Tag der psychischen Gesundheit

Bern, 10.10.2017 - Am 10. Oktober finden in der ganzen Schweiz verschiedene Aktionen zum Welttag der psychischen Gesundheit statt. Ein neuer Bericht des BAG bestätigt: Das Engagement für die psychische Gesundheit muss weiter intensiviert werden.

Das BAG zeigt in einer Situationsanalyse auf, wo die Herausforderungen in der koordinierten Versorgung von psychisch erkrankten Personen, die gleichzeitig an körperlichen Erkrankungen leiden, liegen. Die Vielfalt und Komplexität von solchen «Komorbitäten» ist für die Diagnostik wie auch für die Behandlung und Betreuung eine grundlegende Herausforderung.

Psychisch Kranke oft auch körperlich krank

In der Schweiz leiden über 70 % der Personen mit ausgeprägter psychischer Belastung und rund 73 % der Personen mit Depressionssymptomen zusätzlich an körperlichen Beschwerden. Besonders häufig sind Komorbiditäten im Bereich von Essstörungen, Störungen durch psychotrope Substanzen wie Alkohol und Drogen, bei Schizophrenien, Demenz und im Zusammenhang mit depressiven Störungen. Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen liegen oft auch weitere nichtübertragbare Krankheiten (NCD) vor.

Psychisch Kranke mit geringerer Lebenserwartung

Dies hat auch einen Einfluss auf die Mortalität dieser Patientengruppe. Menschen mit psychischen Erkrankungen sterben rund 10 bis sogar 25 Jahre früher. Dabei erklären Suizide nur einen kleinen Teil der verkürzten Lebenserwartung. Die tiefere Lebensdauer wird nebst der erhöhten Prävalenz für NCD unter anderem auf Nebenwirkungen von Psychopharmaka bzw. auf einen ungünstigen Lebensstil zurückgeführt.

Körperliche Begleiterkrankungen werden oft verkannt

Die Vielfalt und Komplexität von psychisch-somatischen Komorbiditäten stellt bereits bei der Diagnostik eine grosse Herausforderung dar. Die Wahrscheinlichkeit für eine unzureichende Diagnostik und medizinische Behandlung von körperlichen Begleiterkrankungen ist bei psychisch erkrankten Personen deutlich erhöht.

Dies liegt unter anderen daran, dass Personen mit gleichzeitig psychischen und physischen Erkrankungen oftmals in mehreren Versorgungsbereichen behandelt werden. Dabei wären sie auf sensibilisierte Fachpersonen angewiesen, welche ein Bewusstsein für die ganzheitliche medizinische Versorgung sowie ein interdisziplinäres Grundwissen aufweisen. Hausärztinnen und Hausärzten, welche Patientinnen und Patienten z.B. in Einrichtungen der Psychiatrie oder in Spitäler überweisen, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Ausserdem stellen diese Patienten, krankheitsbedingt und aufgrund psychosozialer Belastungen, eine besondere Herausforderung bei der Therapierung dar. Der Aufwand, Betroffene zur Kooperation zu bewegen und sie im Versorgungssystem zu halten, wird als gross empfunden und übersteigt rasch die Möglichkeiten ambulanter Einzelpraxen. Hierbei besteht die zusätzliche Herausforderung im bestehenden Versorgungssystem, die Durchlässigkeit und Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsbereich zu schaffen.

Aktivitäten auf nationaler Ebene

Das BAG wird sich nun, teilweise gemeinsam mit den relevanten Akteuren, engagieren und Massnahmen umsetzen, um die koordinierte Versorgung für Menschen mit psychisch-somatischer Komorbidität zu verbessern. Dazu soll das Thema u.a. verstärkt in andere Aktivitäten des BAG eingebracht werden. Betroffene Personen, Angehörige und Fachpersonen sollen für das Thema «Psychisch erkrankte Menschen mit gleichzeitig körperlicher Erkrankung» sensibilisiert werden. Dies unter anderem, indem international bewährte Beispiele ermittelt und bekannt gemacht werden. Das BAG will mit diesen Aktivitäten die Sensibilisierung für das Thema stärken und der Stigmatisierung und Diskriminierung der betroffenen Personen entgegenwirken sowie das Wissen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern, um Anreize für neue integrierte Modelle zu schaffen. Dies im Wissen darum, dass die Kontinuität und Koordination der medizinisch-therapeutischen Behandlung und die Vernetzung zwischen Gesundheits- und Sozialsystem für die angemessene Versorgung dieser Patientinnen und Patienten von zentraler Bedeutung sind.

Weiterführende Themen

Koordinierte Versorgung

Bei der Behandlung und Pflege von Patientinnen und Patienten mit mehreren oder chronischen Erkrankungen besteht Koordinationsbedarf. An der Konferenz Gesundheit2020 wurde deshalb das Projekt «Koordinierte Versorgung» initiiert.

Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten

2.2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an einer nichtübertragbaren Krankheit. Viele dieser Erkrankungen könnten mit einem gesunden Lebensstil vermieden oder verzögert werden. Hier setzt die partnerschaftliche NCD-Strategie an.

Themenschwerpunkte im Bereich psychische Gesundheit

Psychische Krankheiten gehören zu den häufigsten Krankheiten. Sie schränken die Lebensqualität ein und können zu Suiziden führen.

Letzte Änderung 23.05.2018

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