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Masern


  

Lagebericht am 09.09.2014

Ausbrüche im 2013

 

Die Anzahl Masernmeldungen nahm gegen Ende des Frühjahrs 2013 sprunghaft zu - von 9 Fällen im Mai auf 47 Fälle im Juni und 55 Fälle im Juli. Total wurden im Jahr 2013 176 Fälle gemeldet; im Vergleich zu 2012 mit 63 Fälle entspricht dies einer Zunahme von 179%. Die Inzidenz ist damit von 8 auf 22 Fälle pro Million Einwohner gestiegen.

 

Unter den 176 im Jahr 2013 gemeldeten Fällen waren 68 % zwischen 5 und 19 Jahren alt; 22% waren 20-jährig oder älter. Nur ein Fäll (0.6%) war jünger als 1 Jahr. 60% der Fälle waren männlich. Der Impfstatus war bei 160 Fällen (91% des Totals) bekannt; von diesen waren 140 Fälle (88%) ungeimpft, 8 Fälle (5%) mit einer Dosis und 5 Fälle (3%) mit zwei Dosen geimpft. Bei 7 der geimpften Fälle (4%) war die Anzahl Dosen unbekannt. 18 Fälle (10%) wurden hospitalisiert.

 

Im 2013 wurden insgesamt 14 Ausbrüche gemeldet, die zwei oder mehr durch einen epidemiologischen Link verbundenen Fälle umfassten; insgesamt umfassten diese 149 Fälle (85% des Totals aller Fälle). Die drei bedeutendsten unter ihnen begannen im Juni bzw. Juli :

•-       97 Fälle in den Kantonen Schwyz, Uri, Luzern und Zug ; dieser Ausbruch zog sich über vier Monate hin. In erster Linie waren nicht geimpfte Kinder und Jugendliche betroffen; die Übertragung fand vor allem in Schulen und Familien statt ;

•-       16 Fälle im Tessin im Verlauf von sechs Wochen. Der Ausbruch im Tessin trat in der Region um Bellinzona auf. Auch hier waren vorwiegend ungeimpfte Jugendliche betroffen ;

•-       9 Fälle im Wallis im Verlauf von fünf Wochen ; hier handelte es sich hauptsächlich um Kinder und Jugendliche in Zusammenhang mit einer Gruppenpilgerreise nach Lourdes.

Die elf anderen Übertragungsketten mit je 2 bis 5 Fällen manifestierten sich nur kurze Zeit und betrafen zehn Kantone. Abgesehen von diesen Ausbrüchen wurden 27 isolierte Fälle gemeldet; in der Regel ohne bekannte Exposition.

 

Das Durchschnittsalter der in die Ausbrüche in der Zentralschweiz bzw. im Tessin involvierten Fälle liegt deutlich tiefer als dasjenige des Totals aller Fälle, die in den letzten Jahren gemeldet wurden - dies bei konstanter Zunahme über die Zeit. Beim Ausbruch in der Zentralschweiz lag das Durchschnittsalter bei 12.5 Jahren, bei demjenigen im Tessin bei 18.9 Jahren - verglichen mit z. B. 23.8 Jahren für das Total aller Fälle im 2012. Dies weist darauf hin, dass es auch unter Kindern und Jugendlichen lokal noch immer Gruppen von Nichtgeimpften gibt.

 

Der Ursprung dieser beiden Ausbrüche ist unbekannt; der jeweils erste bekannte Fall war nicht im Ausland gewesen. Neun Masernviren aus Proben der Zentralschweiz wurden einer Sequenzanalyse unterzogen. Alle gehören zum Genotyp « D8-Taunton », einer Virusvariante, die im 2013 in Grossbritannien weit verbreitet, in Deutschland sporadisch zirkulierte. Diese Variante war im 2013 auch Ursprung einer grösseren Masernepidemie in den Niederlanden.

 

Was die Fälle mit bekanntem Ursprung betrifft, wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2013 17 Fälle (10%) importiert: sieben aus Europa, sieben aus Asien, und drei aus Afrika. Dreizehn (77%) davon waren männlich. Vierzehn (82%) der importierten Fälle waren ungeimpft, ein Fall war nur mit einer Impfdosis geimpft, ein Fall war mit einer unbekannten Anzahl Dosen geimpft, und bei einem Fall war der Impfstatus nicht bekannt. Bei zwölf (71%) der importierten Fälle handelte es sich um Erwachsene im Alter von 20 bis 64 Jahren. Einer dieser importierten Fälle hat im Kanton Wallis 8 sekundäre Fälle ausgelöst.

 

Isolierte Fälle im 2014

 

In den ersten neun Monaten 2014 wurden aus zehn Kantonen insgesamt 21 Masernfälle gemeldet, was einer jährlichen Inzidenz von 4 Fällen pro Million Einwohner entspricht. Sieht man vom Jahr 1999 ab (in dem weniger als 3 Fälle pro Mio. Einwohner verzeichnet wurden), entspricht dies der niedrigsten Inzidenzrate seit Einführung der obligatorischen Meldung von Masern im Jahr 1998. Dreizehn (62%) der Fälle waren älter als 16 Jahre (Altersspanne : 17-47 Jahre).

 

Was die Übertragung betrifft, wurden vier kurze Übertragungsketten mit je 2 Fällen und 13 isolierte Fälle verzeichnet. Die erste Übertragungskette betraf zwei Kinder aus derselben Familie im Kanton Zürich, ohne bekannte Exposition. Die zweite betraf ein Paar aus Genf, bei dem sich der Indexfall in der Türkei angesteckt hatte. Die dritte betraf einen Mann, der aus Sri Lanka in die Schweiz zurückkehrte und mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Kind, das im selben Flugzeug sass, ansteckte (die genetischen Eigenschaften der Virusisolate waren identisch); beide Personen sind im Kanton Zürich wohnhaft. Die vierte betraf eine junge Frau aus dem Kanton Zürich, welche infolge einer masernbedingten Pneumonie eine Woche nach ihrer Rückkehr aus Hong Kong hospitalisiert werden musste, und ihren Freund angesteckt hat. Mit Ausnahme des letztgenannten, bei dem der Impfstatus unbekannt ist, war keiner der 8 Fälle war geimpft.

 

Unter den isolierten Fällen waren vier importierte; diese schleppten die Masern aus den Philippinen, aus Pakistan, aus Indien bzw. aus Italien ein und waren nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft.

 

Trotz der seit kurzem stark gesunkenen Inzidenz sind sporadische Fälle (insbesondere aus dem Ausland importierte), lokal begrenzte Ausbrüche sowie solche, welche wesentlich umfangreicher ausfallen könnten als der Ausbruch in der Zentralschweiz im 2013, weiterhin zu erwarten. Der Grund dafür ist die schweizweit immer noch ungenügende Durchimpfungsquote (für zwei Impfdosen liegt das nationale Mittel bei 86% für die zweijährigen Kinder, bei 90% für die 8-Jährigen, und bei 89% für die 16-Jährigen). Reisen ins Ausland, insbesondere nach Asien und Afrika, stellen eine wesentliches Infektionsrisiko dar und führen zum Import der Masern in die Schweiz. Mehrere Fälle waren schon auf dem Heimflug in der ansteckenden Phase, was einerseits ein Risiko für die Mitpassagiere darstellt, andererseits das Potenzial zu einer weiten Verbreitung der Krankheit hat.

 

 


Erreger und Übertragung

Masern sind eine vor allem wegen ihren Komplikationen gefürchtete virale Infektionskrankheit, die durch das Masern-Virus ausgelöst werden. Zu einer Übertragung des hoch ansteckenden Masern-Virus kommt es durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen.

Krankheitsbild

Masern verlaufen üblicherweise in zwei Krankheitsschüben: Ein erster beginnt 7-18 Tage nach der Infektion mit Fieber, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Lichtscheu, Entzündung der Schleimhaut im Mund und ist oft begleitet von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Zwei bis vier Tage nach Beginn der Symptome folgt das zweite Stadium mit einem erneuten Fieberanstieg. Die bereits bestehenden Symptome verstärken sich und dazu tritt jetzt ein ausgeprägter Hautausschlag auf. Unkomplizierte Fälle heilen ziemlich rasch und ohne bleibende Folgen ab. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich als Komplikation eine Hirnentzündung (=Enzephalitis; 1 auf 1000 Fälle), eine Lungenentzündung (=Masernpneumonie; 50 bis 150 auf 1000 Fälle) oder eine Mittelohrentzündung (=Otitis media) entwickelt. Eine spezifische Therapie gegen das Virus gibt es nicht. Es können lediglich die Symptome gelindert werden.

Verbreitung und Häufigkeit

Die Masern sind nicht speziell eine „Kinderkrankheit": sie kann in jedem Alter auftreten. Vor Einführung der Impfung waren die Masern weltweit eine Kinderkrankheit, an der fast alle Kinder erkrankten. Seit Einführung der Impfung ist sie stark zurückgegangen, und konnte (mit Ausnahme einiger importierter Masernfälle) in vielen Regionen und Kontinenten, wie etwa in ganz Nord- und Südamerika, vollständig zum Verschwinden gebracht werden. Die Schweiz hingegen zählt selbst in Jahren ohne Epidemie jährlich zirka 50 Masernfälle. Bei Epidemien kann diese Zahl auf gut auf über 2000 Erkrankte in der Schweiz steigen. Die Sterblichkeit an Masern beträgt heutzutage in den Industrieländern noch etwa 1 bis 3 Personen auf 10 000 Erkrankte, in Entwicklungsländern beträgt sie oft 300-500 pro 10 000 Erkrankte, teilweise liegt sie noch darüber.

Vorbeugung

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung gegen Masern in Kombination mit derjenigen gegen Röteln und Mumps. Grund für die Impfung gegen diese drei Krankheiten ist es, deren manchmal äusserst schwer verlaufende Krankheitskomplikationen zu verhindern. Empfohlen sind zwei Dosen: die erste im Alter von 12 Monaten, die zweite zwischen 15 und 24 Monaten. Eine Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich, und eine solche wird allen nicht-immunen, nach 1963 geborenen Personen empfohlen. Es handelt sich um eine sehr sichere Impfung die in der Regel gut vertragen wird. Der Schutz währt bei den meisten vollständig geimpften Personen lebenslänglich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Mitgliedsstaaten bemühen sich, die Masern in Europa durch eine hohe Durchimpfungsrate bei den Kleinkindern zum Verschwinden zu bringen (eliminieren).


Titel abwärts sortieren Format abwärts sortieren Datum abwärts sortieren
Neue Welle der Masernepidemie Anfang 2009: Beschreibung und Massnahmen
Bull BAG 2009: Nr. 27; 484-491
PDF (238 Kb)29.06.2009
Stellungnahme zur GDK-MedienmitteilungPDF (31 Kb)19.02.2009
Der Vorstand der GDK äussert sich zur Bekämpfung der Masern
Medienmitteilung vom 16.2.2009
PDF (46 Kb)18.02.2009
Medienmitteilung: Neue Masernausbrüche in der Schweiz und ein Todesfall
Bull BAG 2009: Nr. 8; 128
PDF (22 Kb)16.02.2009
Masern: Sentinella-Meldungen Juni 1986-Dezember 2007
BAG Bulletin 2008; Nr. 28: 490-491
PDF (71 Kb)07.07.2008
Epi-Notiz: Die Masernepidemie in der Schweiz setzt sich fort
Bull BAG 2008: Nr. 24: 430-432
PDF (527 Kb)09.06.2008
Masernepidemie: Stand im Mai 2008 und Empfehlungen
Stand: Mai 2008
PDF (209 Kb)22.05.2008
Die Gesundheitsbehörden verstärken die Massnahmen zur Eindämmung der Masernepidemie
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Masernausbruch in Genf, März-April 2007: Verlauf und Bekämpfungsmassnahmen
Bull BAG 2007: Nr. 25: 448-451
PDF (131 Kb)18.06.2007
Zwei Masernausbrüche mit bisher 32 Fällen im Kanton Luzern
BAG Bull 2007; Nr. 1: 10-11
PDF (49 Kb)08.01.2007
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Zuletzt aktualisiert am: 09.09.2014

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