Die Lebendspende von Organen

Lebende Personen können gewisse Organe spenden. Meistens finden Lebendspenden in der Familie statt. Die Lebendspende hat grosse Vorteile, birgt für die Spenderinnen und Spender aber Risiken.

Als Spenderin oder Spender kommen für gewisse Organe auch lebende Personen in Frage. Der Mensch hat zwei Nieren, kann aber mit nur einer leben und die andere spenden. Ähnlich ist es bei der Lunge, die ebenfalls paarig angelegt ist. Die Entnahme eines Lungenflügels hat allerdings schwerwiegendere Auswirkungen auf den Körper und wird deshalb nur selten gemacht. Es ist auch möglich, einen Teil der Leber zu entnehmen, da dieses Organ sich regenerieren kann. Im Gegensatz zur Niere treten bei der Entnahme der Leber jedoch häufiger medizinische Komplikationen auf.

Neben den genannten Organen können zu Lebzeiten auch Blut-Stammzellen gespendet werden, zum Beispiel zur Behandlung der Leukämie.

Vorteile und Risiken der Organ-Lebendspende

Gegenüber der Organspende durch verstorbene Personen bietet die Lebendspende erhebliche Vorteile. So können medizinische Vorabklärungen ohne Zeitdruck vorgenommen und der Zeitpunkt des Eingriffs kann optimal geplant werden. Auch müssen Patientinnen und Patienten weniger lange auf ein Organ warten. Schliesslich ist bei einer Spende durch Blutsverwandte die Abstossungsreaktion meist geringer. All dies verbessert die Erfolgsaussichten der Transplantation.

Allerdings bestehen für Menschen, die ein Organ spenden, gesundheitliche Risiken. Diese hängen direkt mit der Operation zusammen oder sind langfristiger Art und unterscheiden sich nach Organ. Daher muss der Gesundheitszustand von Personen, die für eine Lebendspende in Frage kommen, umfassend abgeklärt werden. Auch müssen die Spenderinnen und Spender nach der Organentnahme medizinisch sehr gut betreut werden. Ausführliche Informationen zu den Risiken der Nieren-Lebendspende bietet die Lebendspendebroschüre des Schweizer Lebendspender-Gesundheitsregisters SOL-DHR/SNO:

Die Lebendspende muss freiwillig und unentgeltlich sein

Neben medizinischen Aspekten sind bei einer Lebendspende auch psychologische Faktoren zu berücksichtigen. Zu prüfen ist insbesondere, ob die Spende freiwillig und unentgeltlich erfolgt. Es ist verboten, für die Spende von Organen, Geweben oder Zellen einen finanziellen Gewinn oder einen anderen Vorteil zu gewähren oder anzunehmen. Neben der Abklärung des Gesundheitszustands der Spenderin bzw. des Spenders verlangt eine Lebendspende in einem Vorgespräch eine genaue Prüfung der ihr zugrunde liegenden Motive. Insbesondere im Familienkreis sind allfällige Abhängigkeitsverhältnisse und das Vorhandensein von psychischem Druck zu beachten. Unterstützung bei der medizinischen und psychosozialen Abklärung bei einer Organ-Lebendspende bieten die von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) erarbeiteten medizinisch-ethische Richtlinien und Empfehlungen zur Lebendspende (siehe auf dieser Seite unten im Register «Links»).

Lebendspenden stammen meist von nahestehenden Personen

Die meisten Organ-Lebendspenden finden zwischen Personen statt, die sich kennen (gerichtete Spende). Das Transplantationsgesetz erlaubt auch Lebendspenden an unbekannte Personen, sogenannte ungerichtete Spenden. In diesem Fall wird das Organ von der nationalen Zuteilungsstelle nach rechtlich festgehaltenen Kriterien zugeteilt.

Ist eine Lebendspende aus immunologischen Gründen nicht möglich, kann eine Überkreuz-Lebendspende in Frage kommen. Dabei geht die Niere nicht von der Spenderin oder dem Spender an die eigentlich vorgesehene Person, sondern «über Kreuz» an eine andere Person, die immunologisch kompatibel ist. In einem Überkreuz-Lebendspende-Programm werden inkompatible Paare in einen Pool aufgenommen und mittels einer spezifischen Software auf der Basis der Blutgruppen, der Gewebetypisierungen und anderen Parametern möglichst viele geeignete Kombinationen von SpenderInnen und EmpfängerInnen ermittelt. Weitere Informationen:

Wichtige Nachsorge nach der Lebendspende

In den meisten Fällen wird die Gesundheit durch eine Lebendspende nicht beeinträchtigt. Dennoch braucht es für Lebendspenderinnen und Lebendspender eine medizinische Nachsorge. So können allfällige gesundheitliche Probleme früh erkannt und behandelt werden. Zu diesem Zweck werden alle Personen, die zu Lebzeiten ein Organ gespendet haben, im Schweizer-Lebendspender-Gesundheits-Register SOL-DHR/SNO erfasst (siehe auf dieser Seite unten im Register „Links“) und regelmässig medizinisch untersucht. Die Nachsorge erfolgt nach einer Organspende lebenslang.

Finanzielle Aspekte der Lebendspende

Alle mit der Organ-Lebendspende verbundenen Kosten müssen von der Versicherung der empfangenden Person übernommen werden. Dies sind insbesondere Ausgaben für die Operation und die Nachsorge sowie die Entschädigung für den erlittenen Erwerbsausfall. Die Versicherer entrichten dazu eine einmalige Pauschale. Der Bund übernimmt die administrativen Kosten für die Führung des Lebendspende-Registers.

Gesetze

Gesetzgebung Transplantationsmedizin

Das Transplantationsgesetz schafft die rechtlichen Grundlagen für die Transplantationsmedizin in der Schweiz. Es basiert auf dem Verfassungsartikel 119a und wird ergänzt durch sechs Ausführungsverordnungen.

Weiterführende Themen

Fallbeispiel einer Nieren-Lebendspende

Die Organspende einer lebenden Person muss sehr sorgfältig vorbereitet werden. Der typische Ablauf einer Lebendspende wird an einem fiktiven Beispiel einer Nieren-Lebendspende von einer Mutter für ihre Tochter erläutert.

Lebendspende: Willensäusserung und Schutz

Personen, die für eine Lebendspende in Frage kommen, müssen umfassend und verständlich über den Eingriff und die Risiken informiert werden. Der Entscheid für oder gegen eine Lebendspende muss freiwillig und ohne Druck von aussen erfolgen.

Die Überkreuz-Lebendspende

Will jemand einer nahestehenden Person zu Lebzeiten eine Niere spenden, so ist dies aus Gründen der Kompatibilität nicht immer möglich. Mit einer Überkreuz-Lebendspende können jedoch Organe «über Kreuz» passenden Empfängerinnen oder Empfängern zugeteilt werden.

Die Spende von Blut-Stammzellen

Die Transplantation von Blut-Stammzellen dient zur Therapie schwerer Blut-Erkrankungen. Personen, die Blut-Stammzellen spenden möchten, können sich registrieren lassen. Sie müssen über den Ablauf und die Risiken informiert werden.

Letzte Änderung 06.08.2018

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Sektion Transplantation und Fortpflanzungsmedizin
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