die Entnahme verlangt medizinische Vorbereitungen, die nur im Spital möglich sind.

Wann ist ein Mensch tot?

Das Hirn gilt als die zentrale Einheit des Menschen. Dieses macht die Persönlichkeit aus und steuert lebensnotwendige Funktionen des Organismus wie zum Beispiel die Atmung. Fällt das Hirn aus, stirbt der Mensch. Deshalb gilt heute als Todeskriterium der irreversible Ausfall aller Funktionen des gesamten Hirns und des Hirnstamms (Hirntod). Unterschiedliche Ursachen können zum Ausfall des Hirns führen:

  • Schwere Schädigung des Hirns: Der Tod tritt ein, nachdem das Hirn direkt geschädigt worden ist (primärer Hirntod). Dies kann die Folge einer Hirnblutung oder eines Unfalls sein.
  • Stillstand von Herz und Kreislauf: In den meisten Fällen sterben Menschen, weil das Herz aufhört zu schlagen und der Kreislauf zusammenbricht. Wenn der Kreislauf nicht mehr funktioniert, wird auch das Gehirn nicht mehr durchblutet. Der Mensch verliert in der Folge das Bewusstsein, die Hirnfunktionen fallen rasch und unwiederbringlich aus und der Tod tritt ein (sekundärer Hirntod).

Organspende nach primärem Hirntod

Zu einer Organentnahme kommt es am häufigsten nachdem der Tod wegen einer schweren Schädigung des Hirns eingetreten ist. Weil hier der Tod nach einer direkten Hirnschädigung eintritt, spricht man vom primären Hirntod. In diesem Fall wird auf der Intensivstation eine bereits eingeleitete künstliche Beatmung über den Tod hinaus weitergeführt. So werden die Organe weiter mit Sauerstoff versorgt und eine Schädigung verhindert.

Organspende nach Herz-Kreislauf-Stillstand (sekundärer Hirntod)

Eine Spende ist auch möglich, wenn jemand nach einem Herz-Kreislaufversagen verstirbt. Diese Form der Spende wird dann möglich, wenn im Spital bei einer Patientin oder einem Patienten mit aussichtsloser Prognose entschieden wurde, alle Therapien abzubrechen und die Person sterben zu lassen. Nach dem Abbruch der Therapien versagt das Herz-Kreislaufsystem, das Hirn wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab, wodurch der Tod eintritt (da die Hirnschädigung hier nicht direkt erfolgt, spicht man vom sekundären Hirntod). In diesen Fällen ist der Zeitdruck für die Entnahme besonders gross. Wegen des fehlenden Herzschlages werden die Organe bereits im Körper nicht mehr durchblutet und rasch geschädigt. Aufgrund des anhaltenden Organmangels werden seit einigen Jahren vermehrt solche Organe transplantiert.

Transplantationsgesetz setzt den Rahmen

Die Voraussetzungen für eine Entnahme von Organen, Geweben und Zellen bei Verstorbenen sind im Transplantationsgesetz definiert. Die wichtigsten Bestimmungen darin sind:

  • Organe, Gewebe oder Zellen dürfen einer verstorbenen Person nur entnommen werden, wenn dafür eine Einwilligung vorliegt und der Tod festgestellt worden ist.
  • Ist der Wille der verstorbenen Person nicht bekannt, können die nächsten Angehörigen im Sinne der verstorbenen Person entscheiden.
  • Die nächsten Angehörigen dürfen erst dann für eine Organentnahme angefragt werden, wenn entschieden worden ist, die lebenserhaltenden Massnahmen abzubrechen.
  • Ist der Wille der verstorbenen Person nicht bekannt und sind keine Angehörigen vorhanden oder erreichbar, ist es verboten, Organe, Gewebe oder Zellen zu entnehmen.
  • Der Wille der verstorbenen Person geht dem Willen der Angehörigen vor.
  • Die Angehörigen erhalten keine Informationen darüber, wem ein Organ zugeteilt worden ist.

Tod muss eindeutig festgestellt sein

Kommt jemand für eine Organspende in Frage, muss in jedem Fall der vollständige und endgültige Funktionsausfall des Hirns und des Hirnstamms zweifelsfrei nachgewiesen werden. Für das Vorgehen zur Feststellung des Todes verweist die Transplantationsverordnung auf die die Richtlinien « Feststellung des Todes im Hinblick auf Organtransplantationen und Vorbereitung der Organentnahme» der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in der Fassung vom 16. Mai 2017 (siehe unter «Links»):

  • Todesfeststellung  nach primärem Hirntod:  Als erstes wird geprüft, ob die Voraussetzungen für einen Hirntod gegeben sind: Es muss eine so schwere Hirnschädigung vorliegen, dass dadurch die Gesamtfunktion des Hirns ausfallen kann. Sicher auszuschliessen sind Vergiftungen durch Medikamente oder Krankheiten, die den Tod simulieren können und eine korrekte Hirntoddiagnostik verunmöglichen. Danach wird untersucht, ob alle Hirn- und Hirnstammfunktionen tatsächlich ausgefallen sind. Dazu prüfen die beiden Ärztinnen oder Ärzte mit klinischen Tests, ob grundlegende Reflexe noch funktionieren, die durch das Gehirn gesteuert werden. Löst keiner dieser Tests einen Reflex aus, ist das Gehirn ausgefallen und der Mensch damit tot.
  • Todesfeststellung nach Herz-Kreislaufstillstand:  Bei Personen, die  nach einem Herz-Kreislaufstillstand versterben und für eine Spende in Frage kommen, muss in der Schweiz zuerst der Herz-Kreislaufstillstand mittels Echokardiographie nachgewiesen werden. Damit wird gezeigt, dass das Hirn nicht mehr durchblutet wird und keinen Sauerstoff mehr erhält. Ohne Sauerstoff sterben die Hirnzellen in wenigen Minuten ab. Zusätzlich muss danach eine Hirntoddiagnostik gemacht werden. Diese darf frühestens nach einem fünf Minuten anhaltenden Stillstand von Herz und Kreislauf vorgenommen werden.

Die Hirntoddiagnostik zur Feststellung des Todes erfolgt gemeinsam durch zwei entsprechend qualifizierte Ärztinnen oder Ärzte (Vier-Augen-Prinzip), welche beide im Transplantationsprozess nicht involviert sind. Bei der Todesfeststellung können ergänzend technische Zusatzuntersuchungen zum Einsatz kommen, beispielsweise eine Messung des Blutflusses im Gehirn. Solche Zusatzuntersuchungen müssen in jenen Fällen durchgeführt werden, in denen die Ursache für den Funktionsausfall des Hirns nicht eindeutig feststeht.

Spenden sind auch im Alter möglich

Organe, Gewebe oder Zellen können grundsätzlich bis ins hohe Alter gespendet werden. Nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand ist für eine Spende entscheidend. Die tatsächliche Eignung kann allerdings erst kurz vor und während der Entnahme medizinisch geprüft werden.
Wer an einer schweren Infektionskrankheit oder an Krebs leidet, kommt eventuell als Spenderin oder Spender nicht in Frage. Je nach Art der Krankheit können aber auch in diesen Fällen Organe, Gewebe oder Zellen unter bestimmten Umständen für eine Transplantation genutzt werden.

Links

Gesetze

Gesetzgebung Transplantationsmedizin

Das Transplantationsgesetz schafft die rechtlichen Grundlagen für die Transplantationsmedizin in der Schweiz. Es basiert auf dem Verfassungsartikel 119a und wird ergänzt durch sechs Ausführungsverordnungen.

Weiterführende Themen

Vorbereitende medizinische Massnahmen

Vor einer Entnahme werden an der spendenden Person vorbereitende medizinische Massnahmen durchgeführt. Diese dienen ausschliesslich dazu, die Organe, Gewebe oder Zellen bis zur Übertragung in möglichst gutem und funktionstüchtigem Zustand zu erhalten.

Fallbeispiel einer Organspende

Ein fiktives Beispiel zeigt den typischen Ablauf einer Organspende eines unerwartet verstorbenen Patienten. Der ganze Prozess dauert in der Regel zwischen minimal einem halben Tag und maximal drei Tagen.

Zahlen & Fakten zur Transplantationsmedizin

Diese Seite gibt einen Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten des Transplantationswesens.

Letzte Änderung 27.02.2018

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